Valeriia aus Döbeln
Die neun Jahre alte Valeriia ist tot. Sie ist mutmaßlich einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Bildrechte: Polizei Sachsen

Ermittlungen wegen Tötungsverbrechen Nach Leichenfund: Tote ist die vermisste Valeriia aus Döbeln

12. Juni 2024, 22:27 Uhr

Traurige Gewissheit: Das seit mehr als einer Woche vermisste Mädchen aus Döbeln ist tot. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittelnden wurde die neun Jahre alte Valeriia getötet. Das hat die Obduktion der Leiche ergeben, die am Dienstag in einem Waldstück gefunden wurde. Hinweise auf ein Sexualdelikt gibt es nicht. Vom Täter fehlt bislang jede Spur.

Bei der am Dienstag tot gefundenen Person handelt es sich um die seit mehr als einer Woche vermissten neun Jahre alte Valeriia. Die Polizei teilte mit, es gebe Hinweise, dass das Mädchen einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Das habe die Obduktion der Leiche ergeben. Es werde wegen eines Tötungsverbrechens ermittelt, hieß es. Ein Sexualdelikt liege aber offenbar nicht vor.

Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, den Täter zu ermitteln. Das sind wir Valeriia und ihrer Familie schuldig.

Carsten Kaempf, Chemnitzer Polizeipräsident

Noch kein Tatverdächtiger

Es würden bei den Ermittlungen auch bekannte Mehrfachtäter überprüft, so die Ermittler. Noch gebe es keinen Tatverdächtigen. Man konzentriere sich nun bei den Ermittlungen auf den sozialen Nahbereich der Familie. Der genaue Todeszeitpunkt des Kindes stehe noch nicht fest. Laut ersten Erkenntnissen war der Fundort wahrscheinlich der Tatort, sagten die Ermittler auf Nachfrage von Journalisten. Die Ermittelnden zeigten sich von dem Verbrechen erschüttert.

Der Verlust eines Kindes zerreißt einem das Herz.

Carsten Kaempf Chemnitzer Polizeipräsident

Schulpsychologen im Einsatz

Nach dem Fund der Leiche sind seit Mittwoch mehrere Schulpsychologen für einen Kriseneinsatz an der Grundschule des verstorbenen Mädchens in Döbeln. Sie stehen Lehrern und Schülern zur Seite und bieten Gespräche an, sagte der Sprecher des sächsischen Landesamtes für Schule und Bildung, Clemens Arndt. Sie werden ihre Arbeit demnach auch am Donnerstag fortsetzen. 

Leiche in dichtem Unterholz gefunden

Am Dienstag hieß es zunächst, man prüfe, ob es sich bei der Leiche um die vermisste Neunjährige aus Döbeln handele. Die Kriminalpolizei und eine Tatortgruppe des Landeskriminalamtes Sachsen (LKA) ermittelten an der Fundstelle, hieß es. In der Nacht habe die Obduktion die Gewissheit gebracht, dass es sich um das verschwundene Kind handelt.

Polizisten durchkämmen bei der Suche nach einer vermissten Grundschülerin ein Waldstück.
Am Dienstag läuft im Raum Döbeln eine groß angelegte Suche nach dem vermissten Mädchen Valeriia. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Daniel Schäfer

Die Kinderleiche sei am Dienstag bei einer Suchaktion "abseits jeglicher Waldwege, tief im Unterholz" gefunden worden, sagte die Leiterin der Kriminalpolizeiinspektion Chemnitz, Mandy Kürschner. Das Waldgebiet liegt zwischen Mahlitzsch und dem Döbelner Ortsteil Hermsdorf. Einsatzkräfte hatten am Dienstag dort gezielt nach der seit mehr als einer Woche verschwundenen Valeriia gesucht.

Polizeifahrzeug an einem Waldstück 2 min
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MDR um 2 Mi 12.06.2024 14:00Uhr 01:48 min

