Wirtschaftsbeziehungen Sachsen-Anhalt kann sich Repräsentanz in London vorstellen

Für Sachsen-Anhalt ist Großbritannien ein wichtiger Handelspartner. Doch mit Beginn des Brexit ist der Warenfluss ins Stocken geraten: Rechtliche Hürden machen vor allem kleinen Firmen das Leben schwer. Deshalb will Sachsen-Anhalt nun nachjustieren. Eine eigene Landesvertretung in London könnte helfen zu vermitteln.

Sachsen-Anhalt kann sich eine eigene Landesvertretung in Großbritannien vorstellen. Das sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff bei seinem Besuch in London, wo im British Museum aktuell die Himmelsscheibe von Nebra ausgestellt wird. "Das ist auf jeden Fall eine Überlegung wert", entgegnete der CDU-Politiker auf die Frage, ob Sachsen-Anhalt wie Bayern oder Baden-Württemberg eine Repräsentanz in London unterhalten wolle. Denkbar sei auch eine stärkere Zusammenarbeit mit der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer und anderen Einrichtungen, hieß es.

Lösungen nach Brexit-Einbußen gesucht

Im Rahmen der Delegationsreise Haseloffs und anderer Landesvertreter sollen am Donnerstag die Gespräche über wirtschaftliche Beziehungen zwischen Sachsen-Anhalt und Großbritannien fortgesetzt werden. Ziel ist, den zuletzt stark eingebrochenen Exporthandel wieder anzukurbeln und die Zusammenarbeit insgesamt zu vertiefen.

Nach den Worten Haseloffs ist das Handelsvolumen zwischen Großbritannien und Sachsen-Anhalt seit Beginn des Brexit 2020 beinahe um die Hälfte eingebrochen. Rechtliche und logistische Hürden erschwerten seitdem den Warenaustausch. Als Beispiel nannte er Vorschriften für den Transport von Gefahrgütern oder die Visabestimmungen für Mitarbeiter von Unternehmen. Es gehe nun darum, herauszufinden wo man von deutscher Seite aus nachjustieren könne, sagte Haseloff. Dabei könne Sachsen-Anhalt beispielsweise über Bundesratsinitiativen zur Lösung von Problemen beitragen.

Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund
Sachsen-Anhalts Landesvertretung in Berlin. Bildrechte: imago/Steinach

Sachsen-Anhalts Landesvertretungen Um Landesinteressen vor Ort zu vertreten, unterhält Sachsen-Anhalt mehrere Repräsentanzen. Die Vertretung in Berlin, unweit des Spreebogens, wurde 2003 eröffnet. Sie wirkt nach eigenen Angaben an der Bundesgesetzgebung mit und präsentiert das Land bei Veranstaltungen in der Hauptstadt. Eine weitere Landesvertretung befindet sich in Brüssel, sie ist angesiedelt bei der Europäischen Union. Ihre Aufgabe ist unter anderem, Kontakt zu europäischen Institutionen zu halten und Belange Sachsen-Anhalts bei politischen Entscheidungen im Blick zu haben.

Großbritannien war vor Beginn des Brexit der zweitwichtigste Exportmarkt Sachsen-Anhalts. Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau machten allein 20 Prozent der Industrieunternehmen im Süden des Landes damit Geschäfte, vor allem mit chemischen und pharmazeutischen Produkten. 2021 rutschte das Vereinigte Königreich in der Export-Rangliste Sachsen-Anhalts auf den sechsten Platz ab, hinter Polen, den Niederlanden, Frankreich, Tschechien und Italien.

dpa, MDR (André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 30. Juni 2022 | 05:30 Uhr

8 Kommentare

Burgfalke vor 6 Wochen

Zitat: "...sogar für eine Landesvertretung auf dem Mond, da kann man unsere Landespolitiker gleich mitnehmen ..."

"Gut gemeint", aber nicht umsetzbar.

Stadtkind vor 6 Wochen

Das nenn ich doch mal eine Super Idee, was wollen wir auch mit ordentlichen Schulen oder vernünftigen ÖPNV, da bekommen die Knete ja nur unterbezahlte Mitarbeiter, untragbar. Ich bin sogar für eine Landesvertretung auf dem Mond, da kann man unsere Landespolitiker gleich mitnehmen wo man in Ruhe über neue Projekte nachdenken kann.

Burgfalke vor 6 Wochen

Nein, nicht das noch.
Wieder eine unnötige "Geldverbrennungs...". Hochbezahlte Vertreter, die nichts bewirken und denen niemand auf die Finger schaut. Stattdessen dann schöngefärbte Berichte und Reden, aber ohne Substanz. Der "Schein" muß ..., während das "Sein" sehr oft keine Rolle spielt.

Wenn schon Vertretungen "zwingend" sein müssen, dann vom Bund oder gemeinsame von BL.

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