Corona-Pandemie Biontech und Moderna: Wie sicher ist die Covid-Impfung für Kinder?

Die USA impfen Fünf- bis Elfjährige gegen Covid-19. Moderna beantragt die Zulassung seines Impfstoffs für Kinder in Europa. Wie sicher sind die Impfungen für Altersgruppen, für die Corona nur selten gefährlich ist?

Ein Impfarzt in blauem Kittel, mit Mundschutz impft einen kleinen Jungen, der auf dem Schoß seines Vaters sitzt, eine Maske trägt und den Arzt etwas ängstlich anschaut.
Impfung eines Kindes in Kolumbien: Der chinesische Covid-Impfstoff von Sinopharm ist bereits seit Längerem für Kinder zugelassen und wird bereits in zahlreichen Ländern eingesetzt. Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Der US-Pharmakonzern Moderna hat bei der EMA die Zulassung seines mRNA-Covid-Impfstoffs Spikevax für Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren beantragt. Wie das Unternehmen der Presse mitteilt, seien Ergebnisse der klinischen Versuche mit 4.753 Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren positiv. Einen Monat nach der zweiten Impfdosis mit 50 Mikrogramm Impfstoff zeigte sich eine starke Immunreaktion bei den Kindern. Im Projekt "KidCove" kombiniert das Unternehmen derzeit verschiedene Studien mit Spikevax an Teilnehmern im Alter von sechs Monaten bis zwölf Jahren.

Kinderimpfung gegen Covid-19: Sicherheit des Impfstoffs noch wichtiger

Grundsätzlich sei der Impfstoff gut toleriert worden, teilt das Unternehmen auf seiner Webseite mit. Nebenwirkungen seien vor allem Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Impffieber und Schmerzen an der Einstichstelle gewesen. Die Versuchspersonen sollen jetzt aber noch 12 weitere Monate beobachtet werden, um mögliche weitere Nebenwirkungen aufzuspüren. Wie schon zuvor bei den klinischen Versuchen von Biontech und Pfizer ist die Studiengruppe auch bei Moderna relativ klein.

Der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer ist in den USA bereits für Kinder ab fünf Jahren zugelassen worden, die ersten Impfungen haben schon begonnen. Allerdings mahnen einige Experten hier zur Vorsicht. Ein Team von Public-Health-Forschern zählt aktuell im Fachjournal JAMA Punkte auf, die es bei einer Kinderimpfung zu beachten gilt. William Moss und Kollegen betonen dabei, dass vor allem die Sicherheit des Impfstoffs in dieser Gruppe von herausragender Bedeutung sei.

Covid-19: Kinder haben geringeres Risiko, trotzdem ist es bedeutend

Denn das Risiko durch eine akute Covid-19 ist in den Gruppen der Kinder und Jugendlichen zwar am geringsten, zugleich aber latent vorhanden. In den gesamten USA seien bisher rund 1,9 Millionen Kinder der Altersgruppe fünf bis elf Jahre an Covid-19 erkrankt. Nur etwa 8.300 von ihnen mussten in Krankenhäusern behandelt werden, 2.600 davon auf Intensivstationen und etwa 100 Kinder starben an Covid-19. Die Sterberaten variierten damit je nach Bundesstaat in dieser Altersgruppe zwischen 0,00 und 0,01 Prozent. Allerdings: Da insgesamt nur sehr wenige Kinder sterben, ist Corona damit trotzdem an die Spitze der Todesursachen in dieser Altersgruppe gerückt.

Zugleich sprechen sich Moss und Kollegen gegen eine Pflichtimpfung aus, wie sie in den USA bei anderen Krankheiten Voraussetzung für den Schulbesuch ist, etwa bei Diphtherie, Tetanus und Polio. In Bezug auf die Covid-Impfstoffe lägen noch keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor. Das sei wahrscheinlich erst in einigen Jahren der Fall, wenn die Zulassungsbehörde FDA dann auch die Zulassung für die Covid-Impfung von vorläufig auf vollständig umstellen könne.

