Lithium-Bohrungen in Zinnwald.
In der Altmark könnte künftig Lithium abgebaut werden. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Sylvio Dittrich

Leichtmetall Lithium-Abbau in der Altmark: Behörden dämpfen Erwartungen

16. April 2024, 19:13 Uhr

Im Altmarkkreis Salzwedel könnte demnächst Lithium gefördert werden. Das Landesamt für Geologie und Bergwesen bewilligte dem Unternehmen Neptune Energy bislang aber nur die Suche nach Lithium und Erdwärme, nicht den Abbau.

Die Behörden haben Erwartungen an einen schnellen Lithium-Abbau im Altmarkkreis Salzwedel gedämpft. Wie das Landesamt für Geologie und Bergwesen am Dienstag mitteilte, liegt für die Förderung durch das Unternehmen Neptune Energy noch keine Genehmigung vor. Der Firma sei lediglich bewilligt worden, nach Lithium und Erdwärme zu suchen. Hierbei handele es sich um eine sogenannte Bergbauberechtigung und keine Genehmigung.

Bereits in der vergangenen Woche hatte das Landeswirtschaftsministerium im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT betont, dass das Unternehmen Neptune Energy noch einen zugelassenen Betriebsplan benötigt, bevor es tatsächlich aktiv werden kann. Neptune Energy hatte in der vergangenen Woche über die Bewilligungen des Landesamts für Geologie und Bergwesen informiert.

Der genaue Ort, wo das Lithium gefördert werden könnte, ist den Angaben zufolge noch unklar. Man fördere in der Region seit mehr als 50 Jahren Erdgas. Daher gebe es verschiedene Betriebsplätze, die als Standorte für die Lithium-Aufbereitung in Frage kämen. Dazu zähle auch die Zentralstation in Steinitz vor den Toren Salzwedels.

Pilotversuche noch in diesem Jahr?

Neptune Energy hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass das Unternehmen derzeit Gespräche mit möglichen Technologie-Partnern führe, die mit ihren Anlagen Lithium aus altmärkischem Thermalwasser gewinnen könnten. Vorkommen des Bodenschatzes seien bereits im Tiefenwasser nachgewiesen worden. Weiter hieß es: "Auch die im Tiefenwasser mitgeförderte Erdwärme kann regional verwendet werden, um Haushalte oder Industriebetriebe mit Wärme zu versorgen."

Noch in diesem Jahr sollen nach Angaben des Unternehmens erste Pilotversuche starten. Der Landrat des Altmarkkreises Salzwedel, Steve Kanitz, begrüßte die Pläne. Die Gewinnung sei ein ziemlich geschlossener Kreislauf und umweltschonend. Zudem könnten bereits vorhandene Erdgas-Förderstellen genutzt werden.

Das Unternehmen Neptune Energy ist in der Region umstritten. Es trägt auch die Verantwortung für den sogenannten "Silbersee von Brüchau". In der Giftschlammdeponie sind Schadstoffe aus der jahrzehntelangen Förderung von Rohstoffen eingelagert. Die Streitigkeiten über den Umgang damit dauern seit Jahren an.

Lithium wird für Batterien und Akkus benötigt

Lithium ist ein silberweißes, weiches Leichtmetall, das zur Herstellung von wiederaufladbaren Batterien und Akkus für zum Beispiel E-Autos, Smartphones und Laptops benötigt wird. Bislang ist Europa hierbei von Importen abhängig. Die größten Lithium-Produzenten sind laut einer Studie der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) Australien, China, Chile und Argentinien.

Mehr zu Neptune Energy in der Altmark

MDR (Lydia Zahn, Engin Haupt, Norma Düsekow, Mario Köhne, Luise Kotulla, Christoph Dziedo, Lucas Riemer) | erstmals veröffentlicht am 11. April 2024

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. April 2024 | 16:30 Uhr

7 Kommentare

pwsksk vor 6 Wochen

"... zu einer grünen Energieregion und Standort einer zukunftsweisenden Technologie."
Wieso glaube ich dem Ganzen nicht so recht?
Wenn der Rheingraben angeblich voll davon ist, warum findet dort noch keine Gewinnung statt?

weils so nicht unwidersprochen bleiben darf vor 6 Wochen

Aller Ironie zum Trotz: Ja, Sie können. Könnte in diesem Fall mal notwendiger sein als in vielen anderen. Warten Sie aber, bis das Unternehmen die wirklichen Absichten etwas deutlicher macht - vielleicht ist es ja wirklich einfach nur ein rührender netter Versuch zur Nebenbei-Lithiumgewinnung als Neben-Nutzung ohnehin vorhandener Erdgas- und Erdwärmebohranlagen...

weils so nicht unwidersprochen bleiben darf vor 6 Wochen

Ich kann Ihnen, Erna, nur zustimmen. Allerdings könnte man - wenn man den Artikel genau liest - auf den Gedanken kommen, dass es der Firma vielleicht gar nicht um die (in der Tat mengenmässig uninteressanten) Lithiumfördermengen geht, sondern um die genannten möglichen Plätze für "Lithium-Aufbereitung", deren Ausbau unter dem Deckmantel der Verbindung mit einer "eigenen Förderung" "vor Ort" vielleicht leichter genehmigt wird ...?
Man wird jedenfalls ein Auge auf die genauen Pläne haben müssen, sonst steht dann irgendwann eine Industrieanlage mitten in der Natur, die dort eigentlich keiner haben will...

Mehr aus Altmark und Elb-Havel-Winkel

Kultur

Zwei Frauen sitzen auf einem Podium in einer Kirche mit einem schwarzen Klavierflügel im Hintergrund. Ein Mann in Anzug spricht an einem Rednerpult. Im Vordergrund sind Menschen aus dem Publikum von hinten zu sehen.
Zeitzeugin Henriette Kretz im Musikforum Katharinenkirche mit Oberbürgermeister Bastian Sieler zur Veranstaltungsreihe "Denken ohne Geländer" Bildrechte: Aud Merkel

Mehr aus Sachsen-Anhalt