Entlastungspaket Kindergelderhöhung kommt bei vielen Alleinerziehenden nicht an

Ab dem 1. Januar soll sich das Kindergeld in Deutschland auf 250 Euro erhöhen. Doch Alleinerziehende, die überdurchschnittlich von Armut betroffen sind, profitieren von der Erhöhung nicht. Bei Alleinerziehenden, die Unterhaltsvorschuss bekommen, sinkt dieser Betrag um die Höhe des zusätzlichen Kindergeldes. Daran gibt es Kritik.

Eine Frau sitzt zusammen mit ihrem Sohn 2021 in Berlin an einem Laptop (gestellte Szene).
Die Hälfte aller Alleinerziehenden hat nicht mehr als 1.400 Euro im Monat zur Verfügung. Bildrechte: dpa

Beruf, Kind oder Kinder, Haushalt – all das müssen Alleinerziehende ohne Pause stemmen. Viele können deshalb nicht Vollzeit arbeiten und haben von vornherein weniger Geld in der Haushaltskasse. Eine kleine Stütze ist der Unterhaltsvorschuss. Der kommt vom Staat, wenn das andere Elternteil keinen Unterhalt zahlt. Jedoch ist das nur die Hälfte vom Mindestregelsatz – also knapp 180 Euro pro Monat und Kind.

Miriam Hoheisel ist Geschäftsführerin des Bundesverbandes alleinerziehende Väter und Mütter. Sie kann sich über die Kindergelderhöhung nicht freuen, denn: Bei Alleinerziehenden, deren Partner oder Partnerin keinen Unterhalt zahlt, kommt von der Erhöhung nichts an: "Bei Alleinerziehenden ist das grundlegende Problem, dass sich Leistungen gegenseitig kannibalisieren. Das Kindergeld steigt um 31 Euro, der Unterhaltsvorschuss sinkt um die 31 Euro, weil das Kindergeld dort angerechnet wird. Das heißt, unterm Strich bleibt nichts hängen – ich habe ein Nullsummenspiel", erklärt Hoheisel. Auch bei Hartz 4 wird das Kindergeld weiterhin gegengerechnet, sodass auch hier keine zusätzliche Entlastung greift.

Reform des Unterhaltsrechts kompliziert

Leni Breymaier sitzt für die SPD im Familienausschuss des Bundestages. Sie sagt: Viele Maßnahmen wie Einmalzahlungen oder Energiezuschläge kämen auch Alleinerziehenden zugute. Trotzdem verstehe sie den Unmut: "Das Problem ist, dass der Unterhaltsvorschuss durch eine Mischfinanzierung getragen wird und daher eine Reform nicht so einfach ist. Das kann weder der Bund noch die SPD alleine entscheiden. Da müssen die Länder mit am Tisch sein."

Es gebe keine klare Richtung, Gesetze und Regelungen blockierten sich gegenseitig, sagt Miriam Hoheisel. Manchmal habe sie das Gefühl, dass die Familienform der Alleinerziehenden nicht wirklich als Lebensform mitgedacht werde. Dabei gibt es in Deutschland offiziell 2,7 Millionen Alleinerziehende. Bei den Familien gehe es nicht nur darum, eine neue Winterjacke zu kaufen, sondern vielmehr um die Frage, wie der Kühlschrank am Ende des Monats gefüllt werden kann. "Deswegen fordern wir, das Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag zügig umzusetzen: eine Steuergutschrift für Alleinerziehende", sagt Hoheisel.

Denn die Hälfte aller Alleinerziehenden hat nur um die 1.400 Euro im Monat zur Verfügung – zu wenig, um zum Beispiel den Kinderfreibetrag geltend zu machen.

