Wohnhaus im Rohbau
Viele Deutsche träumen vom eigenen Haus. Doch nicht für jeden wird dieser Traum Wirklichkeit. Bildrechte: IMAGO / Sven Simon

Haus bauen oder kaufen Eigenheim laut Studie günstiger als in den 90er Jahren

03. November 2023, 08:45 Uhr

Viele Deutsche träumen vom Eigenheim. Doch glaubt man der allgemeinen Berichterstattung können sich die meisten Menschen diesen Traum nicht leisten. Die Zinsen sind hoch, die Baupreise auch und Handwerker knapp. Trotzdem kommt eine Studie nun zu dem Ergebnis, dass der Erwerb eines Eigenheims auch heute noch für viele möglich wäre. Mehr noch: Er sei sogar günstiger als in den 1990er Jahren.

Ralf Geißler, Wirtschaftsredakteur
Bildrechte: MDR/Isabel Theis

Früher war alles besser. Die Brötchen waren knuspriger, die Äpfel fruchtiger und viel mehr Menschen konnten sich ein Eigenheim leisten. Das glauben viele. Doch es stimmt offenbar nicht. Ein Eigenheim sei heute sogar erschwinglicher als vor 40 Jahren, sagt Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln: "Gerade wenn man jetzt auf die Zinsen, die Preise und die Einkommen schaut, und das mal ins Verhältnis setzt, muss man einfach sagen: Früher war es dann tatsächlich noch schwieriger. Wir haben ja in den 70er, 80er Jahren teilweise Zeiten gehabt mit Zinssätzen von mehr als zehn Prozent."

Michael Voigtländer
Michael Voigtänder hält den Traum vom Eigenheim für viele Deutsche für möglich. Bildrechte: imago images / Jürgen Heinrich

Voigtländer hat einen Erschwinglichkeitsindex erstellt. Darin setzt er Hauspreise, Einkommen und Bauzinsen ins Verhältnis. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass die Hauspreise zwar stark gestiegen sind, die Einkommen aber noch stärker.

Die Bauzinsen bewegen sich Voigtländer zufolge noch immer auf mittlerem Niveau. "Also es ist erschwinglicher als in den 90er Jahren. Ich glaube, der Vergleichszeitpunkt ist so etwa Anfang der 2000er Jahre, auf dem Niveau sind wir jetzt", erklärt er.

Immer weniger Menschen kaufen und bauen ein Eigenheim

Trotzdem baut oder kauft kaum noch jemand ein Haus. Der Markt sei regelrecht eingebrochen, sagt Corinna Merzyn vom Verband privater Bauherren: "Einen derartig schnellen Stimmungsumschwung wie jetzt in den letzten Monaten hat es so weit ich zurückdenken kann in der ganzen Geschichte eigentlich noch nicht gegeben."

Doch woran liegt das, wenn nicht an der Unbezahlbarkeit des eigenen Häuschens? Für Merzyn gibt es mehrere Gründe. Sie sagt, der Erschwinglichkeitsindex für Eigenheime bilde einen Durchschnitt ab. In gefragten Metropolen sei das Eigenheim allerdings deutlich teurer geworden als auf dem Land.

Die Bauzinsen seien zwar nicht so hoch wie 1990, aber doch rasend schnell gestiegen. Daher seien viele Bauherren verunsichert. Es habe plötzlich viele Änderungen in den Rahmen- und Förderbedingungen gegeben. Es seien Zusagen gemacht worden für Fördergelder, die dann alle gewesen seien. Merzyn verweist auch auf "geänderte Rahmenbedingungen, die immer wieder angepasst wurden, was die Vorschriften energetischer Qualitäten angeht. Das alles hat für ein Klima gesorgt, was ganz stark von Verunsicherung auf Seiten der Bauherren geprägt ist."

Energie-Vorgaben verkomplizieren den Hausbau

Unterm Strich sei Bauen komplizierter geworden, findet auch Jakob Grimm vom Eigentümerverband Haus und Grund. Er sagt, früher habe man beim Bauen sparen können, wenn man einiges selber gemacht habe. Heute gehe das oft gar nicht mehr. "Den Fußboden kann ich mitunter vielleicht noch selbst verlegen. Aber wir haben heute deutlich höhere Anforderungen, die wir an die Gebäude stellen. Das ist zum einen im Hinblick auf den energetischen Zustand ganz klar. Das sind auch preissteigernde Faktoren. Generell haben wir ja auch immer mehr technische Finessen, die der Laie so nicht mehr umgesetzt kriegt."

Wirtschaftsexperte: Menschen haben andere Prioritäten als Eigenheim

Dass Bauen herausfordernd ist, sieht auch Michael Voigtländer so. Trotzdem bleibt der Autor des Erschwinglichkeitsindex bei der Einschätzung, dass ein Eigenheim heute so leistbar ist wie vor zwanzig Jahren. Dass weniger Menschen bauen, könnte auch mit anderen Prioritäten zu tun haben. Eltern oder Großeltern haben fürs eigene Haus noch auf Urlaub oder ein Auto verzichtet. Laut einer Studie des Kreditvermittlers Interhyp wollen sich heute aber immer weniger Menschen zur Finanzierung einer Immobilie einschränken.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL - Das Nachrichtenradio | 03. November 2023 | 06:20 Uhr

88 Kommentare

dimehl vor 16 Wochen

Ja, Jeder muss es nach seinen Möglichkeiten selbst entscheiden.
Wenn man die Entwicklungen hierzulande so betrachtet, ist es aber vielleicht auch eine gute Entscheidung, hierzulande kein Wohneigentum mehr zu erwerben und sich so zu binden.
Vielleicht eher in anderen Ländern, z. Bsp. in Polen.
Darüber hat auch der mdr in einer Sendung der Reihe umschau schon einmal berichtet.
(Natürlich nicht in der von mir angesprochenen Intention.)

ElBuffo vor 16 Wochen

Da hat aber auch längst hier im Osten längst die Unsitte um sich gegriffen, dass die Nachbarn sich von solchem Lärm belästigt fühlen und die Polizei rufen. Schließlich ist man extra wegen der Ruhe und Natur aus der Innenstadt raus.

hilflos vor 16 Wochen

Robert p. Die Zinsen auf Bausparvertrag waren 3% und das Darlehen daraus 5%. Allerdings kam noch die Abschlussgebuhr dazu. Das 936DM - Gesetz mit VL Zulage war ein schöner Teil der Finanzierung

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