Steigende Preise Diese Folgen hat die Inflation für Studierende in Sachsen-Anhalt

10. September 2022, 16:11 Uhr

Strom, Gas, Lebensmittel: Vieles ist derzeit so teuer wie nie. Das spüren vor allem Menschen, die ohnehin wenig Geld zur Verfügung haben – so wie viele junge Menschen. Hier berichten zwei Studierende der Hochschule Harz, wie sich die Inflation in ihrem Alltag bemerkbar macht.

MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Lucas Riemer
Bildrechte: Magnus Wiedenmann

Frauke Roßmeyer, 20: "Vor dem Winter habe ich ein bisschen Angst"

"Ich studiere im fünften Semester Öffentliche Verwaltung an der Hochschule Harz und wohne in einer WG in Halberstadt. Das Zimmer kostet rund 250 Euro, die meine Eltern bezahlen. Durch Ferienjobs und das Kindergeld, das mir meine Eltern überweisen, habe ich monatlich rund 300 Euro zur freien Verfügung. Davon bezahle ich die Semesterbeiträge, Lebensmittel und betanke mein Auto. In einer kleinen und günstigen Stadt wie Halberstadt hat das bislang gereicht.

Schon im Frühjahr hatten meine Mitbewohner und ich ein Schreiben im Briefkasten, in dem stand, dass sich die Nebenkosten um 10 bis 15 Euro erhöhen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Miete bald weiter steigen wird. Auch beim Einkaufen, vor allem von Lebensmitteln, spüre ich, dass alles teurer wird. Da überlege ich schon dreimal, ob ich etwas wirklich brauche, oder doch lieber öfter in die Mensa gehe, wo das Essen recht günstig ist.

"Für Eltern wird es doppelt schwer, ihre Kinder zu unterstützen"

Das Auto nutze ich kaum noch. Gerade mache ich ein Praktikum außerhalb von Halberstadt und fahre dorthin fast immer mit dem Bus. Am Schwarzen Brett an der Hochschule sehe ich inzwischen viele Gesuche nach Fahrgemeinschaften, denn viele Studierende hier wohnen nicht vor Ort und pendeln nach Halberstadt.

Vor dem Winter habe ich ein bisschen Angst. Ich weiß, dass viele Studierende so wie ich kein Bafög bekommen und von ihren Eltern unterstützt werden. Aber unsere Eltern müssen ja auch ihre eigenen Lebenshaltungskosten tragen. Da wird es jetzt doppelt schwer, die Kinder zu unterstützen. Wir wissen alle nicht, wo das noch hinführt, ob diese Krise noch schlimmer wird oder irgendwann doch der Wendepunkt kommt. Um meine Eltern zu entlasten und für mich mehr Sicherheit zu haben, werde ich in Zukunft mehr Mini- und Nebenjobs machen.

"Einmalzahlung ist nur ein kleiner Zuschuss"

Die Einmalzahlung von 200 Euro für Studierende, die gerade beschlossen wurde, finde ich prinzipiell eine gute Sache. Aber wenn man das umrechnet, sind es nicht mal vier Tankfüllungen. Das ist nur ein kleiner Zuschuss. Ich glaube daher nicht, dass das Studierenden wirklich hilft. Eine echte Entlastung wäre es in meinen Augen, wenn es eine Nachfolgeregelung für das 9-Euro-Ticket geben würde. Man hat gesehen, dass sehr viele Leute ihr Auto stehen gelassen haben, als es das Ticket gab. Das war wirklich top!

So ein Ticket kann meinetwegen auch etwas mehr als neun Euro kosten, aber nicht 60 Euro im Monat, denn das ist für Studierende schon eine Menge Geld. Gerade auf dem Land müssten die Bahn- und Busverbindungen dann aber auch gestärkt werden. Außerdem sollte Bafög endlich elternunabhängig gezahlt werden. Das würde sowohl uns Studierende als auch die Eltern enorm entlasten."

Giuliano Wietig, 22: "Man schaut nicht mit Freude in die Zukunft"

"Ich habe das Glück, dass meine Eltern mein Studium mitfinanzieren. Sie zahlen die Miete für mein WG-Zimmer in Wernigerode, rund 300 Euro, und überweisen mir außerdem das Kindergeld. Neben dem Studium, ich bin im dritten Semester im Master Data Science an der Hochschule Harz, habe ich einen Job auf 450-Euro-Basis. Bafög bekomme ich nicht, ich lebe also insgesamt von 900 bis 1.000 Euro im Monat. In Wernigerode reicht das bisher, aber in größeren Städten wäre es sicherlich schwierig.

