Collage zur Medienkolumne Das Altpapier vom 27. Februar 2019: Liste mit Zeitungsnamen und Verkauf-Stempel
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Das Altpapier am 27. Februar 2019 Runtergerockte Regionalzeitungen

Drohen statt "Einzeitungskreisen" bald "Keinzeitungskreise"? Haben wir es bei dem "Hart aber fair"-Sendungstitel "Heimat Deutschland - nur für Deutsche oder offen für alle?" mit einem Phänomen zu tun, das Kommunikationswissenschaftler "Bothsiderism" nennen? Ein Altpapier von René Martens.

Collage zur Medienkolumne Das Altpapier vom 27. Februar 2019: Liste mit Zeitungsnamen und Verkauf-Stempel
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Gerade einmal rund drei Wochen ist es her, dass der Essener Sparkunstgewerbe-Betrieb Funke Entlassungen im unteren dreistelligen Bereich in Redaktion und Druckerei (Altpapier) ankündigte und laut darüber nachdachte, in Thüringen die Papierausgaben seiner dortigen Tageszeitungen abzuschaffen (nachzulesen beim MDR Thüringen, also nebenan, und etwas ausführlicher in einem FAZ-Nachdreher).

Am Dienstag machte nun eine Nachricht die Runde, die noch weitaus bedrohlicher klingt: Die DuMont-Mediengruppe, ein anderes Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen, das in letzter Zeit nicht immer erkennen ließ, dass man Bock auf Journalismus hat, denkt konkret darüber nach, seine Tageszeitungen abzustoßen.

Herausgefunden hat’s Ulrike Simon (Horizont), der ein entsprechendes Schriftstück der Goetzpartners Corporate Finance GmbH vorliegt, in dem "potenzielle Interessenten (…) aufgefordert (werden), ein unverbindliches Angebot zu übermitteln und darüber hinaus auch die Einzelposten zu bewerten".

Von DuMont ist dazu bisher Folgendes zu hören:

"'Es gibt schon seit längerem Überlegungen, aber man ist weit von einer Entscheidung entfernt', sagt ein Beteiligter (…) Aufsichtsrat und Vorstand würden verschiedene Handlungsoptionen prüfen, hieß es am Dienstag in einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter. Dies beinhaltet 'auch die mögliche Veräußerung von Teilen des Portfolios der Mediengruppe.'"

Das referiert die SZ heute. Das Hamburger Abendblatt hat in diesem Zusammenhang noch mitzuteilen, dass es "unternehmensintern hieß, die Optionen würden 'bis Mitte des Jahres' geprüft". Unabhängig davon, ob es zum Verkauf einiger oder aller Titel kommt, scheint es angesichts der laufenden Handlungsoptionsüberprüfungen instruktiv zu sein, einige Fragen zur Verfasstheit des Noch-Zeitungshauses aufzuwerfen:

1) Wie geht es den Blättern derzeit finanziell?

"Besonders dramatisch läuft es (…) für die drei Boulevardzeitungen, die sich im freien Fall befinden. Die Hamburger Morgenpost büßte im 10-Jahres-Vergleich 54,1% bei den Einzelverkäufen und Abos ein, der Berliner Kurier 55,7% und der Express sogar 57,1%."

Schreibt dazu Meedia. Angesicht dessen, dass die Hamburger Morgenpost 38.393 Exemplare verkauft, lässt sich von einem Boulevardblatt ja beinahe gar nicht mehr sprechen. Boulevard - das bedeutet ja eigentlich auch, dass man eine gewisse Breite erreicht.

"Hinzu kommt: Der Bundesanzeiger, seit Jahren wirtschaftliche Stütze des Konzerns, ist ein Auslaufmodell. Ab 2022 sollen die Gesetze in einem elektronischen Gesetzblatt verkündet werden, frei zugänglich und gratis. Allein diese politische Entscheidung hat das Potenzial, DuMont in eine tiefe Krise zu stürzen."