Impfung für alle Kinder in Deutschland frühestens 2022

In Deutschland hat die Ständige Impfkommission jetzt entschieden, Personen unter 30 Jahren nur noch mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer zu impfen. Hintergrund ist, dass es vor allem bei jungen Männern im Alter von 16 bis 29 Jahren nach einer Impfung zu Fällen einer Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung kam (Myo-/Perikarditis), etwa in einem von 26.000 Fällen. Weil sie so selten ist, war diese Nebenwirkung in der Zulassungsstudie nicht aufgetaucht. Sie heilt in den meisten Fällen ohne Komplikationen ab. Weil sie aber bei einer Impfung mit mRNA von Moderna etwas häufiger auftaucht als bei Biontech/Pfizer, hat die Stiko ihre Impfempfehlung nun entsprechend angepasst.

Wann eine Covid-Impfung für Kinder in Deutschland kommt, ist noch offen. Die Stiko hatte die Impfung für die über 12-Jährigen erst vor kurzem empfohlen, da sie zuvor auf Sicherheitsdaten aus den USA und UK gewartet hatte. Bei den jüngeren Kindern wird sie voraussichtlich ähnlich vorgehen. Einer Kinderimpfung gegen Covid-19 würde dann erst frühestens 2022 empfohlen werden. Gruppen mit einem besonders hohen Risiko wie einer Vorerkrankung mit Diabetes, Epilepsie oder Adipositas haben voraussichtlich aber bereits nach der Zulassung durch die EMA die Möglichkeit, sich impfen zu lassen.

(ens)

11 Kommentare

ElBuffo vor 5 Tagen

Davon war auch nie die Rede. Reicht doch schon, wenn die schweren Verläufe deutlich abnehmen. Oder man akzeptiert einfach die Nichtimpfung, obwohl möglich, als Willenserklärung keine Hilfe annehmen zu wollen. Dann wäre auf ITS noch ordentlich Luft.

MDR-Team vor 2 Wochen

Hallo @Baschtian,
richtig ist, dass bei den Ü60-Jährigen in den KW41-44 von 870 Fällen, die intensivmedizinisch betreut werden mussten, 313 wahrscheinliche Impfdurchbrüche sind (36%). Seite Februar sind es in dieser Altersgruppe insgesamt 760 Impfdurchbrüche von 6.503 intensiv-medizinisch behandelten Menschen. Somit insgesamt 11,7% Impfdurchbrüche. Hier geht es jedoch um die Betrachtung im Ganzen: Insgesamt gibt es 24,09 Millionen Menschen in der Altersgruppe 60+ (Stand 31.12.2020). Von diesen sind 86,9% Erstgeimpft, 85,6% Zweitgeimpft und 10,7% mit einer Auffrischungsimpfung. Geht man von den vollständig geimpften Ü60-Jährigen (Zweitimpfung) aus, sind 20,62 Millionen Menschen geimpft - davon haben 760 Menschen einen wahrscheinlichen Impfdurchbruch und mussten auf einer ITS behandelt werden.
Eine weitere Beobachtung: Die Sterblichkeitsrate sank bei den Geimpften im Vergleich zu den Ungeimpften deutlich. Sie lag bei den vollständig geimpften Impfdurchbrechern etwa 50 Prozent niedriger.

Baschtian vor 2 Wochen

Hallo, MDR, ein interessanter Artikel in der FAZ: "Was wir über die Impfdurchbrüche wissen" (ein Link ist wohl unerwünscht): Bei den ab 60-jährigen sind inzwischen mehr als die Hälfte der Neuinfizierten Geimpfte, bei den 18-59 Jährigen immerhin 42 %. Die gigantische Impfmaschinerie scheint also heftig ins Wanken zu kommen (auch wenn ich als Impfverweigerer meiner betagten, gesundheitlich wackeligen Mutter trotzdem nahelegte, sich den Schuß zu holen). Es scheint sich tatsächlich nicht zu spielen, daß wir Corona einfach totspritzen und wie bisher weitermachen können.