Köchin im Jugendfilmcamp Blut und Kotze kochen – der Traumjob einer Arendseeerin

15. April 2023, 19:11 Uhr

Monika Winterberg ist Köchin. Im Jugendfilmcamp Arendsee kocht sie nicht nur Essen für die jungen Filmcrews, sondern auch Requisiten wie Filmblut und Filmkotze. Winterberg ist Organisationstalent und die gute Seele des Camps. Im Porträt verrät die 62-Jährige, was sie mit Arendsee verbindet, wie es nach ihrer Rente im Filmcamp weitergehen soll – und was ihre Rezepte für "Blut" und "Erbrochenes" sind.

Eine blonde Frau mit Brille
Bildrechte: Carina Emig

Monika Winterberg aus Arendsee steht in ihrer kleinen aber feinen Küche im Jugendfilmcamp Arendsee und kocht: Filmblut, viel Filmblut – heute für einen Film mit Monstern. Eigentlich mag Winterberg lustige Filme lieber als bluttriefende, aber für die 40 Kids, die beim Osterfilmcamp 2023 dabei sind, rührt sie gerne eine frische Portion Filmblut an. Das muss möglichst dickflüssig sein, denn verdünnen, damit es zum Beispiel gut in alle Richtungen spritzt, kann man es später noch ganz einfach mit Wasser. "Aber zu dünnes Filmblut dickflüssig kriegen, das ist schwierig."

Die 62-Jährige spricht aus jahrelanger Filmblutbaderfahrung am Filmcamp. "Ich komme aus der Gastronomie, habe Koch gelernt. Daher kann ich mir gut vorstellen, wie die einzelnen Bestandteile zusammen aussehen und funktionieren", erklärt sie. "Außerdem gilt es zu bedenken, dass die Schauspieler das dann auch in den Mund nehmen. Von daher kommt keine Chemie in mein Filmblut, sondern alles darin ist essbar und genießbar."

Das Jugendfilmcamp Arendsee Kinder und Jugendliche zwischen 12 bis 26 Jahren lernen dort das Film-Handwerk von der Pike auf. In nur einer Woche schaffen es die jungen Filmteams von der Idee über das Drehbuch bis zum fertigen Film. Egal ob vor oder hinter der Kamera – die Filmcrews machen alles selber. Unterstützt werden sie dabei von Film-Profis. Das sind bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler, namenhafte Regiesseurinnen und Regisseure, exzellente Stunt- und Kameraleute. Die Schirmherrschaft hat kein geringerer als "Game of Thrones"-Star Tom Wlaschiha, der in der Serie den Kriminellen Jaqen H'ghar spielt.

Das Konzept kommt an: Mehr als 700 filmaffine Kids aus Deutschland und inzwischen ganz Europa kommen pro Jahr nach Arendsee. Seit 2014 sind am Jugendfilmcamp Arendsee mehr als 400 Filme entstanden, die auf renommierten Filmfestivals gezeigt werden und Preise gewinnen. Gründer und kreativer Kopf ist Norman Schenk. Der Jugendfilmcamp-Leiter ist selber Schauspieler, entwickelt die Camp-Angebote stetig weiter und unterrichtet auch.

Monika machts möglich

Monika Winterberg kocht ihr Spezialblut nach Gefühl. Dafür erhitzt sie in einer großen Pfanne Margarine und Mehl, macht daraus zunächst einmal eine klassische Mehlschwitze. Dann fügt sie Kakao hinzu und verrührt alles. So entsteht eine klumpige, braune Masse, die sie zunächst mit Rote-Beete-Saft ablöscht. Schließlich fehlen noch Tomatensaft und, ganz wichtig, ein großer Löffel Honig für den Glanz.

Ich musste hier schon ganz andere Sachen kochen, Filmkotze zum Beispiel. Und dann musste ich mir etwas einfallen lassen. Etwas, dass so aussieht, als wenn es gerade erbrochen wurde.

Monika Winterberg, Köchin beim Jugendfilmcamp in Arendsee

Egal, welche Blutmengen die Filmkids benötigen – Monika Winterberg machts möglich. Und nicht nur das: "Ich musste hier schon ganz andere Sachen kochen, Filmkotze zum Beispiel. Und dann musste ich mir etwas einfallen lassen. Etwas, das so aussieht, als wenn es gerade erbrochen wurde." Letztlich sei das sogar einfacher als das Filmblut, berichtet die Köchin schmunzelnd: "Ich benutze dafür Haferflocken, stückige Konfitüre sowie Tomaten- und Gurkenstücke. Die koche ich kurz auf, fertig!" Den besten Effekt erziele sie mit Kirschkonfitüre.

Monika Winterbergs Zutaten für Filmblut und -kotze

  • Für Filmblut verwendet Monika Winterberg Margarine, Mehl, Kakao, Rote-Beete-Saft, Tomatensaft und Honig.
  • Für Filmkotze nutzt Monika Winterberg Haferflocken, stückige Konfitüre (wie Kirschkonfitüre), Tomaten- und Gurkenstücke.

