Corona-Newsletter | Freitag, 21. Oktober 2022 Schwere Corona-Erkrankung trotz Impfung: Höchstes Risiko für Ältere und bei Vorerkrankung

Maximilian Fürstenberg
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Eine neue Studie zeigt, wer trotz Impfung schwer an Corona erkranken kann. Der wenig überraschende Grund sind ein höheres Alter und Vorerkrankungen. Auch steigen die die Corona-Zahlen wieder an. Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin forderte darum eine Maskenpflicht in Innenräumen.

Spritze und Impfstoffampullen auf einem Impfausweis
Bildrechte: Colourbox.de

Guten Abend,

verleben Sie bis jetzt einen schönen goldenen Oktober und genießen die letzten warmen Sonnenstrahlen? Was soll man sagen: Der Sommer hätte ewig so weiter gehen können: Corona war gefühlt vergessen und das Leben ging seinen Weg. Doch jetzt, im Herbst, kommt das Virus langsam wieder zurück.

Die Realität holt uns auf die eine oder andere Weise nun wieder ein: Die Inzidenzen steigen – langsam. Aber sie steigen. Und mittlerweile klagen laut MDR WISSEN viele Kliniken über einen erneuten Ansturm schwerkranker Covid-19-Patienten – und das trotz Impfung. Das Wort "Impfdurchbruch" ist kein neues Wort. Aber es stellt sich mir, und Ihnen vielleicht auch, die Frage: Wer hat denn aktuell ein Risiko für einen schweren Corona-Verlauf, auch wenn er oder sie geimpft ist?

Höchstes Risiko durch Alter und Vorerkrankung

Diese Frage hat sich auch ein Team von Statistikern gestellt und deshalb die Datenbank des Gesundheitssystems der Veteranen der US-Armee ausgewertet. Sie haben so identifiziert, welche Faktoren mit schweren Verläufen bei Geimpften verbunden sind.

Das Erste, was dabei herauskam, sollte wenig überraschen: Das Alter ist der entscheidenste Faktor. Die Kollegen von MDR WISSEN fassen die Studie folgendermaßen zusammen: Ab einem Alter von 50 Jahren steigt das statistische Risiko für schwere Verläufe alle fünf Lebensjahre um den Faktor 1,5. Personen über 80 Jahren hatten im Vergleich mit den 45- bis 50-Jährigen also ein fast 17-fach höheres Risiko für eine schwere Corona-Erkrankung.

Das zweite Ergebnis ist wahrscheinlich auch nicht überraschend: Vorerkrankungen, Organschäden, Krebs oder die Einnahme von immunschwächenden Medikamenten haben das Risiko für einen schweren Verlauf meist verdoppelt, heißt es laut der Studie, die im Journal "JAMA Network Open" erschien.

Mehr Impfdurchbrüche seit Omikron – aber weniger schwer und tödlich

Die Virusevolution erwies sich für die meisten Erkrankten als Vorteil: Zwar hatte Omikron mit 70,8 Prozent den eindeutig größeren Anteil an den Durchbruchsinfektionen insgesamt (Delta kam auf 26,6 Prozent).

Doch bei den dann schwer verlaufenen Infektionen verhielt es sich genau umgekehrt. Bei Delta verliefen 16,6 Prozent der Impfdurchbrüche schwer und 2,5 Prozent tödlich, bei Omikron-Impfdurchbrüchen waren nur 6,7 Prozent der Verläufe schwer und 0,9 Prozent tödlich, heißt es.

Wissenswertes zur Studie

Insgesamt wurden für die Studie 110.760 Patienten identifiziert (Durchschnittsalter 60,8 Jahre), die sich zwischen Dezember 2020 und Februar 2022 trotz Impfung mit Sars-CoV-2 infiziert haben. Davon erkrankten 9,6 Prozent (10.612 Personen) schwer und mussten damit in Kliniken behandelt werden. 1,4 Prozent (1.555 Personen) starben bei dem Impfdurchbruch. Die ganze Studie können Sie hier nachlesen.

Auf einen Blick: die aktuellen Zahlen

Bleiben wir zunächst bei Zahlen: Nach Angaben des Robert Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen Lagebericht steigt die bundesweite Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter, aber nicht mehr so stark wie in den Vorwochen. Laut RKI nahm die 7-Tage-Inzidenz in der vergangenen Woche im Vergleich zur Vorwoche um acht Prozent zu. Die Zahl der Neuinfektionen stieg so um 92.293 auf über 35 Millionen an. In der Vorwoche lag der Anstieg bei 28 Prozent. Bundesweit liegt die Inzidenz bei 466 Fällen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern innerhalb einer Woche.

