Von den Germanen bis zur DDR Besondere Ausflugsziele: In diesen Freilichtmuseen Thüringens Vergangenheit entdecken

Thüringens Geschichte an Originalstandorten entdecken – das ist in Freilichtmuseen vom Kyffhäuserkreis bis zum Tannbach möglich. Sie ermöglichen eine Zeitreise: zu den Germanen der Frühzeit, dem bäuerlichen Leben im Mittelalter, dem Alltag in Thüringer Dörfern vor 200 Jahren und dem Leben in der DDR. Auch über das dunkle Kapitel des Nationalsozialismus informieren heute Gedenkstätten. Diese fünf Freilichtmuseen bieten einen authentischen Eindruck vergangener Epochen und lohnen einen Besuch.

Bauernhäuser mit einem Garten
Die Bauernhäuser in Rudolstadt gehören zum ältesten Freilichtmuseum Deutschlands. Bildrechte: IMAGO/Steve Bauerschmidt

Funkenburg Westgreußen: Frühzeitliche Anlage aus der Zeit der Germanen

Die Funkenburg in Westgreußen ist die Rekonstruktion einer germanischen Wehrsiedlung, die in die Lebenswirklichkeit vor über zwei Jahrtausenden führt. Die in den 70er-Jahren archäologisch erkundete Befestigungsanlage wurde am Originalstandort auf einem markanten Bergsporn über dem Helbetal wiedererrichtet. Hier lebten Menschen vom 2. Jahrhundert vor Christus bis zum frühen 1. Jahrhundert nach Christus.

Die Funkenburg, eine germanische Wehranlage in Westgreußen
Die Funkenburg ist eine rekonstruierte germanische Wehranlage im heutigen Kyffhäuserkreis. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Umgeben von trutzigen Graben- und Wallanlagen mit Holzpalisaden, die Feindesangriffe abwehren sollten, finden sich auf dem Gelände unter anderem ein Langhaus mit Versammlungsplatz als Zentrum, Wohn-Pfostenhäuser für die Gefolgschaft und ein Backofen, der mehr über die germanische Ernährungsweise verrät. In der Hauptburg lassen sich nachempfundene Wohn- und Arbeitshäuser, Speicherbauten, Öfen sowie Arbeitsgeräte entdecken. Kinder können hier unter anderem Filzen, Weben oder Bienenwachskerzen drehen. Für größere Gruppen werden außerdem Führungen angeboten.

Mehr Informationen

Funkenburg
Rohnstedter Straße
99718 Westgreußen

Öffnungszeiten:
Ostern bis Oktober
Mittwoch bis Sonntag: 12 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung

Führungen werden für Gruppen mit mindestens 10 bis maximal 25 Personen angeboten.

Kreativangebote (z.B. Filzen oder Weben) für Kinder bzw. Schulklassen kosten 5 Euro pro Person.

Eintrittspreise: 4 Euro, ermäßigt 2 Euro

Freilichtmuseum Hohenfelden: Historischer Alltag in Thüringer Dörfern

Wie früher in Thüringer Dörfern gebaut, gelebt und gearbeitet wurde, kann man im Freilichtmuseum Hohenfelden erleben. Hier stehen mehr als 35 historische Gebäude aus verschiedenen Zeiten und Regionen, die vor dem Abriss bewahrt, restauriert und authentisch eingerichtet wurden. Neben großen und kleinen Wohnhäusern, einem seltenen Umgebindehaus und einer Blumentopf-Töpferei findet sich auf dem Museumsgelände die älteste Windmühle Thüringens. Auch die Umgebung mit historischen Obst- und Gemüsesorten, alten Rassen landwirtschaftlich genutzter Tiere oder tradtionell bewirtschaftete Felder sind Teil des Freilichtmuseums.

Mehrere alte Fachwerkhäuser
Im Freilichtmuseum Hohenfelden stehen mehr als 35 historische Gebäude aus ganz Thüringen. Bildrechte: MDR / Freilichtmuseum Hohenfelden

Besucherinnen und Besucher können hier entdecken, was sich hinter einer Schwarzen Küche verbirgt, wie man in Hölzernen Stuben wohnte oder ohne moderne Technik lebte. Vor allem bei Familien und Großeltern mit Enkeln ist das Freileichtmuseum Hohenfelden ein beliebtes Ausflugsziel. Auch im Dorf Hohenfelden gibt es Einiges zu sehen: neben wechselnden Sonderausstellungen im Alten Pfarrhof lohnt sich ein Blick in die ehemalige Dorfschule oder das Brauhaus.

MEHR INFORMATIONEN

Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden

Eichenberg
Am Eichenberg 1
99448 Hohenfelden

Alter Pfarrhof
Im Dorfe 16
99448 Hohenfelden

Öffnungszeiten:
Hauptsaison: 2. April bis 31. Oktober 2022
täglich von 10 bis 18 Uhr

Führungen über das Gelände "Am Eichenberg" werden nach telefonischer Anmeldung angeboten. Für Kinder gibt es Erlebnisführungen und Rundgänge, für die eine verbindliche Anmeldung notwendig ist.

Eintritt: 6 Euro
Ermäßigt: 4,50
Kinder: 2,50 Euro

Bauernhäuser Rudolstadt: Das älteste Freilichtmuseum Deutschlands

Die Thüringer Bauernhäuser in Rudolstadt, die 1914/15 gegründet wurden, gelten als ältestes deutsches Freilichtmuseum. Die im Verfall begriffenen Fachwerkhäuser wurden damals aus den umliegenden Dörfern abgetragen und im Rudolstädter Heinrich-Heine-Park wieder aufgebaut.

