Lungenklinik Ballenstedt
Die vorläufige Leitung der Lungenklinik Ballenstedt will den Standort erhalten. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach gescheitertem Umzug Lungenklinik Ballenstedt: Gespräche mit Investoren

10. November 2023, 16:57 Uhr

Mehrere Investoren führen aktuell Gespräche mit der vorläufigen Geschäftsführung der insolventen Lungenklinik Ballenstedt. Der Standort soll nun doch erhalten werden. Ehemalige und aktive Ärzte der Lungenklinik hatten zuletzt in einem offenen Brief eine Mitschuld an dem gescheiterten Umzug der Klinik nach Quedlinburg zurückgewiesen. Laut SPD-Politiker Mario Henning kommt der Versuch, die Klinik zu retten, zu spät.

Nach dem gescheiterten Umzug der insolventen Lungenklinik von Ballenstedt nach Quedlinburg will die vorläufig eingesetzte Geschäftsführung den Standort weiterhin erhalten. Dazu würden Gespräche mit sechs namhaften Investoren laufen, ein Kaufangebot liege bis jetzt noch nicht vor, sagte Rechtsanwalt Dirk Becker MDR SACHSEN-ANHALT. Er gehört der Kanzlei "Flöther und Wissing" an, die für das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung als Sachwalter eingesetzt ist.

Bis zum 1. Dezember müssten konkrete Angebote vorliegen und die vorläufig eingesetzte Geschäftsführung spätestens Anfang des Monats eine Entscheidung treffen. Ab Dezember übernimmt die monatlichen Personalkosten im hohen sechsstelligen Bereich wieder die insolvente Lungenklinik GmbH. Das sei aber wirtschaftlich nicht möglich, sagte Becker. Bis zum 30. November zahlt noch die Bundesarbeitsagentur Insolvenzgeld für die Beschäftigten.

Klinikum in den roten Zahlen

Das Harzklinikum und die Evangelischen Stiftung Neinstedt sind Träger der Lungenklinik Ballenstedt. Sie war in die roten Zahlen gerutscht. Nach Angaben des Harzklinikum-Aufsichtsratschefs und Harzer Landrat, Thomas Balcerowski, hat sie von Januar 2023 bis Juni 2023 ein Minus von 1,3 Millionen Euro verzeichnet. Als ein Grund dafür werde die mangelnde Auslastung nach Ende der Corona-Pandemie genannt. Demnach liegt sie im Durchschnitt bei rund 35 Prozent.

Deshalb hatte das Harzklinikum im Sommer einen Umzug angeregt, um einen Teil der Lungenklinik von Ballenstedt in Quedlinburg zu integrieren. Laut Balcerowski sollten 40 statt der mehr als 100 Betten und auch Personal sowie Technik überführt werden. Der Umzug scheiterte, weil nach Angaben von Balcerowski zu viele Ärzte und Fachpersonal gekündigt hatten.

Ärzte schreiben offenen Brief

Ehemalige und aktive Ärzte hatten daraufhin einen offenen Brief an den Landrat geschrieben und sich davon distanziert, für den gescheiterten Umzug mitverantwortlich gewesen zu sein. Ihrer Meinung nach sind die Träger und auch die Politik Schuld an der finanziellen Schieflage der Lungenklinik Ballenstedt. Wie die ehemalige Ärztliche Direktorin Kathrin Conrad MDR SACHSEN-ANHALT sagte, sind beispielsweise Doppelstrukturen nicht abgebaut worden.

Das heißt: Am Harzklinikum in Wernigerode sind demnach 600 Lungenpatienten pro Jahr behandelt worden, obwohl mit Ballenstedt bereits ein Standort für diese Art der Versorgung vorhanden sei. Hätte man das bereits vor Jahren geändert, wäre die Auslastung in Ballenstedt eine andere gewesen, so Conrad. Auch ein nachweislich seriöses Kaufinteresse im vergangenen Dezember sei ignoriert worden.

SPD-Politiker: Rettungsversuch kommt zu spät

Der Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeit der SPD, Mario Henning, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, sollte es stimmen, dass die Verantwortlichen ein Kaufinteresse ignoriert hätten, wäre das eine bewusste Herbeiführung einer Insolvenz. Die nun vorläufig agierende Geschäftsführung hätte bereits vor einem halben Jahr eingesetzt werden müssen. Jetzt sei der Versuch, die Lungenklinik zu retten, zu spät. Auch die ehemalige Ärztliche Direktorin, Conrad, könne sich nicht vorstellen, dass ein Weiterbetrieb der Lungenklinik in Ballenstedt möglich sei.

Der vorläufig eingesetzte Geschäftsführer der Lungenklinik Ballenstedt, Georg Bernsau, hatte MDR SACHSEN-ANHALT gesagt, dass er den Standort stärken wolle und deshalb in Verhandlungen mit Investoren getreten sei.

MDR (Michel Holzberger, Annekathrin Queck)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. November 2023 | 18:00 Uhr

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