Weinlese Erste Trauben für Federweißer: Sachsens Winzer bereiten Ernte vor

In Sachsen beginnt in diesen Tagen die Weinlese. Das Sächsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth hat mit den Trauben für Federweißer begonnen. Kommende Woche werden Trauben für erste Weine geerntet. Die wochenlange Trockenheit bekommen auch die Winzer in ihren Rebflächen zu spüren.

Frau schneidet Weintrebe ab
Sophie Reuter ist Werkstudentin auf Wackerbarth und lernt im Rahmen ihrer Ausbildung auch die Traubenernte kennen. Bildrechte: Staatsweingut Schloss Wackerbarth

Sachsens Winzer bereiten sich auf die Weinlese vor. Das Staatsweingut Schloss Wackerbarth hat am Donnerstag die ersten Trauben für Federweißer geerntet. Der Most ist in wenigen Tagen trinkfertig und wird beispielsweise zu den Tagen des offenen Weinguts am 27. und 28. August ausgeschenkt. Anfang September beginnt die Lese von Keltertrauben für die Weinherstellung, wie ein Wackerbarth-Sprecher weiter mitteilte. Zuerst werden demnach Frühburgunder für Rosé und Goldriesling geerntet.

Hoflößnitz startet in der kommenden Woche

Im Radebeuler Stadtweingut Hoflößnitz soll ab nächster Woche erster Solaris für sortenreinen Wein gelesen werden, hieß es auf Anfrage. Anfang September folgen dann auch dort Goldriesling und Müller-Thurgau. Hitze und Dürre sorgten aktuell für Trockenstress bei den Reben, sagte Felix Hößelbarth, Weinbauchef in der Hoflößnitz und Vorstandsvorsitzender beim Weinbauverband Sachsen. Aus diesem Grund würden die Winzer den Ertrag besonders betroffener Rebstöcke nochmals reduzierten - also einige unreife Trauben abschneiden oder kümmerliche Triebe entfernen.

Prognose: Gut zwei Millionen Liter Sachsenwein

Hößelbarth geht davon aus, dass vom Jahrgang 2022 etwa zehn bis 20 Prozent weniger geerntet werde, als in "guten Jahren". Zwei bis 2,2 Millionen Liter prognostiziert der Weinbauverband fürs Anbaugebiet. Es könne ein Jahr für guten Rotwein werden.

Hößelbarth betont, es seien nicht alle Weinberge durch die Trockenheit in Mitleidenschaft gezogen. Manche Anlagen hätten sich auch gut entwickelt. Vor allem alte Rebstöcke haben mehrere Meter lange Wurzeln und versorgen sich mit Wasser aus der Tiefe. Durch die Trockenheit hatten die Winzer in diesem Sommer weniger Laubarbeit zu verrichten, weil die Reben weniger stark gewachsen sind. Zudem konnte auch beim Pflanzenschutz gespart werden, da für Pilzkrankheiten die Feuchtigkeit fehlte.

Jungreben leiden besonders unter Trockenheit

Winzer Ronny Koch aus Diera-Zehren betonte, dass Jungfelder ohne Bewässerung nicht mehr überleben könnten. Der Reifevorsprung in Altanlage liege aktuell bei zehn bis 14 Tagen, sodass Koch voraussichtlich in der ersten Septemberwoche mit der Ernte von Müller-Thurgau beginnen kann. Er bewirtschaftet im Nebenerwerb einen dreiviertel Hektar Rebfläche mit seinem Weingut "8 Zeilen" und ist Außenbetriebsleiter in einem großen Meißner Weinbaubetrieb.

Im Weingut Henke in Sörnewitz sollen in der kommenden Woche die ersten Trauben der frühreifen Sorte Perle von Zala geerntet werden. Daraus wird zunächst Federweißer für die Tage des offenen Weinguts. In den letzten Augusttagen sollen dann Tafeltrauben für Saft und zum Naschen für die Weingutsbesucher folgen, so Önologe Christian Henke.

Das größte private Weingut in Sachsen, Schloss Proschwitz, will in acht bis zehn Tagen mit der Ernte beginnen und zuerst die Sorten Frühburgunder und Goldriesling lesen. Der Ertrag werde "unter dem der Vorjahre" liegen, so eine Sprecherin. Auch auf Proschwitz würden die Rebstöcke durch Ausdünnen der Trauben und zusätzliche Laubarbeiten entlastet, hieß es.

vertrocknete Weinrebe
Jungreben ohne Bewässerung überstehen die trockenen und heißen Sommer mitunter gar nicht und gehen ein. Bildrechte: MDR/L. Müller

MDR (lam)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 18. August 2022 | 19:00 Uhr

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