Resolution und Stellungnahme Gipsabbau im Südharz: Umweltschützer sehen Welterbe in Gefahr
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12. Oktober 2024, 16:41 Uhr
Umweltschützer sprechen sich gegen mögliche Gips-Probebohrungen im Biosphärenreservat Südharz aus. Beim Landkreis Mansfeld-Südharz wurde deshalb eine umfangreiche Stellungnahme eingereicht. Zuvor hatten sich bereits internationale Forscher in einer Resolution für den Schutz des Gipskarst im Südharz ausgesprochen. Das Unternehmen, das die Probebohrungen durchführen lassen will, argumentiert dagegen, dass Gips als Rohstoff dringend benötigt werde, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
- Forscher kritisieren, dass mit Probebohrungen nach Gips im Südharz gesucht werden soll. Sie sehen den Gipskarst gefährdet.
- Die Experten haben dazu eine Resolution verfasst, die die weltweit einzigartige Landschaft retten soll.
- Sachsen-Anhalt gilt als einziges Bundesland, in dem der Gipskarst noch vollständig erhalten ist. Woanders zerstörten zum Beispiel viele Steinbrüche die Landschaft.
- Den Antrag für die Probebohrungen hat ein Baustoffunternehmen aus dem Südharz gestellt.
Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher befürchtet die schleichende Zerstörung des Biosphärenreservats Karstlandschaft Südharz in Sachsen-Anhalt. Der Verband kritisiert vor allem die beabsichtigten Probebohrungen in dem Schutzgebiet. So habe ein Unternehmen der Gipsbranche insgesamt acht Probebohrungen beantragt, um das Gipsvorkommen bei Questenberg in der Gemeinde Südharz zu erkunden. Die Genehmigung dafür, so die Befürchtung des Verbandes, könnte demnächst durch den Landkreis Mansfeld-Südharz erteilt werden.
Verband will Probebohrungen verhindern
Der Verband will die Probebohrungen verhindern und hat zu diesem Zweck eine Resolution verfasst. Sie sei an die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, den Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt und den Landrat des Landkreises Mansfeld-Südharz verschickt worden.
In der Resolution spricht sich der Verband für den "konsequenten Schutz des Biosphärenreservats Karstlandschaft Südharz in Sachsen-Anhalt aus und lehnt die geplanten Probebohrungen in den Schutzgebieten vehement ab, da sie der Vorbereitung des Gipsabbaus und damit der Zerstörung der Schutzgebiete dienen".
Weltweit einmaliger Naturraum
Die Gipskarstlandschaft des Südharzes gilt als ein weltweit einmaliger Naturraum, der sich über rund 100 Kilometer und auf Teile von Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Thüringen erstreckt. "Zahlreiche FFH-Gebiete, aber auch viele Steinbrüche, die bereits große Teile der Landschaft zerstört haben, prägen den Gipskarst im Südharz", so der Verband weiter.
Unter FFH (Flora-Fauna-Habitat) versteht man ein Gebiet, das unter besonderem Natur- und Landschaftsschutz steht. Sachsen-Anhalt sei das einzige Bundesland, in dem der Gipskarst noch vollständig erhalten sei, schreiben die Experten weiter. "Dieses Gebiet wurde daher konsequenterweise als 'Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz' ausgewiesen – es ist das bisher weltweit einzige nennenswerte Biosphärenreservat im Sulfatkarst der Welt!"
Umweltschützer wenden sich an Landkreis
In einer umfangreichen Stellungnahme an den Landkreis Mansfeld-Südharz haben sich die Umweltschützer gegen mögliche Gips-Probebohrungen im Biosphärenreservat Südharz ausgesprochen. Das teilte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit. Der Südharz sei weltweit der einzige Gipskarst, der reich bewaldet ist, begründet Friedhart Knolle vom BUND aus Niedersachsen die Haltung der Umweltverbände. Stattdessen fordert der Umweltschutzverband, Gipsrecycling zu fördern. Mittel aus dem Strukturwandel könnten dafür eingesetzt werden, innovative Leichtbauplatten aus Recyclingbaustoffen wie Lehm, Holz oder Stroh zu produzieren.
Baustoffunternehmen hat Probebohrungen beantragt
Ein Baustoffunternehmen aus dem Südharz hat nach eigenen Angaben bereits im August einen Antrag auf Probebohrungen beim Landkreis Mansfeld-Südharz gestellt. Das Unternehmen setze damit die politischen Ziele der Landesregierung um. In ihrem Koalitionsvertrag einigte sich die schwarz-rot-gelbe Koalition darauf, Gips-Lagerstätten in Sachsen-Anhalt zu sichern sowie deren umweltverträgliche Gewinnung zu ermöglichen. Das Unternehmen argumentiert weiter, dass Gips als Rohstoff knapp zu werden drohe. Er werde aber dringend benötigt, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Der Landkreis Mansfeld-Südharz teilte mit, dass über den Antrag auf Probebohrungen noch nicht entschieden sei. Die Unterlagen und Stellungnahmen würden zunächst geprüft. Die Karstlandschaft Südharz ist eine von 17 Biosphärenreservaten in Deutschland, zu denen unter anderem auch das Wattenmeer und der Thüringer Wald zählen.
dpa, MDR (Stephan Schulz, Mario Köhne), zuerst veröffentlicht am 01.10.2024
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 01. Oktober 2024 | 08:30 Uhr
dieja vor 26 Wochen
Der Gipsbedarf ist groß. Es sollte hier auch die Frage beantwortet werden, wo soll der Gips dann herkommen, wenn der Abbau hier nicht stattfindet. Gibt es in Deutschland weniger schützenswerte Abbaugebiete, reicht der in der Industrie anfallende Gips aus oder beziehen wir diesen dann aus dem Ausland. Wenn der Gips aus dem Ausland kommt, werden dann dort genauso wertvolle Naturräume zerstört? Nur auf dieser Grundlage kann man entscheiden, was richtig ist.