Trotz hoher Strompreise Mitteldeutsche Städte wollen nicht auf Weihnachtsbeleuchtung verzichten

Um Energie zu sparen, wird öffentliche Beleuchtung ausgeschaltet oder reduziert. Weihnachtsmärkte sind von der Regelung ausgeschlossen. Städte in Sachsen und Sachsen-Anhalt wollen auf ihre Adventsbeleuchtung auch nicht verzichten – sparen aber anderweitig Strom ein.

Beleuchtungsprobe auf dem fertig aufgebauten Striezelmarkt 2021
Beleuchtungsprobe auf dem fertig aufgebauten Dresdner Striezelmarkt 2021. Bildrechte: IMAGO / Sylvio Dittrich

Die Adventsbeleuchtung, über die jetzt schon diskutiert wird, scheint nicht in diese Zeit des Energiesparens zu passen. Thomas Oehme, Centermanager im Hauptbahnhof Leipzig, hält die Debatte um die Weihnachtsbeleuchtung für reine Symbolpolitik: "Also die Weihnachtsbeleuchtung im Hauptbahnhof macht 0,06 Prozent des Jahresstromverbrauches im Hauptbahnhof aus. Wenn ich das also jetzt einige Stunden ausschalte, wird das zu keinen nennenswerten Stromspareffekten führen."

Energieeinsparungen findet er wichtig. Da bereits LED-Lampen eingesetzt würden, gebe es bei der Beleuchtung aber kaum Einsparpotenziale.

Weihnachtsmarktstände größere Energiefresser

Dieser Ansicht ist auch Kai Schulz, Rathaussprecher in Dresden. Gerade auf Weihnachtsmärkten gebe es ganz andere Energiefresser. Schulz sagt: "Die großen Energieverbräuche auf Weihnachtsmärkten finden gar nicht durch die Beleuchtung statt, das ist halt nur das, was man sieht. Die großen Energieverbräuche sind in den Buden, nämlich das Erhitzen von Würstchen, das Erhitzen von Glühwein und all diese Dinge und die gehören natürlich zu einem Weihnachtsmarkt dazu."

Weihnachtsmärkte sind von der Energiesparverordnung ohnehin ausgenommen. Was aber für die weihnachtlichen Lichter außerhalb der Märkte gilt, darüber ist man sich in Dresden noch unsicher. "Wir haben die Verordnung so gelesen, dass eine solche Weihnachtsbeleuchtung durch die Bundesregierung eigentlich verboten ist. Diese Frage stellen sich momentan viele Städte und Gemeinden: Betrifft diese Energiesparverordnung auch die Schmuckbeleuchtung zu Weihnachten – oder tut sie es nicht?", fasst der Rathaussprecher zusammen.

Beleuchtung auf Öffnungszeiten angepasst

In Annaberg-Buchholz wird es das gewohnte Lichtermeer geben. Einsparungen nehme man aber trotzdem vor, sagt Sprecherin Annett Flämig: "Wir haben beschlossen, dass der Weihnachtsbaum und wahrscheinlich auch die Marktpyramide nur zu den Öffnungszeiten brennen wird." Normalerweise würde beides mit dem Startschuss für den Weihnachtsmarkt bis Maria Lichtmess brennen. "Das wird dieses Jahr anders sein."

Lichterwelt in Magdeburg
Lichterwelt in Magdeburg. Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter

In der Lichterwelt Magdeburg, die zusammen mit dem Weihnachtsmarkt weite Teile der Stadt mit Lichtfiguren schmückt, will man keine Abstriche machen. Über eine Million Lichter sollen die Stadt ab Mitte November erhellen. Der Geschäftsführer der Magdeburger Weihnachtsmärkte, Paul-Gerhard Stieger, argumentiert mit bereits vorgenommenen Sparmaßnahmen und Vorteilen für den Einzelhandel: "Wir haben ja schon die Lichterwelt extra mit sehr energiesparenden LED-Lampen bestellt, die verbraucht sehr wenig Strom. Und ich denke, wir haben in den letzten zwei Jahren alle erfahren, was es bedeutet, wenn gewisse Angebote nicht stattfinden können oder nicht stattfinden dürfen; was das auch mit der Bevölkerung macht." Man gehe davon aus, dass die Lichterwelt einen positiven Effekt auf den Innenstadthandel habe, der von Preissteigerung, Energiekostensteigerung und ähnlichem betroffen sei.