Monika war zu DDR-Zeiten in aller Herren Länder

Zum festen Filmcampteam gehört Monika seit sieben Jahren, sorgt dafür, dass sich immer alle wohlfühlen. Die gelernte Köchin hat im Leben schon viel gesehen und erlebt. Gerne erinnert sie sich an ihre Zeit als Kochsmaat Anfang der 1980er Jahre. Als Teil der Besatzung der Deutfracht Seerederei der DDR wuppte sie damals die Kombüse und konnte so bereits zu DDR-Zeiten in fremde Länder reisen – darunter Norwegen, Russland, Belgien, Italien, Spanien, Portugal, Algerien und Marokko.

Mit der Geburt ihrer drei Söhne wechselte Monika in den sicheren Hafen Arendsee zu ihren Eltern, denn die Kinder zog sie alleine groß. Wohl auch deshalb kann die gebürtige Arendseeerin irgendwie alles, was die Filmcampcrew braucht. Sie macht das Essen, räumt auf, putzt, wäscht die blutverschmierten Filmklamotten und kennt den Requisitenfundus wie keine andere.

"Filmcamp-Mutti" – die gute Seele des Camps

Bei allem, was Monika Winterberg tut, versprüht sie gute Laune und behält stets den Überblick: Vom speziellen Essenswunsch über erste Hilfe bis zu Heimweh. Sie kümmert sich liebevoll um alle großen und kleinen Probleme der Teilnehmer und Dozenten. Ihr täglicher Ansporn: "Alle sollen sich wohlfühlen." Sie ist die gute Seele des Camps und für Norman Schenk, den Begründer und Leiter des Jugendfilmcamps Arendsee, absolut unersetzlich.

Meine Moni ist meine beste Frau, sie ist die eigentliche 'Lagerleiterin' des Camps.

Normal Schenk, Leiter des Jugendfilmcamps in Arendsee

"Meine Moni ist meine beste Frau, sie ist die eigentliche 'Lagerleiterin' des Camps", sagt Schenk. "Mir graut davor, wenn Monika nächstes Jahr in Rente geht. Es ist schwer jemanden zu finden wie sie, der die Arbeit mit so viel Spaß und Freude macht und dazu noch so ein toller Mensch ist."

Monika Winterberg: "Ich fahre jeden Tag singend zur Arbeit"

Aber auch Organisationstalent Monika Winterberg ist voll des Lobes für ihren Chef, der eigentlich viel mehr ein Freund ist als ein Vorgesetzter. "Das ist mein Traumjob und Norman der beste Chef der Welt", meint sie. "Ich komme aus der Gastronomie und das ist ein echter Knochenjob. Meist hast du da dasselbe zu tun." Am Filmcamp sei dagegen kein Tag wie der andere, immer passiere etwas Lustiges. "Ich fahre jeden Tag singend zu Arbeit. Das ist die erste Arbeitsstelle, zu der ich singend fahre, weil mir das alles hier es so einen Spaß macht."

Das ist die erste Arbeitsstelle, zu der ich singend fahre, weil mir das alles hier es so einen Spaß macht.

Monika Winterberg, Köchin beim Jugendfilmcamp in Arendsee

Früher Ferienfreizeit, heute Filmcamp

Auch mit dem Filmcamp-Areal verbindet Winterberg nur positive Erinnerungen. Schon als Kind verbrachte sie dort ihre Ferienfreizeiten. Damals gab es noch einen alten Straßenbahnwagen auf dem Gelände, sie und ihre Freunde haben zwischen den Kiefernbäumen Buden gebaut. Der Arendsee ist nur einhundert Meter entfernt. Dort hat sie Schwimmen gelernt. "Für mich bedeutet dieser Ort ganz viel", sagt Winterberg. "Ich war hier als Kind schon immer gerne, dann war ich ein paar Jahre unterwegs und nun, zum Ende meines Berufslebens bin ich wieder in diesem Camp. Das ist nun das Filmcamp und das finde ich einfach ganz wunderbar!"

Bis zum tatsächlichen Ende ihres Berufslebens in 2024 wird Monika Winterberg aber noch viele Liter Filmblut anrühren und will auch als Rentnerin noch regelmäßig weiter unterstützen. Das diesjährige Osterfilmcamp dauert noch bis zum 16. April 2023. Die fertigen Filme, in denen auch ihr Filmblut vorkommt, guckt sich Monika dann immer am liebsten über den Youtube-Auftritt des Jugendfilmcamps Arendsee an.

MDR (Carina Emig, Maren Wilczek)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. April 2023 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Altlehrer am 15.04.2023

Und warum muss in einem Jugendfilmcamp Blut fließen? Gibt es nicht schon real und virtuell genug Blutvergießen? Man kann doch auch gute Filme ohne Blut drehen!

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