Protestaktion "Letzte Generation" verteidigt Klebe-Aktionen im Museum

Mitglieder von "Letzte Generation" hatten sich am Dienstag an den Rahmen der Sixtinischen Madonna in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden geklebt. Mit der Aktion wollten sie auf die Klimakrise aufmerksam machen. Können mit dieser Form des Protestes Ziele erreicht werden?

Zwei Umweltaktivisten der Gruppe "Letzte Generation" stehen in der Gemäldegalerie Alte Meister an dem Gemälde Sixtinische Madonna von Raffael.
Die Aktivisten mussten mit Lösungsmitteln befreit werden. Bildrechte: dpa

"Wir müssen jetzt Widerstand leisten! Kommen Sie raus! Wir sind festgeklebt. Hören Sie das nicht, das ist der Alarm!" Eine junge Frau und ein junger Mann mit weißen T-Shirts stehen mittig vor dem imposanten Gemälde Sixtinische Madonna in Dresden. Ein Herr vom Wachschutz reißt ihnen ihr Transparent aus den Händen mit der Aufschrift Letzte Generation.

Warum sich die Klimaaktivisten ausgerechnet an ein Gemälde kleben, erklären sie so: Alles, was uns Menschen wichtig sei, werde es durch die Klimakrise irgendwann nicht mehr geben – auch nicht Kunst und Kultur. Sprecherin Carla Hinrichs: "Das hat leider nicht gereicht, dass wir über Petitionen und Demonstrationen Schilder hochgehalten haben, sondern wir brauchen jetzt Aktionen, die wirklich stören. Die nicht ignorierbar sind. Wir machen das nicht, um gemocht zu werden von den Menschen, sondern um der Alarm zu sein."

SKD-Chefin Ackermann: Angst vor Nachahmung

In der Dresdner Gemäldegalerie müssen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt Gedanken machen, wie sie mit dem Fall umgehen. Sie hatten schon Anfang August entschieden, Wachpersonal nur für die Sixtinische Madonna einzusetzen – weil es in Florenz und London ähnliche Aktionen gegeben hatte.

Marion Ackermann ist die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlung Dresden. Sie sagte MDR Kultur: "Grundsätzlich haben wir da Verständnis für und wir sehen das Thema ganz oben in der Dringlichkeit. Trotzdem ist dieser Angriff auf ein Kunstwerk und wenn es nur der Rahmen ist, auch eine symbolische Form. Das kann auch Nachahmungstäter anlocken, die dann das nächste Mal das Bild angreifen und zerstören." Das fände Ackermann nicht in Ordnung.

Der Rahmen, sagt Ackermann, sei zum Glück ein neuer Rahmen gewesen – der Schaden deshalb klein. Die Aktivisten habe man mit Lösungsmitteln befreit.

Ermittlungen gegen die Aktivisten

Erreichen sie damit ihr Ziel? Michael Neuber ist Protestforscher an der TU Berlin und muss bei der Frage unterscheiden: "Ich gehe mal davon aus, dass das primäre Ziel mediale Aufmerksamkeit ist. Da scheint ein Ziel erreicht worden zu sein. Ein anderes Ziel, den Klimawandel auch als Krise zu behandeln, das ist natürlich ein sehr abstraktes und ferneres Ziel. Ob man jetzt Menschen davon überzeugt, die eine andere Idee von Klimapolitik haben als die Bewegung selbst, das ist natürlich fraglich."

Michael Neuber hält die "Letzte Generation" aktuell nicht für eine gefährliche Bewegung, Formen des zivilen Ungehorsams gebe es schon lange. Gegen die beiden Aktivisten hat die Polizei jetzt Ermittlungen aufgenommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 25. August 2022 | 06:00 Uhr

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