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Mit einer Resolution soll der weltweit einmalige Gipskarst im Südharz erhalten bleiben. Mehr dazu auch im Audio. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / Köhn
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MDR SACHSEN-ANHALT Di 01.10.2024 08:37Uhr 00:31 min

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Resolution und Stellungnahme Gipsabbau im Südharz: Umweltschützer sehen Welterbe in Gefahr

12. Oktober 2024, 16:41 Uhr

Umweltschützer sprechen sich gegen mögliche Gips-Probebohrungen im Biosphärenreservat Südharz aus. Beim Landkreis Mansfeld-Südharz wurde deshalb eine umfangreiche Stellungnahme eingereicht. Zuvor hatten sich bereits internationale Forscher in einer Resolution für den Schutz des Gipskarst im Südharz ausgesprochen. Das Unternehmen, das die Probebohrungen durchführen lassen will, argumentiert dagegen, dass Gips als Rohstoff dringend benötigt werde, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher befürchtet die schleichende Zerstörung des Biosphärenreservats Karstlandschaft Südharz in Sachsen-Anhalt. Der Verband kritisiert vor allem die beabsichtigten Probebohrungen in dem Schutzgebiet. So habe ein Unternehmen der Gipsbranche insgesamt acht Probebohrungen beantragt, um das Gipsvorkommen bei Questenberg in der Gemeinde Südharz zu erkunden. Die Genehmigung dafür, so die Befürchtung des Verbandes, könnte demnächst durch den Landkreis Mansfeld-Südharz erteilt werden.

Verband will Probebohrungen verhindern

Der Verband will die Probebohrungen verhindern und hat zu diesem Zweck eine Resolution verfasst. Sie sei an die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, den Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt und den Landrat des Landkreises Mansfeld-Südharz verschickt worden.

Blick auf den Steinbruch Lichtenstein im niedersächsischen Teil des Südharzes.
Blick auf einen Steinbruch zum Gipsabbau im niedersächsischen Teil des Südharzes. Die Harzer Gipskarstlandschaft ist von seltenen Erdformationen und Artenreichtum geprägt. Umweltschützer wollen die Region deshalb schützen. (Archivbild 2022) Bildrechte: picture alliance/dpa | Swen Pförtner

In der Resolution spricht sich der Verband für den "konsequenten Schutz des Biosphärenreservats Karstlandschaft Südharz in Sachsen-Anhalt aus und lehnt die geplanten Probebohrungen in den Schutzgebieten vehement ab, da sie der Vorbereitung des Gipsabbaus und damit der Zerstörung der Schutzgebiete dienen".

Weltweit einmaliger Naturraum

Die Gipskarstlandschaft des Südharzes gilt als ein weltweit einmaliger Naturraum, der sich über rund 100 Kilometer und auf Teile von Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Thüringen erstreckt. "Zahlreiche FFH-Gebiete, aber auch viele Steinbrüche, die bereits große Teile der Landschaft zerstört haben, prägen den Gipskarst im Südharz", so der Verband weiter.

Unter FFH (Flora-Fauna-Habitat) versteht man ein Gebiet, das unter besonderem Natur- und Landschaftsschutz steht. Sachsen-Anhalt sei das einzige Bundesland, in dem der Gipskarst noch vollständig erhalten sei, schreiben die Experten weiter. "Dieses Gebiet wurde daher konsequenterweise als 'Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz' ausgewiesen – es ist das bisher weltweit einzige nennenswerte Biosphärenreservat im Sulfatkarst der Welt!"

Umweltschützer wenden sich an Landkreis

In einer umfangreichen Stellungnahme an den Landkreis Mansfeld-Südharz haben sich die Umweltschützer gegen mögliche Gips-Probebohrungen im Biosphärenreservat Südharz ausgesprochen. Das teilte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit. Der Südharz sei weltweit der einzige Gipskarst, der reich bewaldet ist, begründet Friedhart Knolle vom BUND aus Niedersachsen die Haltung der Umweltverbände. Stattdessen fordert der Umweltschutzverband, Gipsrecycling zu fördern. Mittel aus dem Strukturwandel könnten dafür eingesetzt werden, innovative Leichtbauplatten aus Recyclingbaustoffen wie Lehm, Holz oder Stroh zu produzieren. 

Friedhart Knolle
"Verschwindet der Gips, verschwindet mit den Bio- und Geotopen dieses Gebiets ein Welterbe!", sagt Friedhart Knolle vom BUND. Bildrechte: picture alliance/dpa/Swen Pförtner

Baustoffunternehmen hat Probebohrungen beantragt

Ein Baustoffunternehmen aus dem Südharz hat nach eigenen Angaben bereits im August einen Antrag auf Probebohrungen beim Landkreis Mansfeld-Südharz gestellt. Das Unternehmen setze damit die politischen Ziele der Landesregierung um. In ihrem Koalitionsvertrag einigte sich die schwarz-rot-gelbe Koalition darauf, Gips-Lagerstätten in Sachsen-Anhalt zu sichern sowie deren umweltverträgliche Gewinnung zu ermöglichen. Das Unternehmen argumentiert weiter, dass Gips als Rohstoff knapp zu werden drohe. Er werde aber dringend benötigt, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. 

Blick auf den Steinbruch Lichtenstein im niedersächsischen Teil des Südharzes.
Die Gipsindustrie, die im Steinbruch in Lichtenstein im niedersächsischen Teil des Südharzes das weiche Gestein abbaut, würde ihre Abbauflächen gern vergrößern. (Archivbild 2022) Bildrechte: picture alliance/dpa | Swen Pförtner

Der Landkreis Mansfeld-Südharz teilte mit, dass über den Antrag auf Probebohrungen noch nicht entschieden sei. Die Unterlagen und Stellungnahmen würden zunächst geprüft. Die Karstlandschaft Südharz ist eine von 17 Biosphärenreservaten in Deutschland, zu denen unter anderem auch das Wattenmeer und der Thüringer Wald zählen.

 

dpa, MDR (Stephan Schulz, Mario Köhne), zuerst veröffentlicht am 01.10.2024

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 01. Oktober 2024 | 08:30 Uhr

1 Kommentar

dieja vor 26 Wochen

Der Gipsbedarf ist groß. Es sollte hier auch die Frage beantwortet werden, wo soll der Gips dann herkommen, wenn der Abbau hier nicht stattfindet. Gibt es in Deutschland weniger schützenswerte Abbaugebiete, reicht der in der Industrie anfallende Gips aus oder beziehen wir diesen dann aus dem Ausland. Wenn der Gips aus dem Ausland kommt, werden dann dort genauso wertvolle Naturräume zerstört? Nur auf dieser Grundlage kann man entscheiden, was richtig ist.

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