Rote Weintrauben hängen an einem Weinstock.
Ob dunkelblau, grün, gelb oder rosa: Für jeden Geschmack gibt es mittlerweile Tafeltrauben im Handel, die auch in Privatgärten gedeihen Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Wein für den Kleingarten Tafeltrauben anbauen, pflegen, ernten

Tafeltrauben aus dem eigenen Garten schmecken unvergleichlich gut und sind gesünder als die gekauften aus dem Supermarkt. Wer einen sonnigen und warmen Platz für die Reben findet, kann die süßen Früchte selber anbauen. Wir sprachen mit dem Weinbauer André Zahn über gute Tafeltrauben wie sie im Hausgarten wachsen können.

Rote Weintrauben hängen an einem Weinstock.
Ob dunkelblau, grün, gelb oder rosa: Für jeden Geschmack gibt es mittlerweile Tafeltrauben im Handel, die auch in Privatgärten gedeihen Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Es muss nicht gleich ein ganzer Weinberg sein, wie ihn Anré Zahn auf seinem Weingut bei Großheringen bewirtschaftet. Eine nach Süden ausgerichtete Hauswand reicht völlig aus für den Anbau süßer Trauben aus, sagt der Experte. Selbst auf einem sonnigen Balkon können Reben in großen Pflanzgefäßen gedeihen und schmackhafte Früchte tragen. Tafeltrauben sind für den Frischverzehr gedacht, aus Keltertrauben wird Wein gemacht. Beide lassen sich auch zu Traubensaft verarbeiten.

Auf einen Blick
Heimat Mittelmeerraum
Pflanzenfamilie Weinrebengewächse (Vitaceae)
Wuchs Weinreben können sehr groß werden und ganze Häuserwände bewachsen. Für hohe Erträge werden Reben zurückgeschnitten.
Blüte Mitte Mai bis Ende Juni
Früchte je nach Sorte weiße, rote und dunkelviolette Weinbeeren
Standort sonnig und warm
Boden tiefgründiger, lockerer Boden
Winterhart ja
Mehrjährig ja
Lebensdauer Je nach Sorte können Weinreben bis zu 30 Jahre lang Erträge liefern. Es gibt auch Uralte Weinstöcke, die schon 100 Jahre alt sind.
Besonderheiten Viele Kulturreben sind zwittrig und befruchten sich selbst

Der richtige Standort

Ohne direktes Sonnenlicht geht es aber nicht. Wer selbst Tafeltrauben anbauen möchte, muss für die Pflanzen den wärmsten Platz auf seinem Grundstück mit viel Mittags- und Nachmittagssonne suchen. Eine Hauswand gilt als ideal, weil sie die Wärme der Sonne speichert, sagt Kellermeister André Zahn. Die Reben sorgen außerdem dafür, die Fassade reizvoller zu gestalten. In Reihen am Drahtspalier oder als Kletterpflanze an einer Pergola gedeihen sie auch.

Ein Rebstock wächst an einer Hauswand
Diese Weinrebe profitiert von der gespeicherten Wärme in der Hauswand. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Folgende Faustregel für die Auswahl einer Sorte gilt:

Je ungünstiger die Region oder der Standort ist, desto früher sollte die Traubensorte reif sein.

Petra Steinmann-Gronau, Rebschule Steinmann Sommerhausen

Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, eine veredelte Pflanze auszuwählen. Sie besitzt eine größere Widerstandskraft gegen den Befall durch die Reblaus. Im Fachhandel gibt es mittlerweile zahlreiche Traubensorten, die zusätzlich widerstandsfähig gegen Mehltau sind. Das bedeutet, dass sie nicht vorbeugend gegen Pilzerkrankungen behandelt werden müssen. Lediglich in Jahren mit sehr ungünstigem Wetter kann es notwendig sein, Pflanzenschutzmittel zu verwenden - aber auch nur, wenn es tatsächlich zum Befall gekommen ist. Kupferpräparate helfen gegen Falschen Mehltau, Netzschwefel gegen den Echten Mehltau.

