Unwetter Mit Geo-Engineering gegen Wetterphänomene wie Starkregen?

Kann man mit Hilfe von Wissenschaft und Technik Katastrophen wie die Starkregen-Überschwemmungen in Deutschland verhindern? Geo-Engineering heißt diese Technologie. Aber kann das hier funktionieren?

Blitze eines Gewitters sind am späten Abend am Himmel
Das Unwetter entschärfen, bevor es los geht? Bildrechte: imago images/Marcel Lorenz

Nicht wenige Menschen wären gern mal so etwas wie ein Wettergott. Und auch Teile der Wissenschaft, Wirtschaft und Politik treibt der Wunsch, über das Wetter bestimmen zu können, seit Jahrzehnten an.

In den USA spielte man Anfang der 1950er Jahre mit dem Gedanken, Hurrikans zu entschärfen oder ganz aufzulösen, indem man in ihnen eine Atombombe zündet. Später soll Donald Trump die Idee nochmal aufgegriffen haben. Umgesetzt wurde sie aus naheliegenden Gründen nie, zumal die Kraft einer Atombombe so gut wie nichts gegen einen Hurrikan ausrichten kann.

Welche Formen des sogenannten Geo-Engineerings kommen aber tatsächlich in Frage, um Einfluss aufs Wetter und vielleicht sogar aufs ganze Klima zu nehmen?

Wetter-Geo-Engineering

Das Wichtigste zuerst: Man kann Wolken nur schlecht zwingen, nicht irgendwann abzuregnen. Das heißt, man kann auch mit Geo-Engineering nicht verhindern, dass es regnet. Man kann den Regen aber immerhin etwas steuern, indem man die Wolken animiert, dort abzuregnen, wo man es möchte.

BissenWissen: Regen 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die typische Methode ist, Silberiodid mit Aceton zu mischen und das Gemisch aus Flugzeugen zu versprühen, um in der Atmosphäre kleine Kondensationskerne zur Regenbildung zu erzeugen. Damit kann man bestimmte Gebiete gezielt mit Niederschlag versorgen – oder eben andere Gebiete vom Regen verschonen, indem man die Wolken schon früher abregnen lässt.

China ist bekannt dafür, solche "Regen-Verlagerung" erfolgreich zu betreiben. Bei Paraden zum Nationalfeiertag zum Beispiel oder bei der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking.

Aber bei alledem geht es immer um punktuelle Effekte an einzelnen kleinen Orten. Bei der möglichen Verhinderung von großen Unwettern dürfte das nicht funktionieren. Erstens sind Tiefdruckgebiete normalerweise viel zu groß, als dass ihre Wolken komplett mit Silberiodid "geimpft" werden könnten. Und selbst wenn das kein Hinderungsgrund wäre, müsste man dann zweitens entscheiden, wo das Unwetter stattdessen niedergehen soll. Man würde es nur verlagern, nicht verhindern.

Die Problematik, dass solche Aktionen zwar jemandem nützen, aber auch jemandem schaden können, kennt man auch aus Geo-Engineering-Versuchen der jüngeren Vergangenheit. Wie die "Financial Times" berichtete, wurden über einem großen VW-Werk in Mexiko regelmäßig Hagelschauer verhindert, indem bei bestimmten Wetterbedingungen Schockwellen in die Atmosphäre geschossen wurden. Das funktionierte sehr gut, die vielen Tausend Neuwagen auf den Parkflächen rund um die Fabrik bekamen keine Hagelschäden. Dafür fehlten den Bauern in dieser Gegend die Niederschläge sehr. Denn es regnete dort auch nicht mehr. Dürre und Ernteausfälle waren die Folge.

Klima-Geo-Engineering

Weitaus mehr geforscht, teils auch mit erfolgversprechenden Ansätzen, wird mittlerweile am Geo-Engineering, das zwar nicht den Klimawandel selbst, aber seine unmittelbare Folge, die Erderwärmung aufhalten soll. Einzelne Unwetter kann man auch damit nicht verhindern, aber langfristig würden sie dadurch wahrscheinlich weniger oft stattfinden und weniger schwer verlaufen. So wie vor dem Klimawandel.

Bei diesem Geo-Engineering gibt es zwei große Teilbereiche: Das "Carbon Dioxide Removal" (CDR) mit dem Ziel, das schädliche Treibhausgas CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen. Und das "Solar Radiation Management" (SRM), wo es um Änderungen der Sonnenstrahlung auf die Erde geht.

Bei CDR-Projekten gab es schon vielversprechende Ansätze, aber in großem Stil werden sie bislang noch nicht umgesetzt, vor allem aus Energie-, Platz- und Kostengründen. Sie sind also derzeit kein wirklicher Faktor beim Kampf gegen die Erderwärmung.

Bekannteste SRM-Idee ist, Flugzeuge in die Stratosphäre zu schicken und dort, in 15 bis 20 Kilometern Höhe, Schwefeldioxid zu verstreuen. Die daraus entstehenden Sulfat-Aerosole könnten dann die Sonneneinstrahlung so stark abschwächen, dass die Durchschnittstemperatur auf der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um 2,5 Grad sinken könnte. Technisch und finanziell wäre das vermutlich umsetzbar, nach Modellrechnungen bräuchte man etwa 1.000 bis 2.000 Flugzeuge pro Tag mit insgesamt 7.000 täglichen Flügen.

Aber abgesehen von noch unerforschten Wirkungen und Nebenwirkungen so einer Schwefelhülle um die Erde, würde diese Methode nur die Symptome bekämpfen und nicht die Ursache.
Man käme außerdem nicht umhin, das Ganze immer und immer wieder zu tun, solange sich auf der Erde darunter nichts ändert. Mit einem potenziell fürchterlichen Jojo-Effekt: Würde man nämlich eines Tages damit aufhören, käme es zu einem zehnmal so schnellen Temperaturanstieg wie bislang ohne die Methode.

Ethische, politische und rechtliche Probleme

Das klingt also alles nicht sonderlich marktreif. Trotzdem gibt es viele Wissenschaftler, die in solcher Art von Geo-Engineering großes Potenzial sehen.

Nehmen wir also an, irgendwann gibt es eine Methode, die erwiesenermaßen wirksam und auch umsetzbar ist. Was passiert dann? Wer entscheidet, wo, wann und wie sie angewendet wird? Es wird Gruppen (oder ganze Länder) geben, die sich dadurch benachteiligt fühlen, weil zum Beispiel plötzlich der für die Landwirtschaft wichtige Monsun-Regen ausbleibt.
Eine Weltgemeinschaft, die komplett an einem Strang zieht, ist nicht nur in dieser Frage schwer vorstellbar.

Eine noch nicht erwähnte erfolgversprechende Geo-Engineering-Methode gibt es allerdings schon. Sie lässt sich in die CDR-Kategorie (Carbon Dioxide Removal) einordnen - und dort in die Untergruppe der biologischen Methoden. Sie funktioniert allerdings nicht von heute auf morgen. Und auch für sie müssten zumindest große Teile der Weltgemeinschaft an einem Strang ziehen.
Deutschlands renommiertester Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber, ehemaliger Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, formulierte es mal so: Wenn wir schon Geo-Engineering betreiben, dann sollten wir einfach Hunderte Millionen Hektar Bäume pflanzen.

(rr)