Meint der frühere DuMont-Chefredakteur Uwe Vorkötter, der jetzt Chefredakteur bei Horizont ist, in einem Kommentar ebd.

2) In welcher inhaltlichen Verfassung sind die Titel?

"Die Regionalzeitungen sind, abgesehen am ehesten vom Ost-Biotop in Halle, runtergerockt, in skurrilen Newsroom-Konstrukten mit ihren Boulevard-Schwestern fusioniert, klinisch tot (Berlin) oder im schleichenden Siechtum (Köln), publizistisch ausgedünnt."

Schreibt wiederum Vorkötter. Zum Hintergrund siehe unter anderem ein Altpapier aus dem Oktober 2016 einen SZ-Artikel von Anfang 2017.

3) Welche Blätter wären überhaupt interessant für potenzielle Käufer?

"Das ganze Paket will, wie ich höre, wirklich niemand haben."

(Simon im Interview mit @mediasres)

"Der Kölner Stadt-Anzeiger (stieße) wohl am ehesten auf ein Käuferinteresse."

(Simon im Horizont)

Und Horst Röper, der bei solche Gelegenheiten immer gefragte Zeitungsforscher, sagt laut Tagesspiegel:

"Sicher gebe es in der Branche Interessenten für Abo-Titel wie den Kölner Stadt-Anzeiger oder auch die Berliner Zeitung, für Boulevardtitel wie den Kölner Express oder den Berliner Kurier sehe das aber schon ganz anders aus."

4) Wer käme für die DuMont-Zeitungen überhaupt als Käufer in Frage?

Madsack, Funke, Ippen und die SWMH (SZ, Stuttgarter Zeitung) aus unterschiedlichen Gründen schon mal nicht, meint jedenfalls Vorkötter. Marvin Schade (Meedia) indes:

"(Es) ist davon auszugehen, dass die Funke-Manager die Lage (…) ausloten dürften. Die Berliner Titel wären vor dem Hintergrund einer Sanierungsfusion mit der Berliner Morgenpost durchaus attraktiv. Dem Vernehmen nach tut sich Funke nach der Übernahme des ehemaligen Springer-Titels in der Hauptstadt nach wie vor schwer. Eine Fusion sämtlicher Einheiten – als krasser Schritt – würde neue Synergiepotentiale heben, auch über Verlagsgrenzen hinaus."

Hm, wird, wenn die Funke-Mediengruppe, die sich mit der Berliner Morgenpost "schwer tut", die Berliner Zeitung und den Berliner Kurier kauft (die sich ja beide erst recht schwer tun), und die drei Titel dann irgendwie verklumpt, alles geilomat, außer für jene, die bei "Sanierungsfusionen" und der Hebung von "Synergiepotentialen" halt über die Wupper gehen?

Mit Madsack wiederum ist DuMont ja schon verpartnert, und zwar in der RND Berlin GmbH (75 Prozent Madsack, 25 Prozent DuMont). Die Beziehung ist noch recht jung. Daniel Bouhs schrieb im vergangenen Sommer in der taz darüber (siehe außerdem diese und diese Pressemitteilung von Madsack)

5) Was macht DuMont, wenn der Laden keine Zeitungen mehr hätte?

Er hätte dann zum Beispiel noch Facelift und Censhare im Portfolio - zwei Firmen, die zumindest mir bis Dienstag nicht bekannt waren. In dem Blog Zeitungslandschaft im Umbruch, der sich "aktuellen Entwicklungen in der DuMont Mediengruppe" widmet, heißt es:

"Mit dem Erwerb von Facelift und Censhare wurde ein digitales Geschäftsfeld aufgebaut, das sich sehen lassen kann, auch im Verhältnis zu den anderen Mediengruppen. Aber ohne Zukauf trägt es nicht in die Zukunft. Die Darstellung, dass es sich hier um ein Kerngeschäft handelt, ist eher Wunsch, denn Wirklichkeit (…) (Zudem herrscht) im Anbietermarkt, in dem sich z.B. Censhare bewegt, (…) ein enormer Wettbewerb (…) Beide Unternehmen hatten 2017 einen Umsatz von 38 Mio.€, DuMont insgesamt 614,6 Mio.€."