Pilzbeständige Sorten für den Hausgarten
Name Beerenfarbe Reife Besonderheiten
Nelly intensiv rosa Mitte September bis Anfang Oktober fruchtig-süße Trauben; für ungünstige Standorte geeignet; Sortenempfehlung für Thüringen laut Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau (LVG) Erfurt; Züchtung aus Deutschland
Theresa zart rosa Anfang bis Mitte Oktober große Beeren
Königliche Esther schwarzblau Anfang bis Mitte September knackige, aromatische Trauben; Sortenempfehlung für Thüringen laut LVG Erfurt; Züchtung aus Ungarn
Muscat Bleu schwarzblau Mitte bis Ende September süß-aromatisch, Geschmack nach Muskat; recht harte Schale
Romulus grün September kernlos, kleine, süße Beeren
Arkadia gelbgolden Anfang September kernarme, große Beeren; Züchtung aus Russland
Venus blau Anfang September kernlose, fleischige Beeren; Züchtung aus den USA

Rebstöcke können 20 bis 30 Jahre alt werden, ohne anfälliger für Krankheiten zu werden oder einen geringeren Ertrag zu liefern. Kernlose Sorten neigen zu kleineren Beeren, daher raten Fachleute dazu, bei der Auswahl eher auf das Verhältnis zwischen Anzahl der Kerne und Beerengröße zu achten.

Süße Früchte Weintrauben-Sorten für den Anbau im eigenen Garten

Die Weinsorte 'Palatina' stammt aus Ungarn. Jetzt können die Trauben geerntet werden. Sie schmecken süß und sehr aromatisch nach Muskat. Hier stellen wir noch mehr Sorten vor, die sich für den Hausgarten eignen.

Grüne Weinrebe
Die Sorte 'Palatina' stammt aus Ungarn. Die Früchte sind süß und schmecken sehr aromatisch nach Muskat. Die Beeren sind groß und haben nur eine dünne Schale. Allerdings hat die 'Palatina' Kerne. Bildrechte: Dufft, Daniela/MDR
Grüne Weinrebe
Die Sorte 'Palatina' stammt aus Ungarn. Die Früchte sind süß und schmecken sehr aromatisch nach Muskat. Die Beeren sind groß und haben nur eine dünne Schale. Allerdings hat die 'Palatina' Kerne. Bildrechte: Dufft, Daniela/MDR
Auf zwei Strohtellern liegen lila und grüne Weinreben
Die Sorte 'Muscat Bleu' (li.) schmeckt ähnlich wie die 'Palatina'. Die Beeren sind allerdings etwas kleiner. Sowohl die 'Palatina' als auch die 'Muscat Bleu'-Weinstöcke sind resistent gegen Mehltau. Bildrechte: Dufft, Daniela/MDR
Rote Weinrebe
Auch eine empfehlenswerte Sorte für den Hausgarten ist der 'Rote Gutedel'. Eigentlich ist die Sorte eine Keltertraube, aber sie schmeckt auch als Tafeltraube hervorragend. Die Beeren werden sehr groß, richtig reif sind sie aber erst Mitte Oktober. Einziges Problem: Die Sorte ist empfindlich und anfällig für Pilzkrankheiten. Bildrechte: Dufft, Daniela/MDR
Violette Tafeltrauben der Sorte 'Nelly' liegen mit zwei Weinblättern und einem Zettel mit der Aufschrift "Nelly" in einem Körbchen
Die Sorte 'Nelly' dagegen zählt zu den Züchtungen mit einer guten Widerstandskraft gegen Pilzerkrankungen. Die roten- fruchtig-süßen Trauben können Anfang Oktober geerntet werden. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner
Dunkelblaue Tafeltrauben der Sorte 'New York Muscat' liegen mit einem Zettel mit der Aufschrift "New York Muscat" in einem Körbchen
Wer das Muskataroma mancher Trauben schätzt, für den käme 'New York Muscat' in Frage. Die aus Amerika stammende Züchtung bringt große, saftige Beeren hervor. Sie gilt als unkompliziert, ihr Laub färbt sich im Herbst außerdem intensiv. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner
Rosa Tafeltrauben der Sorte 'Lidi' liegen mit zwei Weinblättern und einem Zettel mit der Aufschrift "Lidi" in einem Körbchen
Auch 'Lidi' gilt als pilzresistent. Die früh reifende Rebsorte eignet sich für etwas weniger günstige Standorte. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner
Dunkelblaue Tafeltrauben der Sorte 'Königliche Esther' liegen mit zwei Weinblättern und einem Zettel mit der Aufschrift "Königliche Esther" in einem Körbchen
Die blauen, aromatisch-süßen Früchte der Sorte 'Königliche Esther' sind ein Ergebnis ungarischer Züchter. Geerntet werden kann - je nach Lage und Klimaeinflüssen - schon ab August. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner
Rosa und grünliche Tafeltrauben der Sorte 'Katharina' liegen mit einem Weinblatt und einem Zettel mit der Aufschrift "Katharina" in einem Körbchen
'Katharina' hat große, länglich ovale Beeren, die je nach Sonnenschein ab Mitte September reif sind. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner
Grüne Tafeltrauben der Sorte 'Jolanka' liegen mit zwei Weinblättern und einem Zettel mit der Aufschrift "Jolanka" in einem Körbchen
'Jolanka' gilt als sehr frostbeständig. Auch Pilzerkrankungen machen ihr wenig zu schaffen. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner
Dunkelblaue Tafeltrauben der Sorte 'Georg' liegen mit einem Zettel mit der Aufschrift "Georg" in einem Körbchen
Mittelfrüh reifende Beeren, die dunkelblau gefärbt und knackig sind - das ist 'Georg'. Die pilzfeste Sorte zeigt eine gute Frosthärte. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner
Grüne, zum Teil leicht braun angelaufene Tafeltrauben der Sorte 'Fanny' liegen mit einem Zettel mit der Aufschrift "Fanny" in einem Körbchen
'Fanny' ist eine recht anspruchslose Sorte, die sich für Privatgärten eignet. Ihre Beeren reifen früh. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner
Hellgrüne Tafeltrauben der Sorte 'Arkadia' liegen mit zwei Weinblättern und einem Zettel mit der Aufschrift "Arkadia" in einem Körbchen
Die Früchte von 'Arkadia' haben nur wenige Kerne, fallen aber groß und angenehm süß aus. Auch diese Sorte ist pilzbeständig. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner
Weinblatt mit einer weißen mehligen Verfärbung
Viele andere Weinsorten sind anfällig für Mehltau. Dieses Blatt zeigt den echten Mehltau. Der Pilz breitet sich sowohl auf den Blättern, als auch auf den Trauben aus. Befallene Trauben sind ungenießbar. Bildrechte: Dufft, Daniela/MDR
Blatt mit bräunlichem Muster, das sich über das ganze Blatt zieht
Der falsche Mehltau ist an bräunlichen Mustern auf den Blättern zu erkennen. Bildrechte: Dufft, Daniela/MDR
Rote Weinblätter
Ein wohlschmeckender Wein, für alle die keine Kerne mögen - da ist die Sorte 'Venus' eine gute Wahl. Bildrechte: Dufft, Daniela/MDR
Dunkelblaue Tafeltrauben der Sorte 'Venus' liegen mit einem Weinblatt und einem Zettel mit der Aufschrift "Venus" in einem Körbchen
'Venus' hat schwarzblaue Früchte. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 23. September 2018 | 08:30 Uhr

