Interview Kulturrat-Chef Zimmermann lehnt Klima-Protest an Kunstwerken ab

Klima-Protestaktionen an weltberühmten Gemälden sind aus Sicht des Geschäftsführers des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, der falsche Weg. Zimmermann sagte MDR AKTUELL, durch das Festkleben sei die Gefahr von Beschädigungen sehr groß. Es sei aber legitim, die Gesellschaft aufzurütteln. Zimmermann lud die Klimaschützer zu Diskussionen in Kultureinrichtungen ein.

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates sowie Sprecher Initiative Kulturelle Integration
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats. Zimmermann hat das Festkleben an Kunstwerken durch Mitglieder der Gruppe "Letzte Generation" kritisiert. Bildrechte: dpa

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, hält Klima-Aktionen an berühmten Kunstwerken für den falschen Weg. Zimmermann sagte MDR AKTUELL, er glaube, die Aktivisten befänden sich mit dem Festkleben an den Kunstwerken auf einem Irrweg: "Ich finde es wichtig, dass wir da sagen: Liebe Leute, das ist die falsche Aktionsform." Bilder seien in Museen besonders geschützt, weil sie so empfindlich seien.

Anliegen der Klimaschützer "legitim"

Zimmermann sagte, er halte das Ziel der Aktivisten, die Gesellschaft aufzurütteln, für legitim: "Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass im Klimaschutz mehr getan werden muss." Er könne auch die Verzweiflung der Klimaaktivisten verstehen. Die Aktionsform, sich an die Rahmen von weltberühmten Kunstwerken zu kleben, sei seiner Ansicht nach aber falsch.

Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass im Klimaschutz mehr getan werden muss.

Olaf Zimmermann Deutscher Kulturrat

Die Gefahr der Beschädigung von Kunstwerken sei "einfach riesengroß", gab Zimmermann zu bedenken. Zwar glaube auch er nicht, dass die Mitglieder der Gruppe "Letzte Generation" die Kunstwerke beschädigen wollten. Er befürchte allerdings Kollateralschäden beim Loslösen von den Bilderrahmen durch die Polizei: "Das Gefährden dieser Welterbe-Kunstwerke, das glaube ich, ist einfach der falsche Weg. Denn wir wollen ja eben alles schützen." Beim Thema Beschädigung sei eine Grenze erreicht.

Engel der Sixtinischen Madonna
Berühmtes Detail: Die Engel im Gemälde "Sixtinische Madonna" von Raffael. Bildrechte: dpa

Zimmermann: Politischer Effekt der Proteste zweifelhaft

Den politischen Effekt der Proteste an Kunstwerken schätzt Zimmermann als begrenzt ein. Er verwies auf Proteste, bei denen sich Mitglieder der Gruppe in Berlin auf die Stadtautobahn geklebt hätten: "Das hat politisch doch sehr große Aufregung erzeugt." Er sei sich nicht sicher, ob das Kleben an Bilderrahmen in Museen genau zur selben Aufregung führen werde.

Gleichzeitig sagte Zimmermann, er fände es "sehr gut", wenn die Aktivisten in Kultureinrichtungen diskutieren würden. Er denke, dass man dafür viele Orte schaffen könne. Der Kulturbereich sei, was das Thema Klimaschutz angehe, sehr offen: "Wir fühlen uns eher als verwandt mit der 'Letzten Generation' als ihre Gegner in dieser Frage." Letztlich gehe es darum, sowohl das Klima, als auch das Weltkulturerbe zu schützen.

Am Dienstag hatten sich zwei Klimaaktivisten in Dresden mit jeweils einer Hand an Raffaels "Sixtinischer Madonna" festgeklebt. Dabei wurde nach Angaben der Kunstsammlungen Dresden der Rahmen beschädigt, das Kunstwerk selbst aber nicht. Die beiden Aktivisten wollten mit der Aktion nach eigenen Angaben ein Zeichen gegen die Klimapolitik der Bundesregierung setzen.

MDR (jan)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 25. August 2022 | 13:00 Uhr

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