Wird der Verlag, "dessen Wurzeln bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen" (Abendblatt), also bald "ein kleiner Tech-Laden" (Simon)?

6) Welche Folgen hätte es für die Informationsvielfalt, wenn es eine oder mehrere der bisherigen DuMont Zeitungen gar nicht mehr gäbe?

Zumindest für den Süden Sachsen-Anhalts erhebliche:

"Die Mitteldeutsche Zeitung erscheint fast ausschließlich als Monopolzeitung. In ihrem hauptsächlich auf den Süden des Landes konzentrierten Verbreitungsgebiet hat die MZ keine Konkurrenz durch andere regionale Tageszeitungen."

So steht’s bei Wikipedia.

Jürn Kruse (taz) nimmt die sich anbahnende Entwicklung mit Sarkasmus:

"Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde vor immer mehr Einzeitungskreisen gewarnt. Mittlerweile wird eher vor der Entstehung von Keinzeitungskreisen gewarnt."

Alles, was rechts ist

Wir müssen mal wieder über "Hart aber fair" reden - bzw. über "Heimat Deutschland - nur für Deutsche oder offen für alle?", also den Titel der Sendung von vergangenem Montag (siehe auch kurz Altpapierkorb von Dienstag) Arno Frank kommt in seiner Spiegel-Online-Rezension der Talkshow darauf zurück:

"Der Tiefpunkt dieser Sendung ist erreicht, als Frank Plasberg von einem 'kleinen Shitstorm' spricht, den es im Vorfeld gegeben habe."

Mal abgesehen davon "der Sturm recht wuchtig (war)", wie Frank betont, bzw. es sich eher um einen Ausbruch der Vernunft handelte:

"Die Behauptung (…), der Aufruhr hätte sich daran entzündet, dass Heimat 'doch ein Thema für Populisten und die AfD' sei, ist schlicht eine Lüge. Betitelt war die Sendung mit 'Heimat Deutschland - nur für Deutsche oder offen für alle?', und zwar 'für alle, die hier leben, oder nur für die, die von hier stammen?' Nun muss man schon ein sehr freundliches, beinahe zärtliches, besser noch: devotes Verhältnis zu 'Hart aber fair' haben, um diese Variation von 'Deutschland den Deutschen' nur für unglücklich zu halten - wo wir doch zuletzt so viel über 'Framing' bei der ARD diskutiert haben. Bekanntlich kann, wer allzu offen ist nach rechts, nicht mehr ganz dicht sein. Unter moralischen Gesichtspunkten war der Titel katastrophal, unter denen der PR genial - und damit moralisch umso katastrophaler, weil er Aufmerksamkeit für die Sendung auf Kosten jener Menschen erzeugte, die nicht 'von hier stammen'."

Mir fällt zu "Heimat Deutschland - nur für Deutsche oder offen für alle?" unter anderem ein ketzerisch-utopischer Vorschlag ein: TV-Sender sollten ein Jahr lang in Sendungstiteln, Untertiteln und Teasern auf Fragen verzichten. Das Niveau des TV-Journalismus würde auf ungeahnte Weise steigen - auch wenn die Ausmaße der Frage-Manie sonst vergleichsweise harmlos sind ("Wie gefährlich sind Kampfhunde?", "Wie sehr beeinflusst Pendeln das Leben?"). Fragen, die wirklich Fragen sind, wären natürlich weiterhin zulässig (was man vielleicht erwähnen kann angesichts dessen, dass die heutige Kolumne recht fragelastig ist).

Frederik Schindler greift in seiner "Hart aber fair" Besprechung für die taz ein Interview mit der WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni aus eben jener Zeitung auf, das im September 2018 kurz nach deren Amtsantritt erschienen ist (und das ich geführt habe).

