Wissen-News Flugreisen, Autos, Schokolade: Ein Drittel der TV-und YouTube- Werbung klimaschädlich

07. Mai 2024, 14:01 Uhr

Waldbrände, Überschwemmungen und Dürren. Der Klimawandel ist längst sichtbar. Dennoch werben ein Drittel der Spots im Fernsehen und bei YouTube für klimaschädliche Produkte. Das verstößt gegen den Medienstaatsvertrag, ergab eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung.

Etwa ein Drittel der im Fernsehen und bei YouTube ausgestrahlten Werbung wirbt für klimaschädliche Produkte. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende der Universität Leipzig in einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung. Nach Auffassung der Forschungsgruppe werde damit gegen den Medienstaatsvertrag verstoßen. Dort heißt es, Werbung dürfe nicht "Verhaltensweisen fördern, die die Gesundheit oder Sicherheit sowie in hohem Maße den Schutz der Umwelt gefährden". Dies treffe nach Ansicht der Forschenden jedoch zu. Das Team hat insgesamt 9.700 Werbespots analysiert und den CO2-Fußabdruck der beworbenen Produkte berechnet. Bei etwa 3.000 handele es sich um klimaschädliche Waren und Dienstleistungen, wie etwa Produkte um Autos oder Süßwaren.

Klimaschutz und Werbung für Flugreisen, Autos und Schokolade passen nicht zusammen

Einige Produktgruppen stellten sich den Autoren zufolge als besonders klimarelevant heraus. So wurden 86 Prozent der Spots für Süßwaren klimaschädlichen Produkten zugeordnet, vor allem hat Schokolade einen recht großen CO₂-Fußabdruck. Aber auch Produkte rund um Autos (78 Prozent) und Drogerieartikel (72 Prozent) sind in großer Mehrzahl als klimaschädlich einzustufen. Mit dem Kauf eines einzigen der angepriesenen Artikel, so ein weiterer dramatischer Befund der Studie, ist das unter dem zurzeit angestrebten Klimaziel (Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad) jedem Erdenbürger jährlich zustehende CO₂-Budget bereits aufgebraucht.

Dr. Uwe Krüger wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig.
Bildrechte: Swen Reichhold/Universität Leipzig

Wir appellieren an die Bevölkerung, weiter Klima-Killer zu kaufen und zu konsumieren, während die Klimakrise uns bereits Dürren, Waldbrände, Überschwemmungen, Hitzetote und massives Artensterben beschert.

Uwe Krüger Studienleiter

"Wir sind an Werbung für Autos, Flugreisen, Rindfleisch-Burger, Kaffee und viele andere emissionsstarke Produkte gewöhnt“, sagte Studienleiter Uwe Krüger, "aber wenn man sich vor Augen führt, dass Werbung eine Form des Appells ist, wird die Absurdität deutlich: Wir appellieren an die Bevölkerung, weiter Klima-Killer zu kaufen und zu konsumieren, während die Klimakrise uns bereits Dürren, Waldbrände, Überschwemmungen, Hitzetote und massives Artensterben beschert.“

flo/epd/tomi

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR Aktuell | 29. April 2024 | 06:54 Uhr

2 Kommentare

nasowasaberauch vor 10 Wochen

Auch die Wahlwerbung ist teuer, verschandelt die Landschaft, ist im digitalen Zeitalter überholt und die Mittel dafür wären bei der Tafel besser investiert.

DocM vor 10 Wochen

Nun ja, das Internet an sich ist ja bereits sehr stromintensiv. Insofern ist nicht nur die YouTube- und TV-Werbung, sondern YouTube und TV an sich eine CO2-Schleuder.

Ein Reporter steht in kniehohem Wasser und spricht in ein Mikrofon. Eine Person mit Kamera filmt ihn.
Der Klimawandel beeinflusst alle Lebensbereiche. Die Herausforderung für Journalisten ist es, das Thema als Teil ihrer Berichterstattung anzusehen und lösungsorientiert zu berichten. Bildrechte: MDR MEDIEN360G | dpa