Vorfreude auf aromatische Tomaten Halbzeit im Tomatengarten: Düngen und pflegen

Eine Frau steht in einem Garten. In der Hand hält sie einen kleinen Strauß aus Kräutern.
Bildrechte: MDR/Lisa-Marie Kaspar

Wirtschaftlich gesehen lohnt es sich nicht, Tomaten selbst anzubauen. Die lange Kulturzeit und der Wasserbedarf verlangen Zeit und Ressourcen. Doch an Frische und Geschmack übertreffen die selbst angebauten "Paradeiser", wie sie in Österreich zu Recht genannt werden, bei weitem die Tomaten aus dem Discounter. Gärtnerin Brigitte Goss hat viele Tomaten in ihrem Garten und weiß, wie sie jetzt - in der Tomatenhalbzeit - gepflegt werden.

Mit eienr Gießkanne wird eine blühende Tomatenpflanze gegossen.
An heißen Tagen brauchen Tomaten bis zu zehn Lieter Wasser am Tag. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Gärtnerin Brigitte Goss liebt Tomaten und probiert immer wieder verschiedene Sorten aus. Die Samen gewinnt sie vor allem aus Früchten der eigenen Ernte. Oder sie kauft Saatgut auf Raritätenbörsen und tauscht mit Freunden Lieblingssorten aus. Wichtig ist der Gärtnerin, dass es sich vor allem um samenechte Sorten handelt, also Sorten, die keine F1-Hybriden sind, welche nicht über Samen vermehrt werden können. Nur eine Ausnahme gibt es: Die Hybride 'Sweet Million' F1 – die Cocktailtomate trägt unheimlich viele Früchte, die sehr aromatisch sind. Auf diese Sorte will Brigitte Goss nicht verzichten.

Tomatenauswahl von Brigitte Goss Samenechte Tomaten: Ochsenherztomate; echte 'Harzfeuer'; 'Indigo Kumquat'; 'Rainbow'; 'Cerise'; 'Spanische Tomate'; 'Honigtomate'

Hybride: 'Sweet Million' F1

Tomaten wachsen mitten im Staudenbeet an einem Rankgerüst
Tomaten, die übrig waren, wachsen nun einfach im Staudenbeet. Bildrechte: Brigitte Goss

Alte, historische Sorten sind samenecht. Sie passen sich viel besser dem Klima an und schmecken einfach gut. Aus den schönsten Früchten gewinne ich die Samen für die nächste Saison. Aber die 'Sweet Million' F1 hole ich mir jedes Jahr, weil sie viele tolle Tomaten liefert.

Gärtnerin Brigitte Goss

F1-Hybrid Bei F1-Hybriden handelt es sich um Saatgut, dass Betriebe so züchten und sortieren, dass die spätere Ernte gleichförmig wird, alle Pflanzen etwa gleich aussehen und zur gleichen Zeit reif sind. F1-Hybriden sind nicht samenfest. Sie können dieser Pflanze zwar Saatgut entnehmen, allerdings ist dieses dann schon ein F2-Hybrid, der den Launen der Natur ausgesetzt ist und ihre Eigenschaften verändert. Heißt: Aus roten schmackhaften großen Tomaten, können im nächsten Jahr kleine verschrumpelte entstehen.

Rückblick aufs Tomatenjahr

Ende März begann für Brigitte Goss das Tomatenjahr. Sie hat Samen gesät, zwei Wochen später pikiert, also die Pflanzen vereinzelt. Nach den Eisheiligen zogen die jungen Tomatenpflanzen nach draußen um. Da Tomaten anfällig für Regen sind, kam ein großer Teil ins neue Gewächshaus. Dort stehen die Pflanzen jetzt in einem Abstand von etwa 20 bis 30 Zentimetern.

Junge Tomatenpflanzen mit Pikierstab vereinzeln 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer Tomaten aus Samen ziehen möchte, sollte im März mit der Aussaat loslegen. Gärtnerin Brigitte Goss hat Tipps, wie kräftige, junge Pflanzen aus Saatgut heranwachsen. Wir haben uns die Anzucht bei Brigitte angeschaut.

Do 12.03.2020 10:21Uhr 06:16 min

https://www.mdr.de/mdr-garten/pflegen/aussaat/tomaten-gemuese-saeen-pikieren-anzucht-vorziehen-100.html

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Video

Gewächshaus, Staudenbeet, Vliessack - verschiedene Standorte für Tomaten

Dieses Jahr probiert Brigitte Goss aus, wie Tomaten in Vliessäcken gedeihen. Diese Behälter mit einem Erdvolumen von 30 Litern stehen an einer geschützten Wand. Und weil die Gärtnerin keine Pflanze wegwerfen kann, pflanzte sie die verbliebenen Tomaten mitten ins Staudenbeet. Dort dürfen sie an einer Rankhilfe wachsen.

Tomaten stehen in Vliesbehälter gepflanzt an einer Hauswand
Ausreichend Platz haben Tomaten in solchen Vliessäcken. Bildrechte: Brigitte Goss

Futter für die Tomaten - die Pflanzen düngen

Tomatenpflanzen sind Hochleistungspflanzen. Um stetig wachsen zu können, brauchen sie eine gleichmäßige und ausgewogene Nährstoffversorgung. Da Brigitte Goss das Gewächshaus im Frühjahr mit neuer torffreier Erde aufgefüllt hatte, ist hier kaum Düngung nötig.

