Importstopp von russischem Öl Schlaglöcher müssen gestopft werden, doch Bitumen ist knapp

Ein Grundstoff von Asphalt ist Bitumen und dieses wiederum wird aus Erdöl hergestellt. Wegen der Russland-Sanktionen ist das aber knapp. Welche Alternativen gibt es im Kampf gegen Schlaglöcher?

Bitumen
Winter werden durch Frost und Temperaturschwankungen immer wieder zum Stresstest für Straßenbeläge. Im Frühjahr zeigen sich dann besonders viele Schlaglöcher. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Frühjahr beginnt auch wieder die Bausaison auf Mitteldeutschlands Straßen. Ob Autobahn-Großbaustellen oder Schlagloch-Reparaturen – viel Asphalt wird für die Fahrbahnbeläge gebraucht. Doch das für die Herstellung nötige Bitumen, ein Erdöl-Produkt, wird knapp.

Bitumen durch Erdöl-Import-Stopp knapp

In den Raffinerien im brandenburgischen Schwedt und im sachsen-anhaltischen Leuna etwa wurden bisher ein Drittel des deutschen Bitumens produziert — vor allem für Ostdeutschland. Seit dem Import-Stopp für russisches Pipeline-Öl ist das vorbei. "Das russische Erdöl, das vornehmlich über die Druschba-Pipeline an die Raffinerien gelandet wurde, ist ein besonders schweres Öl und für die Bitumen-Herstellung besonders gut geeignet gewesen", sagt Marco Bokies, Geschäftsführer des Deutschen Asphaltverbands.

Schwedt und Leuna bekommen jetzt Öl per Tanker aus dem Nahen Osten. Das treibt die Logistikkosten hoch und das Bitumen lässt sich daraus auch gar nicht so leicht gewinnen wie aus dem russischen Erdöl. Auch wenn das Bitumen künftig aus im westlichen Deutschland gelegenen Raffinerien bezogen werde, sei der Aufwand "gewaltig", so Marco Bokies: "Es gibt ja keine Pipelines".

Bitumen sparen durch Asphalt-Recycling

"Bei Bitumen-Versorgungsproblemen gehen die Preise natürlich nach oben. Und diese Kosten müssen wir auch an unsere Kunden weiterleiten", sagt Tanguy Le Cosguig, Bereichsleiter vom Asphalt-Mischwerk in Sprotta bei Eilenburg in Sachsen. Doch bei der Straßensanierung wird auch jede Menge alter Asphalt weggefräst. Er könnte stärker als bisher recycelt werden.

In Sprotta wird das bereits ausprobiert. "Je mehr wir von diesem Ausbauasphalt in den Neuasphalt reinbringen, je weniger frischen Bitumen müssen wir dann einsetzen", sagt Betriebsleiter Tanguy Le Cosguig. Damit könnten auch wieder Kosten gespart werden.

Schlaglöcher schneller erkennen per App

Durch eine schnellere Reparatur der Schlaglöcher kann auch Material gespart werden. Um hier keine Zeit zu verschenken, setzt die thüringische Kleinstadt Schleusingen auf eine eigens dafür entwickelte App. Ein Mitarbeiter des städtischen Bauhofs fährt das gesamte Straßennetz regelmäßig ab. Mit der App wird dabei der Straßenzustand erfasst, erklärt Stefan Hopf: "Was wir hier nicht erkennen, erkennt das Gerät, wie zum Beispiel Querungen. Das waren alles mal Risse, die man so gar nicht erkennen würde."

Die Bilder werden dann direkt ins Bauamt übermittelt. Bauamtsleiter Toni Weiß hat damit immer den kompletten Überblick über das 170 Kilometer lange Straßennetz. Damit wird Bitumen gespart, aber auch Geld. "Wenn ich eine Straße sanieren kann, spare ich mir Kosten gegenüber einem grundhaften Ausbau. Eine Sanierung ist wirtschaftlicher und kostengünstiger", sagt der Bauamtsleiter.

MDR (cbr)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 28. März 2023 | 20:15 Uhr

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