Vereinsamtes Kind an einem Gartenzaun
Vereinsamtes Kind an einem Gartenzaun: Auch in Europa schrumpft die Bevölkerung. Bildrechte: IMAGO / CHROMORANGE

Wissen-News Dramatischer Geburtenrückgang in fast allen Ländern bis 2100

21. März 2024, 11:52 Uhr

In 198 von 204 Ländern der Welt wird die Geburtenrate einer Lancet-Studie zufolge bis 2100 weniger als 2,1 Kinder pro Frau betragen. Damit schrumpft dort die Bevölkerung. Jedes zweite Baby wird Ende des Jahrhunderts in Subsahara-Afrika geboren.

Ein dramatischer Geburtenrückgang in fast allen Ländern der Welt wird die Bevölkerungsstruktur auf der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts nachhaltig verändern. Laut einer im Fachjournal "The Lancet" veröffentlichten Studie werden bis zum Jahr 2050 mehr als drei Viertel (155 von 204) der Länder nicht mehr die für die Aufrechterhaltung ihres Bevölkerungsniveaus notwendige Geburtenrate von 2,1 Kindern pro Frau aufweisen. Bis zum Jahr 2100 wird dieser Anteil sogar auf 97 Prozent der Länder (198 von 204) ansteigen.

Das Forscherteam unter Leitung des Institute for Health Metrics and Evaluation der University of Washington in Seattle prognostiziert zugleich eine knappe Verdopplung des Anteils an den weltweiten Geburten in den sogenannten einkommensschwachen Regionen der Erde von 18 Prozent (2021) auf 35 Prozent im Jahr 2100. Demnach wird Ende des Jahrhunderts mehr als jedes zweite Kind auf dem Planeten in Afrika südlich der Sahara geboren werden. Kamen 2021 29 Prozent aller weltweiten Babys im subsaharischen Afrika auf die Welt, so wird dieser Anteil bis zum Jahr 2100 auf 54 Prozent steigen.

Zu den Staaten, die der Lancet-Studie zufolge im Jahr 2050 die weltweit höchsten Geburtenraten aufweisen, gehören Niger (5,15 Kinder pro Frau), Tschad (4,81), Somalia (4,3), Mali (4,21) und Südsudan (4,09). 2100 werden der Prognose zufolge Samoa (2,5), Tonga (2,45), Somalia (2,45), Niger (2,24) und Tschad (2,15) das Ranking der meisten Geburten anführen. Die wenigsten Geburten werden 2050 in Südkorea (0,82), Puerto Rico (0,84), Taiwan (0,9), Serbien (1,01) und der Ukraine (1,01) erwartet. 2100 sieht die Prognose Bhutan (0,69), die Malediven (0,77), Puerto Rico (0,81), Nepal (0,82) und Südkorea (0,82) auf den letzten Plätzen.

(dn)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Nachrichten | 21. März 2024 | 10:30 Uhr

12 Kommentare

MDR-Team vor 4 Wochen

Hallo Brigitte Schmidt,

wir sammeln hier auf dieser Website wissenschaftliche Neuerungen, Fortschritte, Erkenntnisse und Studien. Wir interpretieren nicht, sondern informieren. Mehr Informationen über den Inhalt der Studie erfahren Sie über den Link unter dem Artikel.

- Das MDR WISSEN Team

Kritische vor 4 Wochen

Il Sassone. Sie wissen schon, was Prognosen sind? Es gibt immer verschiedene Szenarien, die in die ein oder andere Richtung ausschlagen können. Das sind MODELLE und sinnlos sind sie gewiss nicht, alle arbeiten mit solchen Prognosen. Die Wirtschaft, die Politik und auch die Staaten zum Beispiel bezüglich benötigter öffentlicher Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser oder auch dem Arbeitskräftebedarf. Sinnlos also gewiss nicht.

Kritische vor 4 Wochen

Atheist: Nicht alle Frauen auf der Welt haben das Privileg, sich Kinder bewusst "anzuschaffen" und die Männer sind eh fein raus. Viele Frauen dort werden schon als Kind unfreiwillig geschwängert bzw. vergewaltigt oder durch Zwangsheirat dazu gezwungen. Deshalb ist Bildung neben Kinder- und Frauenrechten sowie Verhütung möglichst kostenlos für alle Menschen so wichtig. Auch das Umdenken, dass Mädchen und Frauen kein Eigentum der Männer sind, hängt mit diesen Faktoren zusammen. Ihr Argument mit dem "Anschaffen" ist also nur bedingt richtig.

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