Kindergrundsicherung bis 2025 geplant

Nina Stahr von den Grünen sieht die Nöte. Noch sei nichts konkret, aber die Steuergutschrift sei auf dem Tisch. Akut werde gerade daran gearbeitet, im Zuge des Inflationsausgleichsgesetzes auch den Unterhaltsvorschuss zu erhöhen. Dass das Kindergeld nur zur Hälfte an den Unterhaltsvorschuss angerechnet wird, sei Teil des Grünen-Programms und werde auf die Agenda kommen: "Wir haben im Koalitionsvertrag verabredet, dass wir uns sehr grundlegend nochmal das Unterhaltsrecht angucken und modernisieren wollen, weil das an einigen Stellen nicht mehr den gesellschaftlichen Realitäten entspricht", sagt Stahr.

Nuckel und Geldscheine auf Antrag für Kinderzuschlag 4 min
Bildrechte: imago images/Andreas Gora

Doch perspektivisch setzen sowohl Nina Stahr von den Grünen als auch Leni Breymaier von der SPD alles auf die Kindergrundsicherung, die für alle Kinder gelten soll – ungeachtet ihrer Herkunft. Bis 2025 wird es wohl noch dauern. Bis dahin müssen Alleinerziehende darauf hoffen, dass die Politik sich mit ihnen beschäftigt und beantragen, was der Topf bereit hält – zum Beispiel den Kinderzuschlag.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 21. November 2022 | 06:00 Uhr

15 Kommentare

O.B. vor 1 Wochen

Anni22, schauen sie sich die Preisentwicklung der letzten Jahre an und dann die Lohnentwicklung im Vergleich. Genau hier liegt unser allgemeines Problem. Es müsste nicht ständig über Lohnerhöhung gesprochen werden würden mal die Preise stagnieren. Miete Strom Wasser Heizung Lebensmittel usw. alles deutlich teurer als vor 10 -20 Jahren. Da helfen auch keine 50€ mehr Kindergeld. Vor 10-15 Jahren kam man mit 1000-1200€ noch gut über die Runden. Heute klappert man mit 1500€ am hungertuch. Gerade heute gesehen. 400g hack 4,99€. Letztes Jahr waren es 2,99€ für 500g. Inflation bei 10,..% 🤔. Also Vergleiche dieser Art hinken doch gewaltig da wesentlich mehr dran ist und es ist nicht nur der Ukraine Krieg der hat nun nur einen kick gegeben. Von 30€ auf 95€ für Strom innerhalb von 20 Jahren. Eine allein erziehende steckt das Kindergeld in die Stromrate und ich denke nicht das das so gedacht war.

O.B. vor 1 Wochen

Ik2001, ich vermute doch das sie Kindergeld erhielten!? Aber davon abgesehen Respekt!
Eine Freundin von mir hat sich auch ans Jugendamt gewandt. Junior hat die Pubertät nicht so verkraftet und weder Schule noch Mami konnten ihn bändigen. Ich glaube es waren 6 Termine a' eine Stunde. Davon wurden vllt 30-40 min dem im Kinderzimmer sitzenden Kind gewidmet. Der Rest war Gespräch mit der Mutter als ob sie zu doof wäre. Null Qualifikation brachte die Frau mit. Es war einfach nur ein offenbar willkommenes Kaffeekränzchen. Junior hat sich mittlerweile wieder gefangen und nun kam in gemeinsamen Gesprächen raus das die Frau Junior erklärt das Mutti Stress hätte und er solle das nicht so eng sehen. Mutter für unfähig erklären und Sohn Recht geben für seine wutausbrüche. Wenn das keine Hilfe ist.

lk2001 vor 1 Wochen

Das wundert mich nicht. Ich war sehr lange Alleinerziehender Vater weil die Mutti andere Pläne hatte wie 3 Kinder groß zu ziehen. Man wurde behandelt wie als ob man ein wenig Dumm ist. Ich hatte nie Staatliche Leistungen außer den Unterhaltsvorschuss. Aber auch nur bis zum 12. LJ der Kinder. Ich musste Vollzeit arbeiten und die Kinder Versorgen. Hilfe vom Jugendamt ... vergiss es. Ab und zu war ich durchaus kurz vorm Durchdrehen. Dieses Land hat keine Kinder verdient ...

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