Heute veranschaulicht die Hofanlage mit über tausend Exponaten, darunter Einzelstücke wie eine Kinderwiege, Kartoffelreibe oder Webstuhl, das ländliche Leben der Thüringischen Region im 17. und 18. Jahrhundert. Zu entdecken gibt es bäuerliche Kunst, die Zweckmäßigkeit mit Formschönheit verbindet – und überraschend farbenfroh ist.

Eine alte Apotheke aus dem 18. Jahrhundert: ein großer bunter Holzschrank mit vielen Fächern, in den Regalen stehen bauchige Glasflaschen.
Blick in die Apotheke im Birkenheider Haus des Freilichtmuseums Rudolstadt. Kinder können hier eine wahre Zeitreise erfahren. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Eindrucksvoll anzusehen ist außerdem eine alte Apotheke, wo Mörser und Arzneiflaschen noch vom damals typischen Olitätenhandel zeugen. Im Museumsladen sind solche Olitäten, Naturheilmittel, heute wieder zu kaufen. Für das leibliche Wohl wird im Bauerngarten gesorgt, in dem immer wieder Freiluft-Veranstaltungen stattfinden.

Mehr Informationen

Thüringer Bauernhäuser
Kleiner Damm 12
07407 Rudolstadt

Öffnungszeiten:
April bis Oktober: Täglich von 11 bis 18 Uhr

Eintrittspreis: 2,50 Euro, ermäßigt: 1,50 Euro

Erlebnisführung mit dem Buckelapotheker/Küchenführung: 7/6 Euro (Erwachsene/Kinder)

Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar: Thüringen im Nationalsozialismus

Das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar bildet das grausame Gegenbild der Klassikerstadt. Obwohl das KZ, das von 1937 bis 1945 betrieben wurde, nicht zur Kategorie der Vernichtungslager gehörte, wurden auch in Buchenwald Häftlinge, darunter Regimegegner, Vorbestrafte, Nichtsesshafte, Homosexuelle, Sintize und Romnja sowie Juden, systematisch ermordet.

Eingang zur Gedenkstätte Buchenwald.
Das Torgebäude des ehemaligen KZs Buchenwald gehörte zu den ersten Bauten, die Häftlinge 1937 errichten mussten. Bildrechte: MDR/Thies Streifinger

An sie wird in der Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald erinnert, die 1958 von der DDR eingeweiht und in den 90er-Jahren umfassend neu konzipiert wurde. Heute sind historische Gebäude, Relikte aus der Lagerzeit und Denkmale auf dem Außengelände zu besichtigen.

Dazu gehören das ehemalige Häftlingslager mit Lagertor, Krematorium und Arrestzellenbau, der ehemalige SS-Bereich oder die Gräberfelder des sowjetischen Speziallagers Nr. 2. Während die monumentale Mahnmalsanlage aus DDR-Zeiten vor allem kommunistischen Häftlingen gewidmet ist, gibt es inzwischen viele Gedenkorte- und Steine auf dem Gelände, die an verschiedene Opfergruppen erinnern. Führungen über das Gelände oder diverse Ausstellungen in der Gedenkstätte liefern das historische Hintergrundwissen für einen Besuch.

Mehr Informationen

Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald
99427 Weimar

Öffnungszeiten:
Außenanlagen: täglich bis zum Anbruch der Dunkelheit
Museen:
April bis Oktober: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr
November bis März: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr

Führungen über das Gelände werden Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen mehrmals täglich angeboten und dauern ca. 2 bis 3 Stunden.

Für den Besuch der Dauerausstellung muss eine Online-Reservierung vorgenommen werden.

Es wird empfohlen, die ehemaligen Arrestzellen, das ehemalige Krematorium und die Museen nicht mit Kindern unter 12 Jahren zu besuchen.

Freilichtmuseum Mödlareuth: DDR-Geschichte im ehemaligen Grenzgebiet

Das kleine Dorf Mödlareuth ist ein Kuriosum: es gehört halb zu Bayern, halb zu Thüringen. Erkennen lässt sich die Teilung heute an unterschiedlichen Fahrzeugkennzeichen, Postleitzahlen, Telefonvorwahlen oder den zwei Bürgermeistern. Bis 1989 trennte eine Betonmauer das Dorf noch sichtbarer: Durch Mödlareuth verlief in der DDR entlang des Tannbachs eine Grenzsperranlage, die den Weg zwischen Ost und West versperrte und jahrhundertealte wirtschaftliche, gesellschaftliche und familiäre Verbindungen abrupt zum Erliegen brachte.

Eine Mauer und ein Wachturm im Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth
In dem bayrisch-thüringischen Dorf Mödlareuth sind Teile der 700 Meter langen Betonsperrmauer aus DDR-Zeiten erhalten geblieben. Bildrechte: dpa

In dem als "Little Berlin" bekanntgewordenen Ort wurde nach der Wiedervereinigung eine Gedenkstätte nach der Art eines Freilichtmuseums gestaltet – Teile der Betonsperrmauer, des Metallgitterzaunes sowie der Beobachtungsturm sind im Original erhalten geblieben. Das Deutsch-Deutsche Museum verfügt neben dem Freigelände über einen Ausstellungsbereich mit Medienarchiv. Außerdem gibt es ein Museumskino, das zu jeder vollen und halben Stunde den Film "Alltag an der Grenze" zeigt.

Mehr Informationen

Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth
Mödlareuth 13
95183 Töpen

Öffnungszeiten:
März bis Oktober: Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr
November bis Februar: Dienstag bis Sonntag von 9 bis 17 Uhr

Eine vorherige telefonische Anmeldung wird empfohlen.

Eintritt: 3 Euro, ermäßigt: 2 Euro

(Recherche: MDR KULTUR / Redaktionelle Bearbeitung: Valentina Prljic)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 02. Januar 2022 | 18:05 Uhr