Wohnen in Dresden Zu teuer: Stopp für sozialen Wohnungsbau in Dresden

Bezahlbarer Wohnraum ist in vielen Städten inzwischen knapp. Inflation, Energiekrise und gestiegene Kreditzinsen verschärfen nun das Problem deutlich. In Dresden hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft "Wohnen in Dresden" (WiD) alle Neubauvorhaben gestoppt - dutzende Wohnungen entstehen erst einmal nicht, Wohnraum fehlt.

Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft "Wohnen in Dresden" ist 2017 von der Stadt Dresden gegründet worden.
Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft "Wohnen in Dresden" ist 2017 von der Stadt Dresden gegründet worden. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

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In Dresden hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft "Wohnen in Dresden" (WiD) alle Neubauvorhaben gestoppt. Das berichten die "Dresdner Neuesten Nachrichten". Unmittelbar betroffen sind drei Vorhaben mit knapp 140 Wohnungen - der Neubau in der Florian-Geyer-Straße mit 79 Wohneinheiten, ein Wohngebäude in der Moritzburger Straße mit 30 und ein Vorhaben in der Schönaer Straße mit 28 Wohnungen.

Eine verwaiste Baustelle: Die WiD legt ihren Neubau an der Florian-Geyer-Straße in Dresden auf Eis. Ein Schild warnt vor dem Bertreten der verwaisten Baustelle.
Die WiD legt ihren umgeplanten Neubau an der Florian-Geyer-Straße in Dresden aus Kostengründen auf Eis. Bildrechte: Wiebke Müller/MDR

Wohnen in Dresden - Die neue kommunale Wohnungsbaugesellschaft "Wohnen in Dresden" (WiD) ist 2017 gegründet worden.
- Neun Jahre nach dem Verkauf der alten Dresdner Wohnungsbaugesellschaft (Woba), hatte sich die Stadt nach zähem Ringen für eine Neuauflage des kommunalen Wohnungsbaus entschieden.
- Durch den Verkauf der Woba war Dresden damals auf einen Schlag schuldenfrei geworden.

Gestiegene Zinsen + hohe Baukosten = Baustopp

Grund für die gezogene Reißleine sind nach Angaben der Geschäftsführung die gestiegenen Zinsen für Bankkredite. Allein die Baukosten haben sich demnach innerhalb eines Jahres um 22 Prozent erhöht.

Für die gestoppten Bauprojekte waren bereits mehr als zehn Millionen Euro Fördermittel in Aussicht gestellt. Diese können jetzt nicht abgerufen werden. Für laufende Projekte muss die Stadt ihrer Gesellschaft vier Millionen Euro zuschießen.

Eine verwaiste Baustelle: Die WiD legt ihren Neubau an der Florian-Geyer-Straße in Dresden auf Eis. Ein Schild warnt vor dem Bertreten der verwaisten Baustelle.
Ein Schild warnt vor dem Betreten der verwaisten Baustelle. Im Streit um ein ursprünglich geplantes Hochhaus mit 16 Geschossen hatte sich der Baustart bereits erheblich verzögert. Bildrechte: Wiebke Müller/MDR

"Ich rechne mit mindestens ein bis zwei Jahren, bis eine Förderkulisse aufgebaut ist", sagte WiD-Geschäftsführer Steffen Jäckel MDR SACHSEN. Bis dahin würden die Projekte liegen bleiben. "Wir haben Baugenehmigungen da und wir wollen weiter planen, dass wir aus dem Stand heraus anfangen können." Auch bei den bereits laufenden Bauvorhaben seien erhebliche Kostensteigerungen zu verzeichnen. Hier werde allerdings weiter gebaut. Die Mehrkosten werde voraussichtlich die Stadt tragen, betont Jäckel.

Grüne: Sachsen soll Fördersätze für sozialen Wohnungsbau anheben

Thomas Löser, bau- und wohnungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Sächsischen Landtag, bezeichnet den drohenden Stillstand beim Sozialwohnungsbau als alarmierend. "Gerade mit Blick auf die derzeit steigenden Lebenshaltungskosten wird die Verfügbarkeit von ausreichend Sozialwohnungen künftig von noch größerer Bedeutung sein", so der Politiker.

Thomas Löser
Bildrechte: Grüne Fraktion Sachsen / Elenor-Breusing

Der drohende Stillstand beim Sozialwohnungsbau ist alarmierend.

Thomas Löser Grünen-Politiker

Mit einem wachsenden Kreis an Anspruchsberechtigten sei der Freistaat in der Pflicht, mehr Sozialwohnungen bereitzustellen. Hier müsse den Trägern des sozialen Wohnungsbaus unter die Arme gegriffen werden, etwa durch Anhebung der Fördersätze.

Staatsregierung wusste schon im Juni 2022 von Baustopps

In der Stadt Dresden führen die steigenden Baukosten und Zinserhöhungen zu Bauzeitverschiebungen, zu teilweiser Überarbeitung fertiger und zur Verschiebung noch nicht begonnener Projekte.

Sächsisches Ministerium für Regionalentwicklung

Im Jahr 2021 hatte Dresden über die Sächsische Aufbaubank 25 Millionen Euro Fördermittel erhalten. Die sollten für mietpreis- und belegungsgebundenen Wohnraum eingesetzt werden. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Linke-Fraktion im Landtag vom Juni 2022 hervor. In seiner Antwort benannte das Sächsische Ministerium für Regionalentwicklung die Probleme beim Sozialen Wohnungsbau, nicht nur die der WiD.

"In der Stadt Dresden führen die steigenden Baukosten und Zinserhöhungen zu Bauzeitverschiebungen, zu teilweiser Überarbeitung fertiger und zur Verschiebung noch nicht begonnener Projekte", schrieb das Ministerium. Die WiD führe begonnene Projekte durch und habe noch nicht begonnene Bauarbeiten gestoppt. "Vonovia hat geplante Neubaumaßnahmen im sozialen Wohnungsbau (Blasewitzer Straße und Bergmannstraße) wegen gestiegener Baukosten gestoppt.

MDR (ama,wim)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 12. September 2022 | 10:00 Uhr

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