Ein Feldhamster vor dem Eingang zu seinem Bau. 5 min
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Der Leipziger Zoo spielt eine zentrale Rolle bei der Rettung des bedrohten Feldhamsters in Deutschland

Mi 27.03.2024 17:12Uhr 04:41 min

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Initiative in Sachsen Artenschutz vor der Haustür: Rettet den Feldhamster!

07. April 2024, 21:11 Uhr

Über ein neues Projekt soll der Feldhamster nach Mitteldeutschland zurückgebracht werden. Im Zoo Leipzig konnte die bedrohte Art in einer Zuchtstation bereits erfolgreich vermehrt werden.

Es ist ein kalter Morgen in Nordsachsen. Die Luft ist klar, und die ersten Sonnenstrahlen brechen durch die Wolken. Hier, auf einem Feld, das bald zur neuen Heimat des Feldhamsters werden soll, treffen sich Menschen mit einem gemeinsamen Ziel: die Rettung einer bedrohten Art.

Unter ihnen sind Ariel Jacken und Thomas Liebenstein vom Zoo Leipzig. Sie gehören zum "Arbeitskreis Kooperative Feldhamsterschutz im Freistaat Sachsen". Gemeinsam mit Biologen, Landwirten, Wissenschaftlern und Naturschutzverbänden setzt sich der Zoo Leipzig für den Erhalt des Feldhamsters ein. Ihr Ziel: den Feldhamster, der einst die Felder Mitteldeutschlands bevölkerte, zurückzubringen. In den vergangenen Jahren hat der Zoo Leipzig erfolgreich daran gearbeitet, den Bestand an Feldhamstern in einer Zuchtstation zu vermehren, um sie ab diesem Jahr auf Feldern der Region wieder anzusiedeln.

Landwirte müssen für Projekt gewonnen werden

Eine Vielzahl von Faktoren hat zum Rückgang des Feldhamsterbestandes geführt. Zu den Hauptursachen gehören die Intensivierung der Landwirtschaft, der Verlust von Lebensraum durch den Ausbau von Siedlungs- und Verkehrsinfrastruktur sowie der Einsatz von Pestiziden und Herbiziden.

Die intensive Bewirtschaftung der Felder hat zu einem Mangel an Unterschlupf- und Nahrungsmöglichkeiten geführt, während der Einsatz chemischer Substanzen die Nahrungsgrundlage des Feldhamsters reduziert und ihn direkten Gefahren aussetzt. Der Lebensraum des Feldhamsters wurde fragmentiert, was die Wanderungsmöglichkeiten einschränkt und die Populationen voneinander isolierte, was zu einem Rückgang der genetischen Vielfalt führt. Darüber hinaus werden Feldhamster Opfer von Fressfeinden wie Füchsen; Mardern und Katzen.

Die Initiative Feldhamsterschutz in Sachsen plant komplexe Maßnahmen zur Rettung des Feldhamsters, darunter die hamsterfreundliche Bewirtschaftung der Felder. Besonders wichtig für die Zukunft des Feldhamsters ist es, die Landwirte der Region für das Projekt zu gewinnen.

32 Hektar extra für den Feldhamster. Da muss man schon froh sein um jeden Landwirt, der das mitmacht.

Thomas Liebenstein, Projektleiter Artenschutz, Zoo Leipzig

Am Ende müssen Hamster auch in der Natur überleben können

Landwirtschaftsbetriebe setzen bereits verschiedene Schutzmaßnahmen auf ihren Flächen um, darunter den Einsatz von Scheibeneggen auf abgeernteten Felder frühestens zehn Tage nach der Ernte und die Saat von Blühstreifen mit vielfältigen Pflanzenarten. Einige Landwirte ergreifen darüber hinaus freiwillige Maßnahmen wie einen späteren Stoppelumbruch und den Anbau von Zwischenfrüchten.

Grundsätzlich gelten für den Feldhamsterschutz Anforderungen wie die Begrenzung der Bodenbearbeitung auf maximal 25 Zentimeter Tiefe und das Vermeiden von Feldarbeiten nach Einbruch der Dämmerung. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, den Feldhamster und seine Lebensräume zu schützen.

Für den Feldhamster und seine Unterstützer beginnt nun eine entscheidende Phase. Im Frühjahr erwachen die Feldhamster aus ihrem Winterschlaf, und es ist geplant, etwa 70 Tiere im Rahmen des Pilotprojekts wieder anzusiedeln. Die Hamsterbaue werden vorgebohrt, und die Tiere werden mit einer kleinen Futterration eingesetzt. Dann wird es ernst – die Hamster müssen in der Natur überleben.

Zwei Hamster pro Hektar erwartet

"Wir werden in einigen Wochen die Kernfläche fünf Hektar komplett mit diesem Zaun einfassen, der vor allem dafür da ist, dass die Hamster einen gewissen Rückzugsraum haben", sagt Ariel Jacken, Seniorkurator im Zoo Leipzig. Damit Raubtiere wie Katzen oder Füchse nicht reinkommen. Und dass sich im Gegenzug der Hamster aber unten durch den Zaun trotzdem ausbreiten kann.

Auch der Diplombiologe Ubbo Mammen mit seinem Büro für Angewandte Landschaftsökologie engagiert sich im "Arbeitskreis Kooperativer Feldhamsterschutz im Freistaat Sachsen". Er wird die Wiederansiedlung begleiten und mit seinem Team Hamsterbaue kartieren, beobachten, wie sich die Tiere entwickeln und ob sie auf dem Feld überleben. Im Idealfall wird sich die Population ausbreiten, auch jenseits des Schutzzaunes. "Dann sollten wir auch zwei Hamster pro Hektar erwarten", sagt Mammen. "Aber vor 20 Jahren hatten wir auch Felder, hier gleich um die Ecke, wo wir über 20 Baue pro Hektar hatten. Und die Zeiten kommen bald wieder."

Im Mai dieses Jahres, nach Beendigung des Winterschlafes, sollen die ersten Tiere aus der Zuchtstation des Zoos auf dem vorbereiteten Areal angesiedelt werden.

Elefant, Tiger & Co - Spezial: Einsatz für bedrohte Arten! Einst gegründet, um exotische Tiere auszustellen, spielen viele Zoos heute eine wichtige Rolle im Schutz bedrohter Arten. Dieses "Elefant, Tiger & Co - Spezial“ blickt dabei hinter die Kulissen und begleitet Biologen und Kuratoren bei ihren strategischen Bemühungen, die genetische Vielfalt gefährdeter Tierarten zu bewahren und ihr Überleben zu sichern.

Erstsendung: Karfreitag, 29. März 2024, um 20.15 Uhr im MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Elefant, Tiger & Co - Spezial: Einsatz für bedrohte Arten! | 29. März 2024 | 20:15 Uhr

1 Kommentar

AlexLeipzig vor 2 Wochen

Schön, daß es Menschen gibt, die sich nicht nur um Wirtschaftswachstum, Gewinnmaximierung und Subventionen kümmern, sondern um die Natur, die keine Lobby hat - von deren Gesundheit wir aber abhängig sind.

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