"(…) Ehni, wurde (…) im taz-Interview nach Zuspitzungen im Sendungstitel von Talkshows gefragt. Auch wenn es keine verschlafene Titel geben sollte und man 'mit dem Titel – Stichwort Framing – der Debatte eine Richtung geben' könne, dürfe es 'nicht auf einen effektheischerischen Titel hinauslaufen', so Ehni. 'Wir müssen verbal etwas abrüsten, um eine sachliche Debatte zu ermöglichen.'"

Unter Ehni hat sich nun aber eher ein Wettrüsten (siehe andere Beispiele in diesem Altpapier) entwickelt, in dem auch künftig nichts unmöglich sein wird.

Erwähnung verdient an dieser Stelle die Reaktion der "Hart aber fair" auf eine Kritik des Spiegel-Redakteurs Hasnain Kazim:

Lieber Hasnain Kazim, unser Titel fragt nach dem Verständnis von "Heimat" und bietet beide Möglichkeiten an - eben auch "offen für alle"? Nach beiden Seiten offen fragen - was ist daran nicht legitim?

Dieser nassforsche Gestus - Wir stellen uns jetzt mal doof und finden das dufte (und lachen uns kaputt über diese linken Spinner, die glauben, dass sie noch irgendwas zu melden haben) - erinnert an die vielen War-doch-nicht-so-gemeint-Reaktionen von AfD-Leuten.

Den Wortwechsel zwischen Kazim und "Hart aber fair" greift Volker Lilienthal (Message Online) auf:

"Streitfälle wie dieser zeigen, dass die Stimmung in Deutschland angesichts der rechtspopulistischen Herausforderung nicht mehr gelassen ist, sondern einigermaßen nervös. Viele haben den Eindruck, es tobe ein Kampf um kulturelle Hegemonie – den die Demokraten, Liberalen und Weltoffenen verlieren könnten."

Auch "gegen solchen Pessimismus" habe sich "re:claim public discourse" gerichtet, eine Konferenz der Rudolf Augstein Stiftung, auf die Lilienthal nach diesem Einstieg eingeht.

Wer befürchtet, dass "die Demokraten, Liberalen und Weltoffenen" den "Kampf verlieren könnten", ist allerdings keineswegs Pessimist, sondern eher ein Optimist, weil er es ja zumindest für möglich hält, dass der Kampf zu gewinnen ist.

Auf der Konferenz ging es, erfreulicherweise, unter anderem "um die Formulierung von Gegenstrategien". Lilienthal zitiert in dem Zusammenhang Bascha Mika, die Chefredakteurin der FR:

"'Wir sind immer noch in einer Komplizenschaft mit den Rechten in der Berichterstattung.' Was sie damit meinte: Bei jedem mit der sogenannten Flüchtlingskrise konnotierten Ereignis werde einerseits Pro Asyl gefragt und andererseits die AfD. 'Ja, warum denn!?' rief Mika aus. Nicht nur sie sieht hier eine falsche Ausgewogenheit am Werk, einen 'bothsiderism', eine 'false balance', wie sie seit längerem auch in der Kommunikationswissenschaft international diskutiert wird, so z.B. von Michael Brüggemann und Sven Engesser am Fallbeispiel der Berichterstattung über den Klimawandel."

Ist denn auch "Heimat Deutschland - nur für Deutsche oder offen für alle?" ein Fall von "Bothsiderism" bzw "Bothsideism"´(Paul Krugman)?

Ich glaube das nicht - siehe Frank bzw. oben ("Man muss schon ein … devotes Verhältnis zu 'Hart aber fair' haben, um diese Variation von 'Deutschland den Deutschen' nur für unglücklich zu halten). Es handelt sich meinem Eindruck nach eher um einen strategischen Schachzug von Leuten, die ihre "kulturelle Hegemonie" (Lilienthal) ausbauen wollen.

