Alkohol-Atlas 2022 Krebsrisiko steigt durch Alkoholkonsum

12. September 2022, 07:46 Uhr

Tausende Menschen erkranken jährlich an Krebs, weil sie zu viel oder zu häufig Alkohol trinken. Das zeigt der nun vorgestellte Alkoholatlas 2022. Um die Zahlen zu reduzieren, fordern Experten unter anderem höhere Steuern und weniger Werbung für Alkohol.

Angesichts Tausender alkoholbedingter Krebsneuerkrankungen im Jahr appellieren Experten an die Politik, die Steuern für Alkohol zu erhöhen, das Abgabealter dafür anzuheben und die Werbung dafür einzuschränken. Schätzungen zufolge gingen im Jahr 2022 bundesweit über 20 000 Krebsneuerkrankungen und mehr als 8.000 Krebstodesfälle auf Alkoholkonsum zurück. Das zeigen die Ergebnisse des am Montag veröffentlichten Alkohol-Atlas.

Das Erkrankungsrisiko steigt dem Bericht zufolge mit zunehmender Menge und Häufigkeit der Aufnahme des Zellgifts. Bereits ein geringer Alkoholkonsum von bis zu 12,5 Gramm Alkohol pro Tag erhöht das Risiko für die Entstehung von Krebs in Mund und Rachen, der Speiseröhre und der weiblichen Brust. Ein Verbrauch von mehr als 50 Gramm Alkohol pro Tag erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, an Leber-, Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken. Zum Vergleich: 0,3 Liter Bier enthalten etwa 10 bis 12 Gramm Alkohol.

Die meisten durch Alkoholkonsum verursachten Todesfälle treten den Ergebnissen zufolge im Alter von 20 bis 50 Jahren auf.

Menschen mit höherem Bildungsniveau konsumieren mehr

Die vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) herausgegebene Studie zeigt auch, dass sozialer Status nicht vor übermäßigem Konsum schützt. Riskante Mengen von mindestens 10 Gramm Reinalkohol täglich konsumieren etwa 16 Prozent der Frauen mit höherer Bildung – mehr als doppelt so viele wie Frauen mit geringer Bildung. Bei den Männern liegen fast 18 Prozent der Gebildeten über dem für sie bedenklichen Konsum von 20 Gramm pro Tag, bei den wenig Gebildeten sind es nur knapp 12 Prozent.

Sachsen-Anhalt beklagt viele Alkoholtote

Auch bei der regionalen Verteilung der Erkrankungen gibt es Unterschiede. Von den im Jahr 2020 rund 14.200 an einer ausschließlich durch Alkoholkonsum bedingten Krankheit Verstorbenen kamen die meisten aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Am seltensten waren diese Todesfälle bei Frauen in Thüringen und Baden-Württemberg, bei Männern in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Belastungen durch Pandemie steigerten Alkoholkonsum

Im ersten Lockdown hatten einer Studie des Zentralinstituts und der Uniklinik Nürnberg zufolge 37 Prozent von über 2.000 befragten Erwachsenen einen höheren Alkoholkonsum angegeben als zuvor, 21 Prozent einen geringeren. Andere wiederum – die Geselligkeits- und Partytrinker – reduzierten ihren Konsum demnach im Mittel.

Suchtmediziner und ärztlicher Direktor Falk Kiefer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim kann das bestätigen. Es habe zwar weniger Gelegenheiten zum gemeinsamen Trinken gegeben, trotzdem sei der durchschnittliche Konsum im Vergleich zu den Jahren vor 2020 nicht wirklich weniger geworden, sagte Kiefer bereits Ende letzten Jahres.

Das Trinken habe sich nur aus der Öffentlichkeit in die privaten Räume verlagert und "Menschen, die ohnehin schon regelmäßig Alkohol zu Hause getrunken haben, zum Beispiel zum Vertreiben von Einsamkeit, Langeweile oder Sorgen, die trinken nun mehr", erklärt der Suchtmediziner. Einschränkungen und Isolation sowie weitere Stressfaktoren, zum Beispiel Mehrfachbelastungen durch Kinder im Home-Schooling oder Ehepartner im Home-Office, hätten bei vielen dazu geführt, mehr zu trinken.

dpa (amu)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. September 2022 | 19:00 Uhr

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