Hörer machen Programm Wie umsetzbar ist Geo-Engineering?

Um den Klimawandel aufzuhalten, gibt es Forschungen zu Geo-Engineering, wodurch das Klima manipuliert werden könnte. Dabei könnten durch Flugzeuge, die Substanzen im Himmel versprühen, Sonnenstrahlen wegreflektiert werden, um die Erde abzukühlen. Diese Methode bietet viel Fläche für Verschwörungstheorien: MDR AKTUELL-Hörer Volker Mingram fragt sich, warum Menschen nicht über die Flüge zur Klima- und Wettersteuerung informiert werden und welche Gesundheitsbelastungen daraus resultieren könnten.

Kondensstreifen am Himmel
Eine Verschwörungstheorie geht davon aus, dass Kondensstreifen von Flugzeugen eigentlich sogenannte Chemtrails seien, die Chemikalien am Himmel wären, die nicht durch reguläre Flugzeuge verbreitet würden. Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

Eines gleich vorweg: Nein, es gibt sie nicht, die Flüge zum Ausbreiten reflektierender Substanzen. Weder in Deutschland noch sonst wo auf der Welt. Alle seriösen Experten bestätigen das. Ulrike Niemeier vom Max-Planck-Institut sagt dazu: "Kurze Antwort: Nein, diese Flüge gibt es nicht."

Auch Christopher Trisos, der für den UNO-Weltklimarat arbeitet, bestätigt, dass es die Flüge nicht gibt: "Nein, das wäre verrückt und außerdem extrem riskant." Und auch Dana Ruddigkeit vom Umweltbundesamt in Dessau sagt: "Ein kontinuierliches Ausbringen von Partikeln und Aerosolen zur gezielten Beeinflussung des Klimas gibt es bislang nicht."

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Kondensstreifen am Himmel 4 min
Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

Negative Auswirkungen durch Geo-Engineering

Dennoch wird – ausschließlich in Computermodellen – an Varianten des solaren Geo-Engineerings geforscht. Manche klingen nach Science Fiction, wie riesige Spiegel im All zu installieren. Manche klingen durchführbar, wie die, von der unser Hörer spricht. Flugzeuge würden Schwefeldioxid in der Stratosphäre versprühen, um ähnlich wie bei Vulkanausbrüchen, Sonnenstrahlen zu reflektieren.

Das kann funktionieren, sagt Ulrike Niemeier vom Max-Planck-Institut in Hamburg, aber: "Natürlich hat es Nebenwirkungen. Negative Auswirkungen sind, dass wir den durchschnittlichen Niederschlag auf der Erde verringern. Es würde bedeuten, dass wir keinen wirklich tiefblauen Himmel mehr haben, sondern er würde immer leicht milchig aussehen, was sicher auch psychische Auswirkungen haben könnte."

Auch der Aufwand wäre enorm: Um die Erde ein Grad abzukühlen, bräuchte es täglich weltweit 7.000 Flüge: Das haben japanische Forscher ausgerechnet. Der vielleicht wichtigste Grund, auf solares Geo-Engineering zu verzichten, ist aber ein politischer: Wer soll das kontrollieren? Ein Staat, eine Organisation? Wer auch immer dieses globale Thermostat in der Hand hielte, hätte Macht.

Zum Nachteil der armen Staaten des globalen Südens, erklärt Dana Ruddigkeit vom Umweltbundesamt. Ihre Behörde fordert daher ein internationales Nicht-Nutzungs-Abkommen: "Gerade die Länder des globalen Südens stehen vor enormen Herausforderungen. Diese könnten sich leicht an den Strohhalm einer schnellen Abkühlung klammern und die ungleichen Folgen für einzelne Länder könnten zu ganz neuen Regionen-Konflikten führen."

Mehr Forschung gefordert

Aus diesen Gründen rate auch der Weltklimarat der Vereinten Nationen davon ab, solares Geo-Engineering anzuwenden, sagt Christopher Trisos, der für den Weltklimarat arbeitet. Er stellt aber fest: Der Ruf nach mehr Forschung werde lauter. "Es gibt einige Regierungen – wie zum Beispiel die Vereinigten Staaten – die Interesse an einer Erhöhung der Forschungsförderung für solares Geo-Engineering gezeigt haben. Diese Programme sind sehr klein im Vergleich zu dem, was diese Regierungen für andere Forschungsprogramme zum Klimawandel ausgeben. Im Moment gibt es aus wissenschaftlicher Sicht keine Leute da draußen, die sagen, dass wir das tun müssen. Es gewinnt zunehmend an Interesse, je länger wir brauchen, um unsere Treibhausgasemissionen zu reduzieren."

Christopher Trisos, Ulrike Niemeier – viele Forscherinnen und Forscher fordern, solares Geo-Engineering besser zu erforschen. Denn falls doch irgendwann ein Staat allein vorprescht, wüsste man dann wenigstens besser Bescheid. Jedoch: Die Ursachen des Klimawandels würde solares Geo-Engineering auch dann nie beheben. Am wichtigsten, da sind sich alle Forscher einig, sei es noch immer, den CO2-Ausstoß zu verringern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 25. Juli 2022 | 08:26 Uhr

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