Licht als Hoffnungsträger

An eine positive Wirkung glaubt man auch in Annaberg-Buchholz. Sprecherin Annett Flämig betont, welche Symbolkraft Licht haben kann: "Wenn man jetzt zum Fest der Hoffnung auch noch das Licht ausschaltet, ist das sicherlich das ganz falsche Signal, was man dann sendet. Zu Corona wurde aufgerufen, über das ganze Jahr einen Schwibbogen oder irgendein Licht ins Fenster zu stellen, um Hoffnung zu geben. Wenn man das in dem Moment noch ausschaltet, dann wäre das wirklich falsch."

Besucher gehen am 04.12.2017 auf dem leicht verschneiten festlich beleuchteten Weihnachtsmarkt in Annaberg-Buchholz.
Weihnachtsmarkt Annaberg-Buchholz.(Archivbild) Bildrechte: imago/Uwe Meinhold

Nicht nur die Städte, auch Privathaushalte müssen entscheiden, wie viel ihnen ihre Adventsbeleuchtung wert ist. Ralf Müller aus Mügeln schmückt sein Haus seit etwa zehn Jahren mit Lichtern und bewegten Märchenszenen. Auch in diesem Jahr will er nicht auf die Dekoration verzichten.

Wenn man jetzt zum Fest der Hoffnung auch noch das Licht ausschaltet, ist das sicherlich das ganz falsche Signal.

Annett Flämig Stadtsprecherin von Annaberg-Buchholz

Nach anfänglichen Bedenken, wie die Reaktionen ausfallen könnten, haben Müller die vielen positiven Gespräche überzeugt: "Es kamen so viele Anfragen, dass wir sagen, wir schmücken wieder. Aber ein bisschen abgespeckt. Es wird nur bis halb neun gehen in der Woche und am Wochenende dann bis halb zehn. Und früh bleibt's ganz aus." Ein paar Einschränkungen gibt es also auch bei ihm. Auf die Frage nach den Energiekosten zeigt er sich jedoch gelassen. Müller sei in den letzten Jahren bei vielen seiner Lichterketten auf LED-Lichter umgestiegen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 18. September 2022 | 06:00 Uhr

52 Kommentare

DER Beobachter vor 19 Wochen

Machen wir genau so abgesehen vom Weihnachtsmarktstress und der sicher wieder Nonens-Sauffresserei der sich es wie gewohnt leisten Wollenden/Könnenden . Das wird weiterhin funktionieren auch ohne Ihren letzten Satz des Gewohnheitsbashings. Halt nur bissel teurer wie schon seit Jahren gewohnt. Bei uns steht traditionell aus beiden Familienvorfahren der Weihnachtsbaum erst am letzten Advent vor Weihnachten und verschwindet am 6.1. Besinnlichkeit findet man halt weder auf den Weihnachts- noch auf den Wintermärkten... Punkt...

Bernd_wb vor 19 Wochen

Seit dem Beginn von Corona ist das Leben eingeschränkt. Und Weihnachten ist die Zeit der Besinnlichkeit und ja der tolle Abschluss eines Jahres. Daher es ist so wichtig dass wieder einmal Weihnachtsmärkte stattfinden. Denn es ist ein Zeichen der Lebensfreude. Und ja ich werde auch meine Schwibbögen aufstellen, vielleicht nicht ganz so lang wie in den letzten Jahren leuchten lassen und auch nur bis zum 6. Januar, aber Weihnachten sollten wir oder müssen wir feiern denn es ist das Fest der Besinnlichkeit und des Friedens. Dass uns die linksgrünen Politiker das nicht gönnen sollten uns sagen gerade deshalb.

DER Beobachter vor 19 Wochen

Der Ölpreis fällt, die Lieferungen steigen wieder. Bloß Russland kommt auch hierin seinen Pflichten nicht nach. Deswegen ist ja die treuhänderische Verwaltung der Rosneft-Unternehmen wichtig. Machen andere Staaten ganz ohne RG auch.

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