Generation Zukunftsangst Angst vor Rechtsruck

Laut der Bundesinnenministerin Nancy Faeser stellt Rechtsextremismus die "größte Gefahr für die Demokratie" in Deutschland dar. Seit Jahren nimmt die Zahl rechter Übergriffe und Gewalttaten hierzulande stetig zu. Das erzeugt Angst – insbesondere bei jungen Menschen und all denen, die nicht ins rechte Weltbild passen. Rückt unsere Gesellschaft wirklich weiter nach rechts? Und was können wir dagegen tun?

Eine Grafik trägt die Aufschrift "Angst vor Rechtsruck". Im Hintergrund sind Menschen zu sehen, die Flaggen schwenken und emporgestreckte Fäuste.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Generation Zukunftsangst

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"Ich habe Angst, nachts alleine auf die Straße zu gehen", sagt Anass Halime. Der 25-Jährige Student lebt seit anderthalb Jahren in Görlitz. Dort wurde er mehrfach rassistisch beleidigt, sogar geschlagen. Bei ihm haben diese Erfahrungen große Angst erzeugt. Damit ist Anass nicht alleine. Viele junge Menschen in Deutschland sorgen sich vor einem Rechtsruck im Land, es gehört zu den weit verbreitetsten Ängsten. Doch auch schon jetzt gibt es rechte Gewalt. Die Fallzahlen sind im europäischen Vergleich sogar besonders hoch. Dabei gibt es eine Dunkelziffer, längst nicht alle Vorfälle werden zur Anzeige gebracht.

Erfahrungen teilen, Probleme benennen

Anass hat sich entschieden, seine Erfahrungen mit anderen zu teilen, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Er möchte anderen, die sich das vielleicht selbst nicht vorstellen können, zeigen, wie sich Alltagsrassismus und Gewalt anfühlen. Auf seinem Weg hatte er auch Unterstützung: Ein zivilgesellschaftlicher Verein hat sich nach dem Bekanntwerden des Falles bei ihm gemeldet und ihn unterstützt.

Im Fall von Anass waren es die Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie Sachsen e.V. (kurz RAA Sachsen), die ihn bei der Bewältigung des körperlichen Angriffs unterstützt haben. Dieser Verein ist nur in Sachsen aktiv, es gibt jedoch bundesweit zahlreiche vergleichbare Initiativen. Sie beraten und unterstützen Opfer von rechter Gewalt. Oft sind es vor allem Ehrenamtliche, die sich dort für die Gesellschaft und gegen rechte Gewalt engagieren.

Wachsende Fremdenfeindlichkeit und zunehmender Nationalismus

Blickt man auf aktuelle Studien und Umfragen, wird deutlich, dass vor allem jüngere Menschen Angst vor einem Rechtsruck in unserer Gesellschaft haben. Sie machen sich Sorgen über wachsende Fremdenfeindlichkeit und zunehmenden Nationalismus. Dabei bewerten sie Zuwanderung und die Aufnahme von Geflüchteten deutlich positiver als ältere Menschen. Den Jüngeren ist es wichtig, sich gesellschaftlich zu engagieren, zu helfen und bei Diskriminierungen und Übergriffen nicht wegzuschauen. Weitere Ergebnisse der Umfragen und Studien haben wir für euch in der Visualisierung zusammengefasst.

Die Einstellungen und Werte junger Menschen machen Hoffnung, dass sich unsere Gesellschaft trotz allem auf einem guten Weg befindet. Das zeigt, dass Präventions- und Bildungsarbeit von zentraler Bedeutung sind. Die Zivilcourage-Trainerin Julia Miller vermittelt in Schulen die Werte unserer demokratischen und offenen Gesellschaft. Das Entscheidende ist es, die Menschen zu erreichen, bevor sich bei ihnen ein bestimmtes Weltbild verfestigt hat. Sie zeigt den Schülern auch, wie man richtig reagieren kann, wenn man Zeuge einer Attacke wird. Denn ein Rechtsruck ist mehr als nur ein beängstigendes Zukunftsszenario – rechte Gewalt findet auch jetzt schon statt. Bei jedem dieser Angriffe gibt es Opfer, Menschen wie Anass Halime. Er hat sich entschieden, Görlitz zu verlassen, um keine Angst mehr haben zu müssen. 

Links/Studien

Autoren: Michael Zichert und Robert Putzbach, Visualisierungen: Immanuel von Detten und Michael Zichert.

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