Eine Lehrerin schreibt in einer Grundschule Wörter mit «Sp» am Anfang an eine Tafel.
In Sachsen wird im nächsten Schuljahr die Arbeitszeit von Lehrkräften untersucht - mehr als 4.000 Lehrerinnen und Lehrer wurden dafür ausgewählt. Bildrechte: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Schule Studie soll klären: Wie viele Stunden arbeiten Lehrer in Sachsen?

30. Mai 2024, 16:40 Uhr

In Sachsen arbeiten Lehrkräfte nach einer Studie der GEW häufig am Limit. Eigentlich sollten sie im Schnitt 40 Stunden die Woche arbeiten. Doch immer neue Aufgaben führen zu einer höheren Belastung. Das Kultusministerium will es genau wissen und hat dazu eine Studie zur Arbeitszeit der Lehrkräfte in Auftrag gegeben.

Die genaue Arbeitszeit von Lehrerinnen und Lehrern in Sachsen zu erfassen, ist schwer. Es gibt feste Unterrichtsstunden – in Sachsen sind das bei einer Vollzeitstelle an Oberschulen und Gymnasien 26. Doch Unterrichten spiegele nur den sichtbaren Teil der Lehrerarbeitszeit wider, sagte Sachsens Kultusminister Christian Piwarz. Der Rest, wie Zeit für Vor- und Nachbereitung oder anderes, liege in einer "Black Box".

Wir wissen nicht hundertprozentig, wie es ist, haben nur Vermutungen und Annahmen aus Gesprächen mit Lehrkräften.

Christian Piwarz (CDU) Kultusminister Sachsen

4.500 Beschäftigte an Schulen sollen sich beteiligen

Prognos hat dafür insgesamt 4.100 verbeamtete und angestellte Lehrkräfte mit verschiedenen Arbeitszeitmodellen ausgewählt – aus alle Schularten. Das entspricht etwa 15 Prozent der Lehrerschaft, wie Projektleiterin Kristina Stegner sagte. Auch 410 Schulleitungen würden sich beteiligen. Die durch eine zufällige Stichprobe ausgesuchten Teilnehmer wurden darüber laut Kultusministerium bereits per Post informiert.

Stichprobenhaft ausgewählte Lehrkräfte und Schulleiter nach Schularten
Schulart Lehrkräfte Teilzeit Lehrkräfte Vollzeit Lehrkräfte gesamt Schulleiter gesamt
Grundschulen 487 684 1.171 200
Oberschulen 353 610 963 90
Gymnasien 403 641 1.044 50
Berufsbildende Schulen 135 360 495 25
Förderschulen 110 312 422 45
Gesamt 1.487 2.606 4.094 410

Quelle: Kultusministerium Sachsen

Laut Piwarz geht es darum, Ressourcen auszumachen und Arbeitsabläufe zu verbessern. Die Frage sei etwa, ob alles, was die Lehrer tun, auch von einem Lehrer getan werden müsse oder ob das auch jemand anderes machen könne. 

Arbeitszeiterfassung beginnt in der letzten Ferienwoche

Dazu tragen die Ausgewählten ab der letzten Sommerferienwoche bis zum Schuljahresende 2024/2025 täglich in ein Online-Formular ihre Arbeitszeit ein und wofür diese jeweils eingesetzt wird - nach einem wissenschaftlich erarbeiteten Katalog, wie Projektleiterin Stegner sagt. Mit Interviews solle zusätzlich die subjektive Belastung erfragt werden, vor allem zu besonderen Zeitpunkten wie Prüfungs- und Korrekturzeiten. 

Leeres Klassenzimmer
In der letzten Ferienwoche sind die Lehrkräfte in der Regel schon in Konferenzen mit der Vorbereitung des neuen Schuljahres beschäftigt. Bildrechte: IMAGO/Michael Weber

Kultusminister Piwarz hofft für 2025 auf erste Ergebnisse der Studie, aus der auch Handlungsempfehlungen abgeleitet werden. Bisherige Untersuchungen dieser Art basierten auf Freiwilligkeit, sagte er. "Wir wollen eine breite und valide Datenlage zur Arbeitsbelastung beruflicher Lehrkräfte." Eine solche "grundhafte" repräsentative Analyse sei bundesweit einmalig. Die Kosten für die Untersuchung bezifferte das Ministerium auf rund 540.000 Euro.

GEW: Arbeitszeit von Lehrkräften keine "Black Box"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Sachsen widerspricht dem Minister. "Die Behauptung, die Arbeitszeit von Lehrkräften sei eine Black Box, ist schlicht falsch", erklärte Landesvorsitzender Burkhard Naumann. Er verweist auf eine von der GEW in Auftrag gegebene Studie, die ihrer Ansicht nach die Überlastung von Lehrkräften wissenschaftlich belegt. Von der neuen Studie verspricht sich Naumann zwar "noch mehr Erkenntnisse", das Kultusministerium müsse aber "endlich für mehr Entlastung sorgen", so Naumann.

Nach der GEW-Studie, die 2022 von der Universität Göttingen erstellt wurde, arbeite ein Drittel der Vollzeitkräfte über 48 Stunden pro Woche. "Zentrale Treiber der Mehrarbeit sind neue und zusätzliche Aufgaben." Für die ausgewählten Lehrerinnen und Lehrer sei die Teilnahme an der Studie zudem eine Mehrbelastung, für die sie finanziell oder zeitlich entschädigt werden müssten.

Lehrerverband: Studie kann mit Klischees aufräumen

Der Sächsische Lehrerverband sieht in der Arbeitszeitstudie dagegen "die einmalige Chance", die tatsächliche Belastung der Lehrkräfte sichtbar zu machen, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende René Michel. Die Studie biete auch bundesweit einmalig die Möglichkeit, "mit Klischees aufzuräumen und zu zeigen, wie viel Lehrkräfte arbeiten und welche Belastungen im Schulalltag vorherrschen". Mit einer regelmäßigen Arbeitszeiterfassung habe das allerdings nichts zu tun. Michel sieht aber auch Nachbesserungsbedarf bei der geplanten Studie. Im Gespräch mit dem MDR sagte er, das Erfassungstool habe seiner Meinung nach Schwachstellen. Als Beispiele nannte er Bedienungsfreundlichkeit und Anwendung.

MDR (kbe)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 30. Mai 2024 | 19:00 Uhr

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