Darstellerinnen und Darsteller der Serkowitzer Volksoper in historischen Kostümen. 4 min
Als Sommertheater zeigt die Serkowitzer Volksoper das Stück "Kennst du das Land, wo die Optionen blühn?" Mehr dazu hören Sie im Audio. Bildrechte: Robert Jentzsch
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Bei der Serkowitzer Volksoper kommt jedes Jahr ein neues Stück auf die Bühne. 2024 ist es "Kennst du das Land, wo die Optionen blühn?". Für dieses Stand Erich Kästner Pate, der in diesem Jahr Jubiläum feiert.

MDR KULTUR - Das Radio Di 18.06.2024 19:37Uhr 04:07 min

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"Kennst du das Land, wo die Optionen blühn?" Serkowitzer Volksoper startet mit Erich Kästner in den Sommer

19. Juni 2024, 14:15 Uhr

Am Mittwoch bringt die Serkowitzer Volksoper in Dresden das Musiktheater "Kennst du das Land, wo die Optionen blühn?" auf die Bühne. Das Stückt ist angelehnt an Stoffe von Erich Kästner und verknüpft sie mit Musik von Mendelssohn-Bartholdy und Pink Floyd zu fünf Einaktern.

Auf der Sonnenseite des Lebens war für Dalg, kurz für den arbeitslosen Geiger, ganz offensichtlich kein Platz gewesen. In seinem abgewetzten Mantel wirkt der alte, ehemalige Fabrikarbeiter etwas verwahrlost, und wenn er sein Leben besingt, dann wundert man sich, wie er sich dennoch diese Zuversicht bewahren konnte, die immer wieder durchblitzt.

Eine Frau in Männerkleidung steht auf einer in blaues Licht getauchten Bühne und hält einen Blumenstrauß in der Hand
Szene aus dem Stück "Kennst du das Land, wo die Optionen blühn?", mit dem die Serkowitzer Volksoper in diesem Sommer die Bühne der Dresdner Saloppe bespielt. Bildrechte: Robert Jentzsch | www.rjphoto.de

Das Geheimnis liegt in seiner Geige, die er keinesfalls virtuos spielt, aber das Fiedeln macht ihn glücklich und lässt ihn den Entschluss fassen, auszuwandern und einen Neuanfang zu wagen. Das verbindet ihn mit den vier anderen Charakteren im neuen Stück der Serkowitzer Volksoper, die Erzählungen von Erich Kästner entlehnt sind – alle versammelt in dem Band "Der Herr aus Glas". Dieser habe als Inspiration gedient, verrät Dramaturg und Regisseur Wolf Dieter Gööck: "Wir sind da auf Sachen gestoßen, die wir nicht kannten und haben dort interessante Figuren und Biografien gefunden."

Erich Kästner als Inspiration für Sommertheater-Stück

Gööck selbst schlüpft auf der Bühne in die Rolle des Sonderlings Johann Baptist Krügel und erzählt dort von den Nöten und Sehnsüchten der kleinen Leute im Deutschland der 1930er- und 1940er-Jahre. Dass Dresden gerade Kästner-Jahr feiert, habe aber bei der Textauswahl keine Rolle gespielt. Man habe Kästner gewählt aufgrund seines Tons, seiner Sensibilität und seiner Herzenswärme. "Das haben wir uns sehr gern zu eigen gemacht, um dann seine Figuren weiterzuentwickeln für dieses Stück."

Erich Kästner
Die Serkowitzer Volksoper feiert mit dem Stück Erich Kästner und seine lebensnahen Figuren. Bildrechte: picture alliance/dpa

Generationenwechsel an der Serkowitzer Volksoper

Fünf Einakter sind daraus entstanden, fünf die Schauspielerinnen und Schauspieler fordernde Soloparts. Ungewöhnlich für die Serkowitzer Volksoper, bei der sich bisher feinsinniger Humor und virtuoses Komödiantentum zuallererst im Zusammenspiel entfalten konnten. Aber es ist auch eine ungewöhnliche Saison, denn es wird die letzte sein von Wolf-Dieter Gööck. Ein Regieteam soll dem 70-Jährigen nachfolgen.