Reben pflanzen

Bei der Pflanzzeit von Weinreben scheiden sich die Geister. Erfahrene Winzer pflanzen die Reben meist im Frühjahr von April bis Mitte Mai. Dann haben die Weinstöcke den ganzen Sommer lang Zeit, gut einzuwurzeln und kräftige Triebe zu bilden. Aber auch im zeitigen Herbst, wenn der Erdboden noch warm ist, können Weinreben gepflanzt werden. Folgt ein strenger Winter, besteht aber die Gefahr, dass die Pflanzen erfrieren.

Kellermeister André Zahn und Moderatorin Diana Fritzsche-Grimmig begutachten Weinreben am Weinberg.
Kellermeister André Zahn ist mit seiner Weinernte in diesem Jahr zufrieden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Abgesehen von einem sehr sonnigen, windgeschützten Standort benötigen Reben einen tiefgründigen, lockeren Boden. Das Pflanzloch sollte 40 bis 50 Zentimeter tief ausgehoben werden. Wer mag, kann Blähton mit hineingeben, denn Staunässe ist schädlich. Dünger, Kompost oder Blumenerde dürfen nicht verwendet werden, weil Reben sehr empfindliche Wurzeln haben. Der Abstand zu einer Hauswand sollte etwa 20 Zentimeter betragen. Werden mehrere Reben gepflanzt, sollten sie eineinhalb bis zwei Meter Entfernung voneinander haben. Die Veredelungsstelle liegt über der Erde. Grüne Ranken werden locker an den Pflanzpfahl gebunden, auch schon verholzte Triebe brauchen eine Befestigung. Im Sommer sollten frisch gepflanzte Reben immer wieder gegossen werden.

