Covid-19 Warum die Stiko die Impfung für Schwangere jetzt empfiehlt

Die Ständige Impfkommission empfiehlt mRNA-Impfungen gegen Covid-19 jetzt auch für Schwangere und Stillende, damit Frauen und Kinder sich schützen können. Es kommt aber auf den richtigen Zeitpunkt an.

Patientin bekommt von Arzt eine Injektion
Ein Arzt impft eine Schwangere (Archivbil). Bildrechte: imago/Niehoff

Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut hat an diesem Freitag die Empfehlung einer Corona-Impfung auch für schwangere und stillende Frauen auf den Weg gebracht. Sie sollten mit einem der beiden zugelassenen mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna geimpft werden. Damit sollen nun etwa 750.000 Frauen in Deutschland einen besseren Zugang zu einem Schutz gegen Covid-19 bekommen.

Schwangere haben höheres Risiko durch Covid-19

Bis zur endgültigen Empfehlung müssen nun noch Stellungnahmen eingeholt werden. Dass aber empfohlen wird, gilt als sicher. Hintergrund der Entscheidung: Eine Schwangerschaft stellt ein gewisses Risiko dar, schwer an Covid-19 zu erkranken. Das haben bereits mehrere Studien gezeigt. Weil die meisten Frauen in eher jungen Jahren schwanger werden, ist das Risiko zwar nicht so hoch, wie bei den über 80-Jährigen. Dennoch erkrankten etwa 10 Prozent der infizierten schwangeren Frauen schwer an Covid.

Vier Prozent der Frauen müssten auf einer Intensivstation behandelt werden, drei Prozent an Beatmungsmaschinen angeschlossen werden, sagt Marianne Röbl-Mathieu, niedergelassene Frauenärztin in München und Mitglied der STIKO. Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin empfehlen die Impfung daher schon länger. Dass die STIKO erst am heutigen Freitag eine allgemeine Empfehlung abgegeben hat, habe mit einigen komplizierten Abwägungen zu tun, haben Röbl-Mathieu und der Immunologe Professor Christian Bogdan von der Uniklinik in Erlangen am Freitag in einem Pressegespräch erläutert.

Schwangerschaft: Komplexe Situation für die Immunsysteme von Mutter und Kind

Zunächst war die Datenlage in Bezug auf die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfung bei Schwangeren sehr begrenzt. "Bei dieser speziellen Gruppe müssen wir ja immer zwei Leben betrachten: Das der werdenden Mutter und das des Kindes", sagt Christian Bogdan. Eine Hürde, die bislang auch bei klinischen Versuchen meist ungeklärt war: In den Zulassungsstudien wurden schwangere Frauen ausgeschlossen, da die Impfstoffhersteller Haftungsfragen bei möglichen gesundheitlichen Folgen für die Babys befürchteten.

Erst eine große Vergleichsstudie aus Israel mit jeweils rund 10.000 geimpften und nicht-geimpften schwangeren Frauen hat jetzt gezeigt: Risiken für die Kinder bestehen praktisch nicht. Es kommt allerdings auf den richtigen Zeitpunkt an. "Eine Schwangerschaft stellt eine immunologisch ausgesprochen Komplexe Situation dar, weil sich die Immunsysteme zweier genetisch verschiedener Organismen aufeinander einstellen müssen", erklärt Bogdan.

Impfung erst im zweiten Drittel der Schwangerschaft

Geimpft werden kann erst ab dem zweiten Drittel einer Schwangerschaft. In den ersten zwölf Wochen werde die Plazenta noch ausgebildet. Werde das Immunsystem hier stark beansprucht und komme es etwa zu Fieber – durch eine Infektion oder auch durch die Impfung – dann steige das Risiko eines ungewollten Schwangerschaftsabbruchs.

"Deshalb versucht man in den ersten drei Monaten schwere Infektionen zu vermeiden und eben auch schwere immunologische Veränderungen, die etwa durch eine systemische Impfreaktion ausgelöst werden können", erklärt Bodgan. Der Immunologe betont zugleich, eine Impfung während der Schwangerschaft sei immer nur die zweitbeste Wahl gegenüber einer Impfung davor.

Ansteckendere Deltavariante macht Schwangeren-Impfung dringender

Allerdings stand eine Impfung für viele Frauen zu Beginn ihrer Schwangerschaft noch nicht zur Verfügung. Die Erfahrung der vergangenen Monate habe gezeigt: Die fehlende STIKO-Empfehlung habe für viele Schwangere den Zugang zur Impfung erschwert, sagt die Frauenärztin Röbl-Mathieu. Die behandelnden Ärzte hätten oft Schwierigkeiten mit der individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung gehabt. Das könne durch die Empfehlung jetzt ausgeräumt werden. Der Schritt sei auch durch das gestiegene Infektionsrisiko angesichts der Deltavariante notwendig geworden.

"Ich begrüße diese Empfehlung sehr", sagt Mario Rüdiger, Kinderarzt am Dresdner Uniklinikum und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin. Zwar habe seine Gesellschaft die Impfung schon früher empfohlen, dennoch sei es richtig, dass die STIKO mehr wissenschaftliche Daten abgewartet habe. Diese könnten nun belegen, dass die Impfung im Gegensatz zu einer Infektion mit Sars-CoV-2 nicht das Risiko von Früh- beziehungsweise Fehlgeburten erhöhe.

Impfung schützt auch Babys

Von einer Impfung der werdenden Mutter profitieren auch die Föten und später die Babys. Sie erhalten Antikörper gegen das Virus über die Nabelschnur oder über die Muttermilch. So übertragen Mütter einen Nestschutz auf ihre Kinder. Die Babys sind auf diese Weise rund ein halbes bis ein ganzes Jahr geschützt, eine Zeit, für die es noch keinen zugelassenen Impfstoff gegen Corona gibt.

(ens/smc)

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