"Die jüngere Generation, die dann nachwachsen wird, muss auf der einen Seite die Freiheit haben, sich selber zu entwickeln, und auf der anderen Seite ist es uns wiederum wichtig, dass diese Leute aus der Truppe kommen", erklärt Gööck. Mit den Jahren habe sich eine Handschrift und ein Stil entwickelt, der die Truppe präge. "Es ist uns schon wichtig, dass uns das erhalten bleibt", so der Regisseur, der die Musiktheatergruppe zusammen mit dem Dirigenten Milko Kersten gegründet hat.

Auf einer Bühne,  stehen fünf Personen
Wolf-Dieter Gööck (Bildmitte) verabschiedet sich mit der aktuellen Inszenierung als Regisseur der Serkowitzer Volksoper. Bildrechte: Robert Jentzsch | www.rjphoto.de

Sie sind die Köpfe der Serkowitzer Volksoper – Wolf-Dieter Gööck als Texter und Milko Kersten, der das Ganze neu instrumentiert zu einer anspruchsvollen und gleichzeitig für jeden zugänglichen Crossoper. Bereits Ende der 1990er-Jahre haben sie gemeinsam so genannte OFF-Opern inszeniert, unter anderem für den Cottbuser Opernsommer. Als der eingestellt wurde, war das 2011 die Geburtsstunde der Serkowitzer Volksoper.

Oper mit Musik von Mendelssohn-Bartholdy bis Pink Floyd

Der musikalische Leiter Milko Kersten hat für das Stück "Kennst du das Land, wo die Optionen blühn?" Kästners Texte und Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Paul Aron, Rosy Wertheim und nicht zuletzt Pink Floyd geschmeidig miteinander verwoben. Und er hat für jeden Charakter einen eigenen, unverkennbaren Sound kreiert.

Wenn sich am Ende der Geschichte die fünf Charaktere des Stücks am Hafenbecken getroffen haben werden, um gemeinsam einen Passagierdampfer, vermutlich in Richtung Amerika, zu besteigen, tritt zu Erich Kästner dann noch ein anderer Jubilar ins Spiel – nämlich Immanuel Kant. Der Philosoph ist aus Sicht von Milko Kersten hochaktuell: Kant zeige, dass man in einer Gesellschaft leben könne, wo man unterschiedlicher Meinung sein und trotzdem friedvoll miteinander leben könne.

Auf einer Bühne singen und spielen zwei Musikerinnen und zwei Musiker in Matrosenkleidung
Das musikalische Spektrum der Sommerproduktion "Kennst du das Land, wo die Optionen blühn?" reicht von Felix Mendelssohn-Bartholdy über Rosy Wertheim und Hermann Leopoldi bis hin zu Dave Brubeck und Pink Floyd. Bildrechte: Robert Jentzsch | www.rjphoto.de

Damit ist die Serkowitzer Volksoper wieder ganz bei sich, wenn sie, wie immer in den letzten Jahren, gesellschaftliche Debatten in ihren Stücken aufgreift, und nicht von ungefähr endet das Stück schließlich im hellsten F-Dur: F wie Freiheit eben.

Weitere Informationen

"Kennst du das Land, wo die Optionen blühen?"
Sommerproduktion der Serkowitzer Volksoper

Saloppe Dresden
Brockhausstraße 1, 01099 Dresden

Termine:
19. Juni, 19:30 Uhr (Premiere)
23. Juni, 15 Uhr
23., 24. und 26. Juni, jeweils 19:30 Uhr
11., 18. August, jeweils 15 Uhr
11., 12., 18. und 19. August, jeweils 19:30 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Morgen | 19. Juni 2024 | 07:40 Uhr

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