Reben im Topf (20 bis 30 Liter) können das ganze Jahr über gepflanzt werden. Unverzichtbar ist dabei eine Drainageschicht, damit sich keine Staunässe bildet und das Wasser gut ablaufen kann. Wer mit dem Pflanzen bis zum Herbst wartet, kann sich bei etwas älteren, vorkultivierten Pflanzen gleich von der Qualität der Trauben überzeugen. Weinreben sind von Natur aus winterhart, allerdings müssen Reben im Kübel zusätzlich geschützt werden, damit die Wurzelballen nicht erfrieren. Wer die Möglichkeit hat die Pflanzen in ein kühles Winterquartier zu stellen, sollte es nutzen. Muss der Kübel draußen bleiben, sollte der Topf zum Beispiel mit Luftpolsterfolie geschützt werden. Stellen Sie ihn außerdem auf eine dämmende Unterlage wir Styropor oder Holz. Den Topf zusätzlich mit Laub, Stroh oder Reißig abdecken. Die grünen Seitentriebe sollten regelmäßig leicht zurückgeschnitten werden, damit die Pflanze füllig bleibt.

Einen alten Weinstock verpflanzen

Es ist schwierig einen alten Weinstock zu verpflanzen, da Weinpflanzen sehr viele flache Wurzeln haben und diese beim Umsetzen schnell beschädigt werden können. Es gehört also etwas Glück dazu, dass so eine Aktion gelingt, sagt André Zahn. Wer es wegen Platzmangel trotzdem tun muss, sollte ½ Kubikmeter Wurzelmasse vorsichtig ausgraben und aufpassen, dass zentrale Wurzelorgan nicht zu beschädigen.

Der richtige Schnitt

Rote Weintrauben hängen an einem Weinstock.
Die rötlichen Triebe sind aus diesem Jahr. Zwei davon bleiben beim Rückschnitt im Frühjahr bis auf zehn Augen stehen. Sie treiben dann im nächsten Jahr neu aus. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Für gesundes Wachstum und reiche Ernte müssen Licht, Luft und Sonnenlicht auf die Reben einwirken können. Daher ist ein regelmäßiger Schnitt vor dem Austrieb im Frühjahr (März bis April) wichtig. Beim Schnitt kommt es darauf an, welchem Zweck der Weinstock dient: Soll er viele Weinbeeren liefern oder schmückendes Element an einer Hauswand sein? Wer viel Wert auf den Ertrag legt und viele Trauben in bequemer Höhe ernten möchte, lässt zwei der einjährigen, die im Vorjahr gewachsen sind auf einer Länge von acht bis zehn Augen stehen. Daraus wachsen dann die neuen Triebe, die die Weinbeeren tragen. Diese benötigen wiederum etwa zehn Blätter für eine Weintraube. Also werden die Triebe ab einer Höhe von zehn Augen gekappt (1,20 Meter). Ende Mai, Anfang Juni wandeln sich die Blüten zu Trauben, man spricht auch vom Traubenschluss. Kellermeister André Zahn empfiehlt, dann die Trauben zu entblättern, also die Blätter die die Trauben beschatten zu entfernen. Nur so gelangt ausreichend Sonne auf die Trauben und sie werden schön süß.

Rückschnitt: So bilden sich Weintrauben Weinreben blühen am diesjährigen Trieb, der auf einjährigem Holz wächst. Dieses wiederum muss auf zweijährigem Holz stehen.

Wer den Weinstock als Sichtschutz oder zur Begrünung einer Hauswand nutzen möchte, muss nicht so strenge Schnittregeln einhalten. André Zahn schneidet die langen von den Hauptrieben abgehenden einjährigen Seitentriebe auf zwei Augen zurück. Aus dem Zapfen wachsen dann im Frühjahr die neuen Triebe, die er an einem Spalier in die gewünschte Richtung lenkt. Es gibt viel Fachliteratur in der genau beschrieben wird, wie Weinreben richtig geschnitten werden.

Mit einer Gartenschere wird ein Weinstock zurückgeschnitten.
Wein an der Hauswand: Das einjährige Holz wird auf zwei Augen zurückgeschnitten. Daraus wächst ein neuer Trieb der Früchte trägt. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Weinernte

Bei der Ernte ist zu beachten, dass Trauben nicht nachreifen. Sie werden daher in vollreifem Zustand abgenommen. Verpackt in einem Plastikbeutel, können sie rund zwei Wochen im Kühlschrank lagern.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 23. September 2018 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2016, 08:30 Uhr