Es lohnt sich, im Zusammenhang mit der "Hart aber fair"-Titeldiskussion das Interview mit dem Schriftsteller Jörg-Uwe Albig zu lesen, das am Wochenende in der Welt am Sonntag (€) erschienen ist.

Über einige oft aufgegriffene Stichworte - "Homestorys über Kubitschek", "Waldspaziergang mit Höcke", "Talkshows, wo bald in jeder Runde ein Rechter saß" - gelangt Albig zu folgender Einschätzung:

"Das wäre nicht zu erklären, wenn es bei den Medien nicht auch eine Affinität geben würde. Da ist eine Faszination am Start, die über das hinausgeht, was man als Journalist machen muss."

Mehr als bloß Faszination und Affinität für die rechte Sache ist bekanntlich beim früheren Radio-Bremen-Mitarbeiter und kurzzeitigen AfD-Hotshot Hinrich Lührssen (siehe Altpapier) im Spiel. Der ist in Bremen gerade zur direkten AfD-Konkurrenz gewechselt: Er tritt für die "Bürger in Wut" (BIW) zur Bürgerschaftswahl an (die am 26. Mai parallel zur Europawahl stattfindet). Meedia geht auf Lührssens aktuellsten Karrieremove unter anderem mit  folgenden Worten ein:

"Die (von den BIW) geforderte einheitliche Schulkleidung findet er gut. Keine klare Meinung hat er zu einem Kopftuchverbot an Schulen, das im Wahlprogramm von 2015 stand. Ob diese Forderung auch im aktuellen, noch nicht veröffentlichten Programm steht, weiß Spitzenkandidat Lührssen nicht. Und seine Unterlagen hat er beim Telefonat mit Meedia gerade nicht zur Hand."


Altpapierkorb (Grimme-Preise, Neues vom Naturfilm, Bekannte Unbekannte, Jazz im WDR, #GermanArms)

+++ Einige Einschätzungen zu den am Dienstag bekannt gegebenen Grimme-Preisträgern habe ich für die Stuttgarter Zeitung aufgeschrieben (zu den Preisentscheidungen siehe u.a. auch epd/taz und Spiegel Online). Für die Medienkorrespondenz habe ich über die Arbeit der Nominierungskommission Information und Kultur berichtet, der ich angehörte. Am Ende jenes Textes geht es übrigens kurz um Fragen à la "Wie gefährlich sind Kampfhunde?" und "Wie sehr beeinflusst Pendeln das Leben?" (siehe oben)

+++ Was (mal wieder) gar nicht nominiert war: ein Naturfilm. Möglicherweise liegt das daran, dass Kommissionsmitglieder andere Ansprüche haben als das Publikum. Der Hamburger Naturfilmproduzent Jörn Rö­ver (Do­clights) hat am Montag beim "Reflecting Earth", dem "großen Nature & Wildlife-Summit 2019" von WDR und HMR International, jedenfalls unter anderem etwas über die Bedürfnisse der Naturfilm-Zielgruppe berichtet: "Was aus eigener Erfahrung kaum funktioniere im Naturfilm: Unbeliebte, kleine Tiere seien beim Publikum so wenig gefragt wie Problemregionen, zu komplexe Geschichten oder harte wissenschaftliche Ausrichtungen. Stark sei nach wie vor stark das Bedürfnis nach dem glückseligmachenden Naturerlebnis." Oliver Jungen, der bei der Veranstaltung zugegen war, hat’s für die FAZ-Medienseite aufgeschrieben.

+++ In der vergangenen Woche gab es zu vermelden, dass Facebook gegen die Seiten russischer Regierungsmedien vorgegangen war (siehe Altpapier), nun hat Zuckerbergs Laden sie aber "wieder freigeschaltet", berichtet Patrick Gensing für den "Faktenfinder" der "Tagesschau"-Redaktion. Sein Fazit: "Eine Strategie im Umgang mit solchen Medien ist nicht zu erkennen."

