Generation Zukunftsangst Angst vor Krieg

Jugendliche haben Angst vor Krieg in Europa – sogar noch mehr als vor dem Klimawandel. Das zeigt die neue Trendstudie "Jugend in Deutschland". Zum ersten Mal ist der Krieg für diese Generation wirklich spürbar. Was beschäftigt die jungen Menschen hier und wie gehen Jugendliche in der Ukraine und in Russland mit der Kriegssituation um? In dieser Sonderfolge des Podcasts "Generation Zukunftsangst" werden alle drei Perspektiven beleuchtet. Zudem gibt es Tipps, zum Umgang mit den eigenen Ängsten.

Eine grauer Kreis trägt die Aufschrift: "Angst vor Krieg". Im Vordergrund ist eine Person zu sehen, die ein Kind auf dem Arm hält. Im Hintergrund Personen mit Waffen und ein Panzer.
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Generation Zukunftsangst

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Plötzlich ist der Krieg ganz nah

Bei jungen Menschen hat die Angst vor Krieg die Angst vor Klimawandel als größte Sorge abgelöst. Das zeigt die aktuelle Trendstudie "Jugend in Deutschland": Knapp 70 Prozent der befragten 14- bis 29-Jährigen haben Angst vor einem Krieg in Europa. Zum ersten Mal ist der Krieg für die junge Generation in Deutschland wirklich spürbar. Das liegt auch daran, dass die Ukraine geographisch näher ist: Kiew ist nur etwas weiter von Leipzig entfernt als Rom - knapp 1.500 km.

Ich fand das auch sehr gruselig, weil das etwas ist, dass wir nur aus Geschichtsbüchern kennen oder aus Erzählungen von den Großeltern. Wir sind in einer sehr privilegierten Lage, da es uns gut geht. Wir mussten nie so eine Krise überstehen. Das ist neu. Und neue bedrohliche Situationen verursachen Angst. Das ist total menschlich.

Dr. Annegret Wolf, Psychologin an der Universität Halle

Maschinengewehr statt Hängematte

In Deutschland bekommen wir den Krieg in der Ukraine vor allem durch die wirtschaftlichen Konsequenzen zu spüren: Heizkosten, Benzin- und Lebensmittelpreise steigen. Wie aber geht es jungen Ukrainerinnen und Ukrainern mitten im Kriegsgeschehen? Generation Zukunftsangst-Redakteur Robert Putzbach war zu Kriegsbeginn in Kiew und hat vor Ort mit ihnen gesprochen. An einem der militärischen Checkpoints traf er auf den 20-jährigen Igor: Er chillt normalerweise in seiner Hängematte oder geht wandern. In diesem Krieg hat er zum ersten Mal eine Waffe in der Hand gehalten. Mit Maschinengewehr und selbstgebastelter schusssicheren Weste versucht er, seine Heimat zu verteidigen - und seiner Angst zu begegnen, indem er selbst aktiv ist.

Ich hatte das Gefühl, dass die Ängstlichen diejenigen waren, die nur zu Hause im Keller saßen und Nachrichten geguckt haben. Dadurch fühlt man sich sehr machtlos. Obwohl es draußen natürlich gefährlicher ist. Aber es gibt mehr das Gefühl, Kontrolle zu haben über die eigene Situation.

Robert Putzbach, Redakteur bei Generation Zukunftsangst & freier Journalist

Nicht alle Russ:innen stehen hinter Putin

Auch, wenn die Zustimmungswerte für Putin innerhalb der russischen Bevölkerung seit Kriegsbeginn gestiegen sind, gibt es zahlreiche Russinnen und Russen, die den Krieg verurteilen. Auch sie haben Angst. Sie fürchten schwere Sanktionen oder Haftstrafen, wenn sie sich öffentlich gegen den Krieg positionieren. Wie erleben junge Menschen in Russland den Krieg, und welche Ängste haben sie? Für diese Podcastfolge haben wir mit Alina (Name von der Redaktion geändert) gesprochen. Sie möchte anonym bleiben aus Angst vor der Reaktion ihrer Familie, die von Putins Propaganda geblendet scheint. Sie hat eine 20-jährige Cousine in Russland, die ihr erzählt hat, dass sie Angst um ihre Zukunft hat.

Meine Cousine hat Angst vor den Konsequenzen, wenn sie auf die Straße geht und demonstriert. Sie möchte Russland für ein Semester oder länger verlassen, um zu reisen und die Welt zu sehen. Sie hat Angst, dass wenn sie jetzt zu viel sagt, ihr das noch schwerer gemacht wird. Oder schlimmer: Dass sie eine Geldstrafe bezahlen muss, ins Gefängnis kommt oder von der Uni ausgeschlossen wird.

Alina* über den Alltag ihrer Cousine in Russland

In dieser Sonderfolge von Generation Zukunftsangst gehen Vincent Ebneth und Ann-Kathrin Lautenschläger der Frage nach, wie junge Menschen mit der derzeitigen Kriegssituation umgehen. Dafür schauen sie, was uns in Deutschland konkret Angst macht - und wie diese Ängste einzuordnen sind. Wir hören die Psychologin Dr. Annegret Wolf. Sie schätzt die Lage aus wissenschaftlicher Perspektive ein und gibt Ratschläge zur Angstbewältigung. Wie es den jungen Menschen in der Ukraine geht, berichtet Generation Zukunftsangst-Redakteur und freier Journalist Robert Putzbach. Er war zu Kriegsbeginn in Kiew und hat junge Ukrainerinnen und Ukrainer gesprochen. Außerdem sprechen die beiden Moderator:innen mit der Deutsch-Russin Alina*. Sie berichtet aus dem Alltag ihrer 20-jährigen Cousine, die in Russland lebt.

*Name von der Redaktion geändert.

Autor:innen: Ann-Kathrin Lautenschläger und Vincent Ebneth

6 Kommentare

Eulenspiegel vor 10 Wochen

Also ich denke Kriege auf anderen Kontinenten das ist einfach weit weg. Da haben wir keinen Bezug zu. Ein Krieg in Europa dagegen der auf jeden Fall unser Leben beeinträchtigt und sogar bis nach Deutschland kommen könnte, Ich denke Putin ist unberechenbar, da sieht es schon ganz anders aus.

MDR-Team vor 10 Wochen

Hallo Samowar66,
schade, dass Sie pauschalisieren und eine Kriegsangst nur auf die hohen Preise schieben und sie behaupten, dass uns andere Kriege nicht interessieren würden. Das wird dem Thema nicht gerecht. Hören Sie doch mal in den Podcast rein, Sie werden feststellen, dass da noch wesentlich mehr mit einfließt.

Samowar66 vor 10 Wochen

Entfernung Leipzig - Belgrad rd. 1 155 km.
Brutaler Bombenterror nicht "aus Geschichtsbüchern oder aus Erzählungen von den Großeltern" sondern 1999. ( besser: Erzählungen DER Großeltern )
All die Jahre gab und gibt es Kriege in der ganzen Welt, Irak, Lybien, Ruanda, Syrien, Sudan - blutiges Gemetzel überall, Millionen Tote !!!, Hunger und Leid.
Das hat uns aber nicht allzu sehr gejuckt. Jetzt jucken uns die hohen Preise.
Natürlich hat man Angst vor dem Krieg. Aber Krieg kommt nicht einfach so daher. Da gibt es Ursachen. Die sollten ergründet werden.