Sonnenaufgang am Umspannwerk Wolmirstedt
Vom Umspannwerk Wolmirstedt aus soll der Süd-Ost-Link gebaut werden. Bildrechte: picture alliance / dpa-Zentralbild | Stephan Schulz

Stromleitungsbau Süd-Ost-Link soll ab 2027 Strom transportieren

01. November 2022, 15:17 Uhr

Bürgerinitiativen haben gegen die gigantische Stromleitung protestiert, die quer durch Deutschland gehen soll. Die "Monstertrasse" soll Windstrom aus dem Norden in den windärmeren Süden bringen. Dazu gehört der Süd-Ost-Link, der von der Magdeburger Börde über Ostthüringen ins bayerische Isar führen soll. 2027 soll nun endlich Strom transportiert werden.

Kaum jemand blickt gern auf Stromleitungen. Frank Golletz ist da eine Ausnahme. Das liegt am Beruf. Golletz ist Technikgeschäftsführer beim Stromnetzbetreiber 50 Hertz. Der gebürtige Leipziger verantwortet in Ostdeutschland die ganz langen Leitungen und damit auch den Bau des Süd-Ost-Links – jener Trasse, die Sachsen-Anhalts Windstrom nach Bayern bringen soll.

Der Stromnetzbetreiber habe die Korridor-Planung abgeschlossen, so Golletz: "Das heißt, wir haben einen ein Kilometer breiten Streifen von Magdeburg bis Isar bei Landshut, wo wir die Leitung jetzt hineinplanen können, um dann genau festlegen zu können, wo die Leitung lang geht. Wir wollen Mitte nächsten Jahres dann in das Planfeststellungsverfahren mit den ersten Abschnitten gehen."

Ursprünglich sollte der Süd-Ost-Link dieses Jahr fertig werden. Doch Proteste von Bürgerinitiativen haben die Trasse verzögert. 50 Hertz hat viel mit Betroffenen geredet, den Verlauf teilweise angepasst. Die Leitung soll nun in der Erde vergraben werden, Grundstücksbesitzer erhalten eine Entschädigung. Das hat viele Kritiker verstummen lassen.

Kritik am Bau der Stromleitung

Eine, die das Projekt noch immer kritisiert, ist Heike Thiele aus Zöschen: "Es sind genügend Infoveranstaltungen hier durchgeführt worden. Aber ich bin weiterhin dagegen, denn sie gehen auch durch Naturschutzgebiet und das finde ich nicht in Ordnung. Wir haben einen riesengroßen See, was mal ein Tagebau-Restloch war. Der ist geflutet, wo ein Haufen Vögel brüten, wieder Pflanzen wachsen, die man ewig nicht gesehen hat. Und die werden jetzt hier mit angegriffen".

Eine weitere Kritik lautet, die Leitung sei überdimensioniert. 50 Hertz bestreitet das. Und auch die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde sagt, der Süd-Ost-Link werde für eine stabile Versorgung in Süddeutschland gebraucht.

In die Kabelschächte solle sogar mehr gelegt werden als ursprünglich geplant, erzählt Frank Golletz von 50 Hertz: "Wir haben gesehen, dass Bayern noch mehr Strom braucht. Wir bauen nicht bloß zwei Kabel ein, sondern wir bauen gleich vier Kabel ein, weil es dann eine zweite Leitung geben wird. Die fängt in Schwerin an und geht bis nach Isar. Und wenn wir schon einmal den Graben aufmachen, dann legen wir gleich in den Abschnitt zwischen Magdeburg und Isar 4 Kabel nebeneinander hin."

Deutschlandweit rechnet die Bundesnetzagentur bis 2037 mit 12.300 Kilometern an neuen Übertragungsleitungen für Strom. Allein der Ausbau an Land wird mit 76 Milliarden Euro veranschlagt. Finanziert wird alles über das Netzentgelt, das Stromkunden bezahlen.

Fertigstellung bis 2027 geplant

Bleibt die Frage, wann der Süd-Ost-Link, der zu den wichtigsten Großvorhaben gehört, nun fertig wird. Ein paar Jahre dauere es noch, sagt Ulrike Platz, Sprecherin der Bundesnetzagentur. Derzeit sei geplant, dass der Süd-Ost-Link ab 2027 Strom transportiert. "Die Herausforderung bei diesen Gleichstromleitungen ist, dass diese Leitungen nicht abschnittsweise in Betrieb genommen werden können. Das heißt, erst wenn der Süd-Ost-Link vollständig fertig gebaut ist, kann er in Betrieb gehen", erklärt Platz.

Zur Eröffnung wird vielleicht auch Frank Golletz kommen. Nur sehen kann er dann nicht viel, weil der Süd-Ost-Link eingegraben wird. Es bleibt nur eine dezent begrünte Schneise. Das findet der Netzmanager, der von sich sagt, er gucke ganz gern auf Stromleitungen, tatsächlich ein bisschen schade.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 01. November 2022 | 06:00 Uhr

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