Demonstration Handwerker protestieren in Dessau-Roßlau gegen Russland-Sanktionen

Die Dessauer Kreishandwerkerschaft will ihre Protestaktionen gegen die Russland-Sanktionen fortsetzen. Etwa 2.000 Menschen waren am Wochenende in Dessau-Roßlau zu einer Demonstration zusammengekommen. Aufgerufen hatte dazu die Kreishandwerkerschaft Dessau-Roßlau. Schon im Juli hatte sie in offenen Briefen Waffenlieferungen an die Ukraine abgelehnt und ein Ende des Öl-Embargos gegen Russland gefordert.

In einer Menschenmenge halten Menschen Plakate hoch.
Demo in Dessau-Roßlau: Die Handwerker fordern ein Ende der Sanktionen gegen Russland. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/Martin Krause

Handwerker für den Frieden – unter diesem Motto stand am Sonntag eine Kundgebung in Dessau. Aufgerufen hatte dazu die Dessauer Kreishandwerkerschaft. Gut 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich auf dem Dessauer Marktplatz versammelt. Darunter waren viele Menschen in Handwerker-Kleidung, ältere Leute, Familien mit Kindern, aber auch Teilnehmende von Montagsdemonstrationen und AfD-Anhänger.

Auf der Demonstration kritisierte der Dessauer Kreishandwerksmeister Karl Krökel die Russland-Sanktionen der Bundesregierung. Sie würden der deutschen Bevölkerung und Wirtschaft zu sehr schaden. In Dessau-Roßlau gibt es 850 Handwerksbetriebe mit etwa 5.000 Beschäftigten. Laut Krökel gefährden die aktuellen Russland-Sanktionen die Existenz vieler Handwerksbetriebe. Krökel sagt: "Es geht gerade schon los mit einzelnen Betriebsschließungen, das trifft vor allem die Bäckereien sehr stark gerade. Das wird aber alle Branchen betreffen, selbst die, wo das Gas nicht so eine große Rolle spielt."

Es geht gerade schon los mit einzelnen Betriebsschließungen, das trifft vor allem die Bäckereien sehr stark gerade. Das wird aber alle Branchen betreffen, selbst die, wo das Gas nicht so eine große Rolle spielt.

Karl Krökel Dessauer Kreishandwerksmeister

Im Handwerk spüre man die aktuellen Probleme unter anderem auch bei Verzögerungen bei der Lieferung von Ersatzteilen. Auch einige der Teilnehmenden erzählten von Problemen im Handwerksgeschäft. "Wir haben derzeit eine Preissteigerung seit Anfang des Jahres zwischen 50 und 70 Prozent, Farbe, Tapete – wie soll ich das meinen Kunden noch verkaufen?", sagte einer der Teilnehmer MDR SACHSEN-ANHALT. "Die Kunden sind sauer, Kundenaufträge brechen weg, keiner hat mehr Geld – schlimm", sagt ein anderer.

Eine Menschenmenge auf einem Platz
Bei der Demonstration waren etwa 2.000 Menschen zusammengekommen. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/Martin Krause

Uneinigkeit innerhalb des Handwerks

Im Juli hatte die Kreishandwerkerschaft Dessau-Rosslau in offenen Briefen Waffenlieferungen an die Ukraine abgelehnt und ein Ende des Öl-Embargos gegen Russland gefordert. Die Kreishandwerkerschaft Halle-Saalekreis hatte einen ähnlichen offenen Brief geschrieben. Allerdings ist man sich im Handwerk in Deutschland nicht einig. Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, hatte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa die Sanktionspolitik der Bundesregierung ausdrücklich unterstützt.

Die Kreishandwerkerschaft Dessau-Roßlau will die Protestaktionen fortsetzen. Unter anderem will sie sich an einer großen Protestaktion am 1. Oktober in Berlin beteiligen. Dabei distanziert sich die Kreishandwerkerschaft von der Zusammenarbeit mit Parteien, wie Karl Krökel MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte: "Wir haben das nicht mit Parteien vorbereitet und haben das auch zukünftig nicht vor. Wir als Handwerker setzen unsere Themen, vor allem wirtschaftlicher Art, und ziehen das auch durch." Bei der Kommunalwahl 2014 in Dessau hatte Krökel für die AfD kandidiert.

Am Montag erklärte Krökel in der MDR-Sendung FAKT IST!, noch weitere Schritte gehen zu wollen. Man wolle sich die Sanktionspolitik nicht mehr gefallen lassen.

Anmerkung der Redaktion: Die Kandidatur von Karl Krökel für die AfD hat die Redaktion am 30. August 2022 ergänzt.

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MDR (Martin Krause, Alisa Sonntag, André Damm) | Erstmals veröffentlicht am 28.08.2022

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. August 2022 | 16:00 Uhr

104 Kommentare

DER Beobachter vor 4 Wochen

In der Vorkriegsgesamtabnahmequote vllt. nicht, aber in der ich nenne es mal Pro-Kopf-Abhängigkeit waren mindestens die osteuropäischen Länder und auch F viel stärker betroffen. Worauf ich hinaus will: es gibt offenbar Wege, wenn man will, und diese Wege werden von den Bürgern in anderen Staaten trotz (vorübergehender) Einbußen auch unterstützt bzw. eingefordert. Ich konterkariere mal einen gerade beliebten Szenespruch, indem ich ihn etwas abgewandelt zitiere: Die ganze Welt lacht über (Ost)Deutschland...

Thommi Tulpe vor 4 Wochen

Ich sage es mal so: Der Unternehmer muss "einfach" nur damit drohen, sein Unternehmen zu schließen oder dieses ins Ausland zu verlagern, so ihm hier die Produktion nicht gewinnbringend genug ist. Irgendwie hilft einem solchen Unternehmer spätestens ein FDP-Finanzminister.
Lucie und Otto Normalverbraucher sind nicht in der Lage, mit Verlagerung ihres Wohnsitzes zu drohen.
Den Teilnehmern dieser Demo wird sicher im Kürze ein Orden aus Moskau zukommen!?

THOMAS H vor 4 Wochen

W.Merseburger: ",... dass es im Jahre 2022 einfach nicht geht, mit dem Panzer ins Nachbarland zu "fahren", um es ohne Grund zu zerstören." und "Der Aggressor Putin-Russland muss in die Schranken gewiesen werden, auch mit harten Sanktionen."
Hoffentlich schreiben Sie die gleichen Zeilen auch, wenn Deutschland sich an den nächsten Kriegen der USA gegen andere Staaten beteiligt, wobei ich ausdrücklich klarstellen möchte, das ich die Kriegsführung Russlands gegen die Ukraine verurteile, aber die Sanktionen bringen eben das Leben in Deutschland mehr ins Wanken, als was sie nützen.
Aber der Aggressor USA ist ja Deutschlands Freund und da kann ja mit zweierlei Maß gemessen werden.

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