Ostern im Osten Magisches Ostern im Baltikum

Im Baltikum wird das Osterfest weniger als hoher kirchlicher Feiertag, sondern mehr als Frühlingsfest begangen. Die Frühlingssonnenwende steht dabei im Mittelpunkt. Mit alten Riten feiern die Balten das Wiedererwachen der Natur. Der Osterhase ist in den baltischen Staaten dagegen unbekannt.

Anti-Aging-Bräuche in Lettland

Folkloristischer Ostertanz
Im Baltikum wird Ostern eher als Frühlingsfest gefeiert. Die christliche Bedeutung steht im Hintergrund. Bildrechte: IMAGO

Weitaus stärker als in Deutschland übt in Lettland die Magie Einfluss auf die landestypischen Osterbräuche aus. Das "Osterschaukeln" auf dem Dorfplatz soll vor unliebsamen Mückenstichen im kommenden Sommer schützen. Auch das Vieh bleibt dank des Schaukelns gesund und die Ackerfrüchte gedeihen prächtiger. Dafür werden große Holzschaukeln, die einer kleinen Schiffschaukel ähneln, extra aufgebaut. In der Schaukel finden etwa vier Menschen gleichzeitig Platz.

Für das Anschubsen der Osterschaukeln bekommen Jungen von den Mädchen Gebäck und gefärbte Eier geschenkt. Damit dieser Brauch seine magische Wirkung entfalten kann und sich keine bösen Hexen des Gerüsts bemächtigen, müssen die Schaukeln nach Ostern verbrannt werden. Ein ähnlicher Brauch des Frühlingsschaukelns findet sich auch im benachbarten Estland.

Zu einem "echten" lettischen Osterfest gehören außerdem traditionelle Volkstänze und das gemeinsame Singen von Volksliedern zwingend dazu. Weniger praktiziert wird in Lettland heutzutage ein Brauch, dem ein "Anti-Aging-Effekt" nachgesagt wird: Wer sich an den Ostertagen das Gesicht vor Sonnenaufgang in einem Bach wäscht, der von Westen nach Osten fließt, bleibt jung und schön, so der Volksglaube. Zusätzlich bleibt der sich Waschende das ganze Jahr über fröhlich und bekommt im Sommer angeblich keinen Sonnenbrand.

Russische Leckereien in Estland

russischer Osterquark
"Pascha" Bildrechte: IMAGO

Ostern hat auf Estnisch viele Namen: als Eierfest ("Munapühad"), Frühlingsfest ("Kevadpühad"), Schaukelfest ("Kiigepühad") oder Fleischfest ("Lihavõttepüha"). Schon in den Bezeichnungen ist ersichtlich, dass die Esten vorrangig die Ankunft der helleren und wärmeren Jahreszeit feiern. Und dass dabei ausgiebig geschlemmt wird.
Das traditionelle estnische Osteressen ist von der russischen Küche beeinflusst. Das beliebteste Dessert ist "Pascha", der "russische Osterquark": Zubereitet wird er aus abgetropftem Hüttenkäse oder Quark, Butter, Zucker, Rosinen, Mandeln, Zitronat oder kandierten Früchten.

Eiertitschen in Litauen

Zwei Menschen schlagen Ostereier gegeneinander.
Eiertitschen Bildrechte: dpa

Kunsthandwerk und traditionelle Kinderspiele stehen im Baltikum zu Ostern hoch im Kurs. Die Eier werden in trockene Zwiebelhäute eingewickelt und gekocht. Das Eiertitschen ist ein alter Osterbrauch, der in vielen Ländern, von Schweden, über Deutschland bis nach Russland reicht. In Litauen wie auch in Estland ist er sehr beliebt. Jeder nimmt sein hartgekochtes Ei und versucht, die Eierschale des Gegners zu zerschlagen, ohne dabei sein eigenes Ei zu zerbrechen. Das stabilste Ei gewinnt und wird nicht gegessen. Böse Zungen behaupten, dass zuweilen Gips-Eier im Spiel sein sollen …

Nach dem Titschen wird fürstlich gespeist. Auf den Tisch kommen Lebensmittel, die in der Fastenzeit verboten sind: Fleisch und Milch, also reichlich Schweinskopf, Spanferkel, Schinken, Wurst und Käse. Getrunken werden Bier, Kwaß, Ahorn- und Birkensaft.

Über dieses Verhalten berichtete der MDR auch im TV: MDR Aktuell | 27.03.2016 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2019, 16:05 Uhr