Weltweiter Leitartikel in 220 Fachmagazinen Klimanotstand ernst nehmen: "Die Covid-19-Pandemie wird enden, aber es gibt keinen Impfstoff gegen die Klimakrise"

Es ist ein beispielloser Appell: In 220 medizinischen Fachmagazinen werden die Staatenlenker dieser Welt aufgefordert, den Klimanotstand ernst zu nehmen und zu handeln. Dazu werden nötige Sofortmaßnahmen vorgestellt: den Klimawandel eingrenzen, die Biodiversität wiederherstellen und die öffentliche Gesundheit schützen.

Symbolfoto Klimawandel und Klimakatastrophe - Erdkugel und Flammen auf gebrochenem Grund
Bildrechte: imago images/Christian Ohde

"Wir, die Herausgeber von Gesundheitsjournalen, fordern die Regierungen und andere Verantwortliche zum Handeln auf und dazu, das Jahr 2021 als dasjenige zu markieren, in dem die Welt endlich ihren Kurs ändert", heißt es in dem Leitartikel, der etwa im "British Medical Journal" abgedruckt wurde. Daran beteiligt waren auch andere renommierte Fachmagazine wie "The Lancet", "The New England Journal of Medicine" oder das "Chinese Science Bulletin". Der Aufruf erscheint vor der UN-Generalversammlung, einer der letzten internationalen Tagungen vor der Weltklimakonferenz (COP26), die im November in Glasgow stattfindet: "Im Vorfeld dieser entscheidenden Treffen rufen wir – die Herausgeber von Gesundheitszeitschriften weltweit – zu Sofortmaßnahmen auf, um den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur unter 1,5 Grad zu halten, die Zerstörung der Natur zu stoppen und die Gesundheit zu schützen."

Kein Impfstoff gegen Klimakrise verfügbar

Die Experten machen teilweise schon seit vielen Jahren auf die Probleme aufmerksam, die mit dem Klima einhergehen. In "The Lancet" gibt es etwa seit 2015 einen "Countdown on health and climate change", in dem Forschende aktuelle Erkenntnis zum Einfluss des Klimawandels auf die globale Gesundheit veröffentlichen. In einer Studie wurde beispielsweise errechnet, dass die Rekordsommer im Jahr 2003 in Europa zu rund 70.000 vorzeitigen Todesfällen geführt hatte – wobei solche extrem warmen Sommer in Zukunft normal würden. Auch Forscher in Mitteldeutschland, zum Beispiel am Uniklinikum Jena, sehen den Klimawandel schon lange als die größte medizinische Herausforderung unseres Jahrhunderts.

 

Die Autoren der Leitartikel beziehen auch die aktuelle Corona-Pandemie mit ein, die keine Ausrede sein dürfe, um mit Maßnahmen gegen die fortschreitende globale Erwärmung abzuwarten: "Trotz der notwendigen Beschäftigung der Welt mit Covid-19 können wir nicht warten, bis die Pandemie vorüber ist, um die Emissionen rasch zu reduzieren." Dazu äußerte sich auch Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation in dem Appell: "Die Risiken des Klimawandels könnten die einer jeden Krankheit in den Schatten stellen."

Die Covid-19-Pandemie wird enden, aber es gibt keinen Impfstoff gegen die Klimakrise.

Tedros Adhanom Ghebreyesus, WHO Generaldirektor

Die Folgen des Klimawandels beträfen zudem in unverhältnismäßiger Weise die Schwächsten, darunter Kinder und ältere Menschen, ethnische Minderheiten, ärmere Bevölkerungsgruppen und Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen. Auch bei den Staaten sind die Konsequenzen ungleich verteilt, da die Länder des globalen Südens für deutlich weniger Emissionen verantwortlich sind, aber stärker unter der Erderwärmung litten. "Wir fordern daher gerechte Beiträge, bei denen die wohlhabenderen Länder der Welt mehr tun, um die Auswirkungen ihres Handelns auf das Klima auszugleichen, und zwar ab jetzt und auch in Zukunft", schreibt Lukoye Atwoli vom "East Africa Medical Journal". Letztlich seien die bisherigen Anstrengungen nicht ausreichend, denn der Klimawandel beeinflusst auch das für uns Wichtigste entscheidend – unsere Gesundheit

cdi/dpa

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