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Chronik zum Fall Valeriia

  • 3. Juni: Gegen 6:50 Uhr macht sich Valeriia auf den Weg zu ihrer Grundschule «Am Holländer» in Döbeln. Doch zum Unterricht erscheint sie nicht. Ihr Verschwinden fällt erst auf, als sie am Nachmittag nicht nach Hause kommt. Zunächst macht sich die Mutter selbst auf die Suche. 
  • 3. Juni: Gegen 18.25 Uhr gibt die Mutter Vermisstenanzeige bei der Polizei auf. Daraufhin startet die Suche in Döbeln samt Fährtensuchhund und Polizeihubschrauber. Um 23.27 Uhr informiert die Polizei per Pressemitteilung über die öffentliche Fahndung samt Personenbeschreibung. 
  • 4. Juni: Die Suche wird fortgesetzt. Dabei kommen Taucher und die Wasserschutzpolizei zum Einsatz. Sie inspizieren Gewässer wie die Freiberger Mulde und mehrere Teiche. Laut Polizei wird in alle Richtungen ermittelt - ein Unfall wird ebenso erwogen wie eine Straftat. 
  • 5. Juni: Die Polizei ruft die Bevölkerung auf, in eigenen Gärten, Kellern, Garagen oder Schuppen nachzusehen. Auch das Landesamt für Bildung und Schule schaltet sich ein und prüft, warum die Mutter nicht von der Schule über das Fehlen Valeriias informiert wurde. Ein Zeugin meldet sich und gibt an, zwei Tage zuvor Schreie aus einem Waldgebiet gehört zu haben.
  • 6. Juni: Die Polizei weitet die Suche aus, mehr als 300 Einsatzkräfte werden aufgeboten - allerdings ohne konkrete Hinweise zu finden. Weil das Mädchen und seine Mutter aus der Ukraine stammen und der Vater dort lebt, stehen die Ermittler auch im Kontakt zu Kollegen im Ausland - in der Ukraine und möglichen Transitländern Polen und Tschechien.
  • 7. Juni: Bei der Suche haben Ermittler große Mengen Bild- und Videomaterial analysiert. Dabei kommen sogenannte Super-Recogniser zum Einsatz, die sich Gesichter besonders gut einprägen und wiedererkennen können. "Wir alle hoffen, dass sie schnellstmöglich gesund und munter gefunden wird", sagt Döbelns Oberbürgermeister Sven Liebhauser. 
  • 8./9. Juni: Während die Suche vor Ort weitergeht, meldet sich Valeriias Vater per Video zu Wort. Er appelliert an mögliche Entführer, den Eltern "ihr geliebtes Kind" zurückzugeben. In der "Bild am Sonntag" kündigt er an, nach Deutschland zu kommen, um suchen zu helfen. 
  • 10. Juni: Eine Woche nach dem Verschwinden geht die Suche weiter. Die Polizei kündigt für den Folgetag noch einmal eine großangelegte Aktion an. Danach soll die Suche in der Fläche vorerst beendet werden. 
  • 11. Juni: Mit mehr als 400 Polizisten werden Wälder, Wiesen und Felder im Süden Döbelns durchstreift. Gegen 14:30 Uhr finden sie eine Leiche. Daraufhin wird das Gebiet weiträumig abgesperrt. Ob es sich um das vermisste Kind handelt, will die Polizei vorerst nicht sagen.
  • 12. Juni: Die Polizei gibt bekannt, dass es sich bei der Toten um Valeriia handelt und sie Opfer eines Verbrechens geworden ist. Nach Angaben der Ermittler gebe es derzeit keine Hinweise auf ein Sexualdelikt. Einen Tatverdächtigen gibt es nach Polizeiangaben noch nicht, die Ermittler konzentrieren sich aber das soziale Umfeld des Mädchens. 

Ermittler stehen vor vielen ungeklärten Fragen

Das Mädchen, das aus der Ukraine stammte und mit seiner Mutter seit 2022 in Döbeln lebte, war zuletzt am 3. Juni gesehen worden. Es war auf dem Weg zur Grundschule, kam dort aber nie an. Auch eine Vermisstenmeldung in den Fernsehsendungen "Aktenzeichen XY ungelöst" und "Kripo live" hatte keine konkreten Hinweise gebracht. Laut Polizei ist bislang weiter unklar, ob das Kind auf dem Weg zur Schule wie üblich in einen Bus gestiegen war. Die Ermittlungen liefen dazu noch. Nach Angaben der Polizei hatte sich vergangene Woche eine Zeugin gemeldet, die am Tag von Valeriias Verschwinden Schreie in den Nähe des Waldgebietes gehört haben will, in dem neun Tage später die Leiche gefunden wurde. Man habe aber den genauen Bereich nicht eingrenzen können, erklärte eine Polizeisprecherin.

Ermittlungen gegen Schule laufen

Als Valeriia am 3. Juni nicht wie üblich von der Schule zurückkehrte, alarmierte ihre Mutter die Polizei. Die Schulaufsichtsbehörde ermittelt gegen die Schule des Mädchens. Es werde noch immer geprüft, warum die Meldekette nicht eingehalten worden sei, sagte ein Sprecher des Landesamtes am Mittwoch MDR SACHSEN. Klar sei bisher nur, dass ein Versäumnis vorliege. Man werde als Lehre aus der Panne noch einmal alle Schulleiter zu die geltenen Regeln bei unentschuldigtem Fehlen von Kindern sensibilisieren. Die Schule soll weder der Mutter noch der Polizei mitgeteilt haben, dass das Mädchen an dem Montag nicht in der Schule angekommen sei.

Laut Polizei wird die Mutter des getöteten Mädchen derzeit psychologisch betreut. Es bestehe ferner Kontakt zum Vater, der in der Ukraine lebt und laut eigenen Angaben als Soldat an der Front dient. Aus Gründen der Persönlichkeitsrechte wurden keine weiteren Angaben zur Familie gemacht.

Opferbeauftragte bietet Hilfe an

Die Opferbeauftragte des Freistaates Sachsen, Ires Kloppich, bedankte sich für die "große Anteilnahme und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung sowie aller Einsatzkräften, die sich mit großem Engagement und Hoffnung an der Suche nach dem Mädchen beteiligten" Den Hinterbliebenen sprach sie ihre Anteilnahme aus. Kloppich und ihre Mitarbeitenden stünden "als Ansprechpersonen zur Verfügung und vermitteln bei Bedarf zu konkreten Beratungs- und Hilfsangeboten".

Döbeln sagt Stadtfest ab und will mit Menschen gemeinsam trauern

Döbelns Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU) hat das für das kommende Wochenende geplante Stadtfest abgesagt. Man folge damit auch dem Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger, denen nicht nach Feiern sei. Die Stadt trauere. Am Freitag wird es auf dem Obermarkt um 18 Uhr eine Trauerfeier geben, zu der die Einwohnerschaft eingeladen ist. Am Sonntag um 10 Uhr ist an selber Stelle ein Gottesdienst geplant.

MDR (lam/kk/phb)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 12. Juni 2024 | 19:00 Uhr

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