In Mitteldeutschland sieht es ähnlich aus. So hat sich das Corona-Infektionsgeschehen zum Beispiel in Sachsen-Anhalt etwas beruhigt. Das RKI registrierte am Freitag für die zurückliegenden sieben Tage 687,5 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Eine Woche zuvor hatte die Inzidenz bei 793,9 gelegen.

In Sachsen liegt die Inzidenz aktuell bei 510,1 und in Thüringen bei 480,6 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Die bundesweit höchste 7-Tage-Inzidenz hat dem RKI zufolge das Saarland mit 1058,1, gefolgt von Hessen (828,7) und Rheinland-Pfalz (752,0). Die niedrigste Inzidenz hat demnach Hamburg mit einem Wert von 303,0.

Sachsen

  • Hospitalisierungsrate*: 17,46 (+2,45 zur Vorwoche)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 99, davon 28 beatmet, 60 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 65,0 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 44,2 Prozent
  • 18-59 Jahre: 67,4 Prozent
  • 60+ Jahre: 84 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 50,4 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 16.139 ( +6 zu gestern)

Thüringen

  • Hospitalisierungsrate*: 19,3 (-0,38 zur Vorwoche)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 57, davon 15 beatmet, 52 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 71,5 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 54,2 Prozent
  • 18-59 Jahre: 75,2 Prozent
  • 60+ Jahre: 87,6 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 54 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 7.745 (+3 zu gestern)

Sachsen-Anhalt

  • Hospitalisierungsrate*: 17,66 (-1,01 zur Vorwoche)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 52, davon 26 beatmet, 39 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 74,0 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 53,1 Prozent
  • 18-59 Jahre: 78,1 Prozent
  • 60+ Jahre: 90,7 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 58,1 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 5.805 (+4 zu gestern)

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt, schreibt das RKI. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich ziehen, wurde nicht festgelegt. Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Hospitalisierungsrate, aktive Fälle: RKI | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Grimm-Benne fordert Maskenpflicht in Innenräumen in Sachsen-Anhalt

Um gegen die steigenden Coronazahlen anzukämpfen, forderte Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) eine Maskenpflicht für Innenräume, wie sie MDR SACHSEN-ANHALT am Dienstag sagte.

Zudem können Grimm-Benne zufolge bestimmte Einrichtungen, Geschäfte oder Unternehmen auch von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und dort – wo es angezeigt ist – zum Tragen einer Maske aufrufen. Die Ministerin hält außerdem ein bundeseinheitliches Vorgehen bei weiteren Schutzmaßnahmen für notwendig.

Möchten Sie eher keine Maske mehr tragen oder wünschen Sie sich wieder eine Maskenpflicht für Herbst und Winter? Antworten Sie gerne an corona-newsletter@mdr.de.

Wann gilt was?

Seit Oktober gelten die neuen Corona-Regeln der Bundesregierung für Herbst und Winter. Sie geben bundesweit eine FFP2-Maskenpflicht vor in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen sowie weiteren Einrichtungen des Gesundheitswesens und für Reisen im Fernverkehr. Die Bundesländer können darauf aufbauend anhand eines dreistufigen Plans weitere Maßnahmen beschließen.

 

Corona Stufenplan des Bundes
Die Bundesländer können zwei weitere Schutz-Stufen gegen Corona beschließen. Bildrechte: Bundesgesundheitsministerium

Mängel bei vielen FFP2-Masken

Wo wir schon beim Thema Maske sind: Stiftung Warentest hat zwölf Modelle von FFP2-Masken gestestet und verglichen. Das Ergebnis: Nur vier davon werden als empfehlenswert eingeschätzt. Sie können hier sehen, welche Masken getestet wurden.

Die anderen Masken im Test wiesen zum Teil deutliche Schwächen auf. Sei es, dass sie im Passformtest nicht immer dicht genug am Gesicht anlagen oder nur eine geringe Filterwirkung hatten. Oder, dass sie einen zu geringen Atemkomfort boten. Sprich: Beim Test mit einer künstlichen Lunge war der Atemwiderstand zu hoch, wie die Stiftung erklärt.

Dass eine Maske richtig sitzt, erkenne man zum Beispiel daran, dass sie sich beim Ausatmen aufbläht und beim Einatmen zusammenzieht, heißt es.

Zum Schluss

In diesem Sinne hoffe ich, dass Sie beim nächsten Kauf einer Maske auch eine aus dem Regal ziehen, die den Anforderungen entspricht und Sie gesund durch den Herbst bringt.

Herzliche Grüße

Maximilian Fürstenberg

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 20. Oktober 2022 | 16:00 Uhr

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