Leipziger Stadtrat Straße vor Russischem Konsulat in Leipzig wird nach Ukrainer benannt

11. November 2022, 04:00 Uhr

Neben Sanktionen, Waffenlieferungen und Demonstrationen gegen den russischen Krieg in der Ukraine gibt es eine weitere Form des Protest: Die Umbennung von Straßen. Deshalb bekommt das Russische Generalkonsulat in Leipzig nun einen neuen Straßennamen. Der Stadtrat beschloss die Umbenennung in "Boris-Romantschenko-Straße". Der ukrainische Holocaust-Überlebende (96) war im März in seiner Heimat Charkiw getötet worden.

Die Straße, in dem das Russische Generalkonsulat in Leipzig-Gohlis seinen Sitz hat, wird nach einem Ukrainer benannt. Der Leipziger Stadtrat hat am Mittwoch bei einer Sitzung beschlossen, die Turmgutstraße in Boris-Romantschenko-Straße umzubenennen.

Damit entsprach die Ratsversammlung einem Antrag der Linken. Dieser bekam 33 Ja-Stimmen, darunter auch von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Dagegen votierten 17 Abgeordnete, zudem gab es drei Enthaltungen.

Boris Romantschenko
Boris Timofejvij Romantschenko, Überlebender der Konzentrationslager Buchenwald, Peenemünde, Dora und BergenBelsen, steht am 17.04.2011, während der Gedenkfeiern zum 66. Jahrestag der Befreiung des Nazi Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar auf dem ehemaligen Lagergelände. Bildrechte: IMAGO/photo2000

Buchenwald-Überlebender stirbt im Krieg gegen die Ukraine

Boris Romantschenko starb mit 96 Jahren im März 2022 nach einem russischen Raketenangriff auf sein Wohnhaus im ukrainischen Charkiw. Vor 80 Jahren war er mit 16 Jahren zur Zwangsarbeit nach Dortmund verschleppt worden und überlebte insgesamt vier Aufenthalte in Konzentrationslagern der Nationalsozialisten. Später setzte sich der Ingenieur für die Aufklärung der Nazi-Verbrechen ein und fungierte als Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora. Nach seinem gewaltsamen Tod im Krieg gegen die Ukraine im Frühjahr gedachte ihm der Bundestag mit einer Schweigeminute.

Linke: "Ein wichtiges Zeichen"

Für die Linken begründete Beate Ehms, die Vorsitzende des städtischen Petitionsausschusses, den Umbenennunsantrag in Leipzig: "Wir wissen, dass diese Umbenennung den Krieg nicht beendet. Aber es ist ein wichtiges Zeichen, dass wir den russischen Angriffskrieg auf die Souveränität der Ukraine aufs Allerschärfste verurteilen. Dass wir nicht wegschauen, wenn Kriegsverbrechen geschehen. Die Lage in der Ukraine ist furchtbar. Straßen werden im Zuge bedeutender geschichtlicher Entwicklungen umbenannt. Solche Zeichen sind in dieser Zeit sehr wichtig."

Ehms verwies auf ähnliche Aktionen in Kanada, Norwegen, Tschechien, Lettland und Albanien. In Prag firmiert die russische Botschaft nun unter "Straße der ukrainischen Helden", in Tirana wurde die Straße mit den Botschaften von Russland und der Ukraine in "Free Ukraine" umbenannt.

AfD: "Ausgesprochener Unfug"

Der AfD-Fraktionsvorsitzende Siegbert Droese betrachtete den Antrag als "ausgesprochenen Unfug". Die Umbenennung beurteilte er als "rein ideologisch motiviert, der Russenhass ist in Mode". In der Turmgutstraße zeige sich zudem "Leipziger Geschichte von seiner besten Seite". Er verwies auf einen Bezug zum Gohliser Schlösschen. Droese trat dafür ein, den "sehr guten Vorschlag" mit Boris Romantschenko in den offiziellen Namensvorrat für künftige Straßenbennennungen in der Stadt aufzunehmen.

Petition auf Selenskyjstraße gescheitert

Zuvor hatte es bereits im Mai 2022 eine Petition gegeben, die Turmgutstraße in Selenskyjstraße umzubenennen. Diese war mit Hinweis darauf, dass die Stadt Straßen nicht nach lebenden Personen umbenenne, wie in dem Fall dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, abgelehnt worden. Damals wurde argumentiert, dass der Namensgeber einer Leipziger Straße fünf Jahre lang tot sein sollte.

MDR (cke)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 10. November 2022 | 13:00 Uhr

Mehr aus der Region Leipzig

Sachsen

Foto zeigt eine Diskussionsrunde zum Thema "Reform. Reform! Reform?" auf den Medientagen Mitteldeutschland in Leipzig. mit Audio
Dass eine Reform der Öffentlich-Rechtlichen kommen wird und nicht mehr aufzuhalten ist, darüber waren sich alle Diskutierenden beim Abschlusspanel der Medientage Mitteldeutschland einig: Prof. Dr. Kai Gniffke, Prof. Dr. Annika Sehl, Dr. Norbert Himmler, Moderatorin Michaela Kolster, Birgit Diezel und Oliver Schenk (v.l.n.r.). Bildrechte: MDR | MEDIEN360G | Jana Maier

Mehr aus Sachsen