Inzwischen wird auch hier alles teurer. Schon im Mai wurde die Miete für unsere WG um 20 Euro pro Person erhöht. Nun möchte unsere Vermieterin die Verträge sogar so ändern, dass wir die Nebenkosten komplett selbst tragen. Bislang haben wir dafür eine Pauschale gezahlt. In der Mensa sind die Preise ebenfalls gestiegen, allerdings bislang nur ein wenig.

"Viele machen finanziell einen Schritt zurück"

In der Hochschule sollen die Gebäude im Winter nicht mehr so stark geheizt werden und viele Studierende werden auch zuhause nur noch ein bisschen heizen, um Geld zu sparen. Es gibt dann also für manche vielleicht gar keinen Ort mehr, wo sie sich mal richtig aufwärmen können.

In Diskussionen mit Freunden merke ich, dass viele links und rechts schon finanziell einen Schritt zurück machen, um einen größeren Puffer für den Winter aufzubauen, weil man nicht einschätzen kann, wie extrem es vielleicht sein wird mit den Kosten. Viele schauen zum Beispiel, ob sie Streaming-Abos kündigen, um so 20 bis 30 Euro im Monat zu sparen.

"Versuche, auf alles vorbereitet zu sein"

Mich treffen die Auswirkungen der Inflation persönlich noch nicht so stark. Doch man schaut aktuell nicht mit Freude in die Zukunft. Ich glaube nicht, dass es zu Black-outs kommen wird, dafür scheint mir die Regierung zu gut vorbereitet zu sein. Aber ich bin trotzdem gespannt, wie sich die Situation entwickeln wird, und versuche, selbst auf alles vorbereitet zu sein. Beim Einkaufen von Lebensmitteln versuche ich zum Beispiel, nur die Dinge zu kaufen, die wirklich notwendig sind. Und ich rechne jetzt schon damit, dass ich nächstes Jahr wohl nicht größer in den Urlaub fahren kann.

Das Entlastungspaket, das jetzt beschlossen wurde, ist ein guter Anfang. Auch die Bafög-Erhöhung halte ich für einen richtigen Schritt. Was es aber dringend bräuchte, wäre eine Nachfolgeregelung für das 9-Euro-Ticket, denn das könnte die Kosten für Mobilität für Studierende deutlich senken. Und auch eine Mehrwertsteuersenkung für Lebensmittel würde uns Studierenden sehr helfen."

MDR (Lucas Riemer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. September 2022 | 08:30 Uhr

12 Kommentare

Denkschnecke am 12.09.2022

Nein, denn Sie haben meine Argumentation nicht verstanden oder nicht zur Kenntnis genommen.
Ein Studierender ist jemand, der gerade studiert. Das tut er (oder sie) eben nicht nur mit dem Buch vor der Nase, sondern vom Zeitpunkt der Immatrikulation bis zur Exmatrikulation.
Der Satz "Meine Tochter studiert in Leipzig" ist auch in den Semesterferien zutreffend. Deshalb ist sie dann auch Studierende.
Ich gebe zu, ich mag Korinthenkacker, aber nicht dann, wenn sie dieselbigen gleichzeitig aus dem Kuchen herauspicken. Oder auch: Wenn schon konsequent, dann richtig.

Britta.Weber am 11.09.2022

Alle (!) Normalbürger leiden unter der Inflation, weil diese das erarbeitete oder durch Alimentation erhaltenen Geld auffrisst. R. Blüm hat einmal treffend gesagt "Inflation ist Diebstahl am kkleinen Mann".

Britta.Weber am 11.09.2022

@Denkschnecke, ich hätte gedacht, dass Sie als Person mit einem Studium die Feinheiten unserer deutschen Sprache beherrschen. Ich weiß, dass dieses Wort jetzt offiziell als pc Version anstelle des generaischen Maskulinum benutzt wird, abwer sprachlich falsch ist es dennoch. Ein "Singender" ist jemand, der gerade singt- wenn er damit aufgehört hat, ist er kein Singender mehr. Ich hoffe, ich konnte etwas helfen.

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