Eine Schüssel mit Humus steht an einem Beet.
Auch der Wurmhumus ist selbst gemacht. Bildrechte: Brigitte Goss

Vor dem Pflanzen hackte sie einen Stickstoff- und Kaliumdünger aus Malzkeimen in die Erde. Ins Pflanzloch der Tomaten kam selbst erzeugter Wurmhumus. Ende Mai folgte noch etwas abgelagerter Pferdemist, der vorsichtig untergeharkt wurde. Auch die Pflanzen in den Vliessäcken sind gut versorgt: Zuerst befüllt mit etwa fünf Zentimeter torffreier Erde, gefolgt von einer Kehrschaufel voll abgelagertem Pferdemist und darauf wieder die gekaufte Erde.

Pferdemist kam beim Pflanzen auch aufs Staudenbeet, so hält die Nährstoffversorgung lange an. Wenn die Blätter heller werden, ist das ein Indiz dafür, dass die Pflanzen wieder Hunger haben.

Maltaflor Dünger aus Malzkeimen: 4 % N, 1 % P2O5, 5 % K, 80 % organische Substanz

Der große Durst - Tomaten gießen

Tomaten verbrauchen sehr viel Wasser. Um die Tomaten zu Tiefwurzlern zu erziehen, gießt Brigitte Goss je nach Wetterlage bis zu fünf Tage nicht. Erst wenn die Pflanzen die Blätter leicht hängen lassen, bekommen sie Wassernachschub. An heißen Tagen brauchen Tomatenpflanzen bis zu 10 Liter am Tag. Die Sorte 'Cerise' soll eine sogenannte Klimatomate sein, die mit weniger Wasser auskommt. So eine Klimatomate steht bei Brigitte Goss in der Vliestasche. Von eingegrabenen Wasserflaschen, die das Wasser zur Wurzel leiten, rät die Gärtnerin inzwischen ab, das hat sie selbst ausprobiert. Die Flaschen können zu tödliche Fallen für nützliche Tiere werden. Wenn Sie dennoch solche Gießhilfen verwenden möchten, decken Sie bitte einfach die Öffnungen ab.

Tomaten pflegen - Stabtomaten ausgeizen und aufbinden

Tomaten mit einer 8 am Stab angebunden
Weil die Tomate immer schwerer wird, muss sie angebunden werden. Bildrechte: Brigitte Goss

Die meisten Tomaten sind Stabtomaten, die an einer Haupttriebachse die Früchte bilden. In den Blattachseln wachsen ständig Seitentriebe nach, die der Pflanze viel Energie rauben. Deshalb werden sie immer wieder herausgebrochen und der wachsende Haupttrieb an einem Stab befestigt. Jeden zweiten Tag kontrolliert Brigitte Goss die Pflanzen, vor allem die im Gewächshaus, treiben kräftig aus.  

Doch Vorsicht, Buschtomaten schätzen diese Prozedur überhaupt nicht. Sie wachsen gedrungen und tragen die Früchte an vielen Seitentrieben. Buschtomaten werden gerne als Balkontomaten angeboten, weil sie nicht so windanfällig sind.

Das richtige Klima im Gewächshaus

Tropfen an den Blättern einer Tomate
Wenn im Gewächshaus nicht ausreichend gelüftet wird, bilden sich Wassertröpfchen. Bildrechte: Brigitte Goss

Tomaten wachsen am besten bei Temperaturen von 20 bis 25 Grad. Im Gewächshaus kann es schon mal viel heißer werden. Lüften ist deshalb das A und O. Gerade in sogenannten Tomatenhäusern stehen die Pflanzen häufig zu eng und leiden auch unter der hohen Luftfeuchtigkeit. In Hitzeperioden wird es im Gewächshaus ohne Schattierung unerträglich. Die Gärtnerin hat deshalb aus einer langen weißen Stoffbahn und Drahtseilen eine Schattierung gebaut, die sie je nach Wetterlage öffnen oder zuziehen kann.

Blick in ein Gewächshaus. Eine große Stoffbahn kann entlang eines Drahtseils im Gewächshaus auf- und zugezogen werden.
Brigitte Goss hat ihren Sonnenschutz selbst gebaut. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss

Auch mit Bastmatten und Schattiergewebe können die Pflanzen vor der Sonneneinstrahlung geschützt werden. Es ist nicht zu unterschätzen, wie sehr das Klima im Gewächshaus sich auf Pilzbefall oder Schädlingsaufkommen auswirkt.

Bestäubung: Lasst die Hummeln ins Gewächshaus

Tomaten brauchen Bestäuber gerade im Gewächshaus. Öffnen Sie also großzügig Fenster und Türen, damit die Hummeln an die Blüten gelangen. Brigitte Goss hilft nach, indem sie an der Tomatenpflanze immer wieder leicht rüttelt.  

Tomaten nach einem Monat im Gewächshaus

Die Grube dient nach der Ernte als Erdmiete. Brigitte Goss will hier Wurzelgemüse kühl aber frostfrei lagern.

Blick in ein Gewächshaus mit kleinen Tomatenpflanzen
Die Grube dient nach der Ernte als Erdmiete, hier wird Wurzelgemüse kühl aber frostfrei gelagert. Die Grube dient nach der Ernte als Erdmiete, hier wird Wurzelgemüse kühl aber frostfrei gelagert. Bildrechte: Brigitte Goss
Blick in ein Gewächshaus mit kleinen Tomatenpflanzen
Die Grube dient nach der Ernte als Erdmiete, hier wird Wurzelgemüse kühl aber frostfrei gelagert. Die Grube dient nach der Ernte als Erdmiete, hier wird Wurzelgemüse kühl aber frostfrei gelagert. Bildrechte: Brigitte Goss
Tomatenpflanzen in einem Gewächshaus
Bildrechte: Brigitte Goss
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