+++ Um, anders als es an dieser Stelle aus guten Gründen üblich ist, auch mal was nicht Negatives über soziale Medien zu sagen: "Die Entstehung der sozialen Medien (…) verändert Erfahrung und Selbstverständnis derer, die aktiv daran teilnehmen. Dass die 'Freunde' auf Facebook meist viel zu viele sind, um ihnen allen im 'realen Leben' begegnen zu können, merken Kritiker gerne an. Doch statt einfach nur über einen Niedergang 'echter' Freundschaft zu lamentieren, könnte man auch darüber nachdenken, was es bedeutet, wenn Menschen auf den Plattformen der sozialen Medien Leute, die sie persönlich gar nicht kennen, über ihre Timelines und Feeds tagtäglich zur Kenntnis nehmen. Fremdheit bedeutet dann gerade nicht mehr Anonymität, vielmehr weiß man über diejenigen, denen man folgt, zum Teil genauer Bescheid als über eigene nahe Freunde und Familienmitglieder." Über dieses Phänomen habe ich in letzter Zeit auch hin und wieder nachgedacht (zumindest ein bisschen). Das Zitat stammt aus Wolfgang Ullrichs Mitte März bei Wagenbach erscheinendem Buch "Selfies" - beziehungsweise aus einer Passage, die das Monatsmagazin konkret daraus in seiner März-Ausgabe vorabgedruckt hat.

+++ In den Fall des früheren WDR-Fernsehspielchefs Gebhard Henke (siehe zuletzt Altpapier von Freitag) haben sich nun Studierende und ehemals Studierende der Kölner Kunsthochschule für Medien (KHM) mit einem Offenen Brief eingeschaltet: "Uns macht es fassungslos und wütend, dass Gebhard Henke weiterhin an der KHM angestellt ist. Arbeitsrechtlich ist es nicht möglich, ihn zu entlassen. Diesbezügliche Bemühungen seitens der Hochschule hat es gegeben. Gebhard Henke bezieht weiterhin Monat für Monat sein Professorengehalt und tritt in wenigen Jahren seinen gut bezahlten Ruhestand an – von der finanziellen Abfindung durch den WDR ganz zu schweigen. Dass Gebhard Henke sich immer noch zum bemitleidenswerten Opfer stilisiert, ist eine Farce und verdreht zudem die real existierenden Machtverhältnisse." Spiegel Online greift den Brief auf - und schreibt: "Nach Spiegel-Informationen hat die Leitung der Hochschule versucht, Henke zumindest zu beurlauben. Henke habe sich darauf aber nicht eingelassen. Die KHM wollte sich inhaltlich dazu nicht äußern."

+++ Noch einmal der WDR! nrwjazz - Das Jazz-Netzwerk für Nordrhein-Westfalen macht darauf aufmerksam, was ein "Relaunch" des Programmplatzes Jazz & World auf WDR3 mit sich bringen wird: "Geplant ist ein Wechsel von den bisherigen monothematischen Autorensendungen hin zu kuratierten und moderierten Playlists (…) Dieses Sendeformat soll dann lediglich von vier ModeratorInnen präsentiert werden. Das bedeutet gleichzeitig, dass die bisherige Form der Zusammenarbeit mit den weiteren 20 Journalisten zum 1.4. beendet wird." Angesichts dessen, dass man sich vor "kuratierten" Playlists etwa bei Spotify nicht retten kann (zu welchem Genre auch immer), ist es natürlich tendenziell suizidal, das eigene Programm zu spotifyisieren, anstatt auf das zu setzen, was Spotify (bisher) nicht hat, nämlich musikjournalistische Formate. Aber so ist er halt, der WDR.

+++ Was fehlt noch? Ein neuer "Investigativverbund"! Der Stern, "Report München", die Deutsche Welle, Lighthouse Reports und Bellingcat haben einen formiert - unter dem Namen "#GermanArms". Es geht um den Einsatz deutscher Waffen im Jemen. Siehe dazu unter anderem auch die "Report München"-Sendung vom gestrigen Abend.

Neues Altpapier gibt es wieder am Donnerstag.

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