Weißer Scherenschnitt von vier Weinblättern samt Stengel vor farbigem Hintergrund.
Der Scherenschnitt "Weinlaub" von Philipp Otto Runge gehört zu dem Konvolut, welches das Kupferstich-Kabinett jetzt erworben hat. Bildrechte: Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Grisebach GmbH

Scherenschnitte Staatliche Kunstsammlungen erwerben bedeutende Kunstwerke von Philipp Otto Runge

19. September 2023, 18:03 Uhr

Mit dem Erwerb von Scherenschnitten des frühromantischen Künstlers Philipp Otto Runge haben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eine Lücke in ihrem Bestand geschlossen. Runge war ein Zeitgenosse von Caspar David Friedrich und mit diesem im Austausch, ebenso mit Johann Wolfgang Goethe und Ludwig Tieck. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hat Runge einige für seine künstlerische Entwicklung prägende Jahre in Dresden verbracht.

Elf Scherenschnitte des norddeutschen Romantikers Philipp Otto Runge hat das Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) bei einer Auktion in Berlin erworben. Der Kauf erfolgte durch Eigenmittel und mit Unterstützung von Förderern.

Die neu erworbenen Kunstwerke werden erstmals ab dem 24. August 2024 in der Sonderausstellung "Caspar David Friedrich. Wo alles begann" anlässlich des 250. Geburtstags Friedrichs in Dresden zu sehen sein.

Mit dem Erwerb der Scherenschnitte schließe man "eine schmerzliche Lücke im Sammlungsbestand", teilte die SKD mit. Denn trotz seiner hohen Relevanz für die Dresdner Romantik sei Runges Schaffen im Bestand der SKD bisher kaum repräsentiert gewesen.

Weißer Scherenschnitt eines Veilchens vor farbigem Hintergrund.
Runge zeigt die Pflanzen – wie dieses Veilchen – teils naturalistisch, teils in einer Ornamentik der floralen Strukturen aus Blättern, Stengeln und Blüten. Bildrechte: Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Grisebach GmbH

Scherenschnitte von Pflanzen als Gleichnis

Seine Scherenschnitte zeigen verschiedene Pflanzen, darunter Veilchen, Weinlaub, Johannisbeere und ein Rosenzweig. Der Schönheit der Pflanzen in ihren vielfältigen Formen nachgehend, zeige der Künstler zugleich die Architektur ihrer organischen Bildungsgesetze, so die SKD. Aus der exakten Naturbeobachtung kommend unterwerfe der Scherenschnitt die Naturform einem Abstraktionsprozess.

Die Pflanze als Grundbaustein der Natur wird bei Runge zum Gleichnis eines göttlichen Schöpfungsplans.

Information der SKD zu den Scherenschnitten von Philipp Otto Runge

Die Direktorin des Kupferstich-Kabinetts, Stephanie Buck, gerät angesichts der Scherenschnitte ins Schwärmen: "Die haben eine konzeptionelle Qualität, eine Schönheit der Form. Und die haben diese unglaubliche Sinnlichkeit von Papier, was eben so ein Körper haben kann. Wenn der dann in Bewegung gerät, wie bei Runge, kann es schöner gar nicht sein." Schon als Kind hatte sich Runge mit Scherenschnitten beschäftigt und diese künstlerische Ausdrucksform, die zu seiner Zeit populär war, sein Leben lang verfolgt.

Zeitgenosse von Caspar David Friedrich

Gemeinsam mit dem Maler Caspar David Friedrich zählt Runge zu den Hauptvertretern der deutschen frühromantischen Kunst. Aus Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern stammend, traf er Friedrich erstmals in Greifswald.

Weißer Scherenschnitt eines Rosenzweigs vor farbigem Hintergrund. 4 min
Bildrechte: Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Grisebach GmbH

Prägende Jahre in Dresden

In Dresden hatte Runge an diese wichtige Begegnung mit Friedrich anknüpfen können, denn zwischen 1801 und 1804 hielt er sich für eine relativ kurze, jedoch für seine künstlerische Entwicklung prägende Zeit in der Elbestadt auf. Hier tauschte er sich zudem mit Johann Wolfgang von Goethe, dem Schriftsteller Ludwig Tieck oder dem Naturphilosophen Heinrich Steffens aus.

Der Maler Philipp Otto Runge wurde 23. Juli 1777 in Wolgast geboren. Er zählt gemeinsam mit Caspar David Friedrich (1774-1840) zu den Protagonisten der deutschen Frühromantik. Als Runges Hauptwerk gilt "Vier Tageszeiten", welches er als Symbolik für die vier Tages-, Jahres- und Lebenszeiten geschaffen hat. Runge starb am 2. Dezember 1810 im Alter von 33 Jahren in Hamburg.

Ein Besucher betrachtet das gemalte Selbstporträt des Künstlers Philipp Otto Runge
Selbstbildnis des Künstlers Philipp Otto Runge (1777-1810) Bildrechte: imago/Lars Berg

Quelle: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Munzinger Archiv, Kunsthalle Hamburg
Redaktionelle Bearbeitung: op

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur kompakt | 19. September 2023 | 15:30 Uhr

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