Einschulungsuntersuchung Mehr als ein Drittel der Kinder in Sachsen-Anhalt hat Entwicklungsdefizite

Rund 38 Prozent der Kinder, die in diesem Jahr in Sachsen-Anhalt eingeschult werden, haben bei der Schuleingangsuntersuchung Defizite gezeigt. Das ist viel – allerdings lag der Wert in den vergangenen drei Jahren noch etwas höher. Womöglich hat die Betreuung von Kindern in Familien dafür gesorgt, dass die Schließung von Kitas während Corona nicht allzu sehr ins Gewicht fällt.

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Bei den Schuleingangsuntersuchungen hatten mehr als ein Drittel der Kinder in Sachsen-Anhalt Defizite. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

In Sachsen-Anhalt zeigen mehr als ein Drittel der Kinder, die in diesem Jahr eingeschult werden, mindestens ein Defizit in der Entwicklung. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Schuleingangsuntersuchungen. Nach Zahlen des Landesamtes für Verbraucherschutz, die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegen, wurden Defizite am häufigsten bei der Artikulation, der Grammatik und der Feinmotorik der Kinder diagnostiziert. Bei 37,7 Prozent der Vorschülerinnen und Vorschüler wurde demnach mindestens ein Defizit festgestellt. Insgesamt wurden landesweit mehr als 12.000 Kinder nach dem sogenannten standardisierten Entwicklungsscreening untersucht.

Zum Vergleich: Im Einschulungsjahrgang 2021 hatten 38,4 Prozent der Kinder mindestens ein Defizit bei den Einschulungsuntersuchungen gezeigt. Beim Jahrgang 2020, der noch vor der Corona-Pandemie untersucht wurde, waren es sogar 38,8 Prozent. Beim Einschulungsjahrgang 2016 lag der Anteil der Kinder mit mindestens einem Entwicklungsdefizit bei 34,1 Prozent.

Ein Erstklässler lernt schreiben
In Sachsen-Anhalt sind in diesem Jahr 12.000 Kinder untersucht worden. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / U. J. Alexander

Wachsende Defizite auch schon vor Corona

"Die Häufigkeit von Entwicklungsdefiziten bei einzuschulenden Kindern hat schon in den Jahren vor Corona kontinuierlich zugenommen, vor allem bei Sprachdefiziten", schreibt das Landesamt für Verbraucherschutz auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT.

Weiter heißt es in dem Antwortschreiben: "Dass die Häufigkeit defizitärer Testergebnisse beim Entwicklungsscreening der Schuleingangsuntersuchungen in Sachsen-Anhalt in den ersten beiden Corona-Jahren gegenüber dem Vor-Corona-Trend nicht erkennbar erhöht waren, ist zunächst überraschend und deckt sich nicht mit anderen nationalen und internationalen Berichten zum negativen Einfluss von Kitaschließungen, Schulschließungen und allgemeinen Kontaktbeschränkungen auf die kindliche Entwicklung und Gesundheit."

Es müsse jedoch berücksichtigt werden, dass das Entwicklungsscreening vor allem dazu diene, sehr deutliche Auffälligkeiten festzustellen. Mögliche Verschlechterungen des Entwicklungsstandes bei "nicht deutlich auffälligen" Kindern könnten dabei nicht gemessen werden.

Kompensieren alternative Angebote Kita-Schließungen?

Zudem seien Motivation und Aufmerksamkeit der Kinder bei den Schuleingangsuntersuchungen während der Pandemie deutlich höher gewesen als in den Vor-Corona-Jahren, hätten Kinderärztinnen und Kinderärzte berichtet. Die Behörde schlussfolgert, dass dadurch mögliche, durch die Corona- Eindämmungsmaßnahmen verursachte Verzögerungen in der Entwicklung, möglicherweise überkompensiert worden seien.

Das Landesamt für Verbraucherschutz zieht auch in Erwägung, dass alternative Angebote während der Kitaschließungen, etwa durch elektronische Medien, und möglicherweise vermehrter sprachlicher und spielerischer Austausch mit Familienangehörigen, fehlende Anregungen aus der Kita zumindest für eine gewisse Zeit kompensieren könnten.

Untersuchungen vor Einschulung sind vorgeschrieben

Die Einschulungsuntersuchungen sind gesetzlich vorgeschrieben. Jedes Kind wird dabei von einem Arzt oder einer Ärztin körperlich untersucht, außerdem werden ein Seh- und Hörtest sowie Tests zur Sprache, Motorik und zum Wissenstand der Kinder durchgeführt, um den Entwicklungsstand einschätzen zu können.

Mehr zum Thema: Einschulung

MDR (Lucas Riemer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 27. August 2022 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

geradeaus vor 6 Wochen

Zum Glück las ich eben meinen Beitrag nochmal lol. Ein epischer Denkfehler meinerseits. Natürlich sollte es heißen bei Ungleichheit als und bei Gleichheit wie. Wie peinlich ist das denn...Kopfschüttel

Erichs Rache vor 6 Wochen

@Basil Disco

Sehr gut. Vielen Dank dafür.

Anmerken darf ich aber auch, dass "die Familie" immer noch die "Keimzelle der Gesellschaft" ist und sich Eltern deshalb keinen "leichten Schuh" machen und die Verantwortung für die Erziehung ihrer Sprößlinge nicht auf andere abschieben können.

geradeaus vor 6 Wochen

Wie es -Fachpersonal- nach ihnen erwähnt hat, ist die fehlende Kompetenz des Personals der Kitas doch erheblich. Und was sie mit alswie ansprechen. Oh ja, das geht mir auch ziemlich auf die Nerven wenn das Menschen falsch benutzen. Natürlich ist es das ALS das Probleme macht. Das WIE passt halt wesentlich besser ins ALS als umgedreht. Mein Opa hat mir früher gesagt, da war ich glaube ~6 Jahre alt, bei Gleichheit als und bei Ungleichheit wie. Außer bei einer Vervielfachung, dann sagt man dennoch wie ^^.

Übrigens bemerke ich die alswie-Schwäche vor allem bei älteren Menschen. Sagen wir Baujahr 1975 und teils älter. Auch gutverdienende sind dabei.

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