Schleppende Ermittlungen 50 Frauen erheben Porno-Vorwürfe gegen DJ aus Leipzig

Fotos von sich und der Familie an Freunde und Bekannte zu schicken oder gar ins Internet zu stellen, ist heutzutage das Normalste von der Welt. Leider werden solche Bilder auch missbraucht. Landen ohne das Wissen der Abgebildeten im Netz, werden auf einschlägigen Pornoseiten hochgeladen. Die Betroffenen haben es dann oft schwer, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, wie ein Fall aus Leipzig zeigt.

Illustration - Ein Mann schaut sich auf einem Smartphone pornografische Bilder an.
Private Fotos werden aus dem Kontext gerissen und stehen plötzlich online neben Nacktbildern von Darstellerinnen und Darstellern aus der Porno-Szene. Ein Albtraum für die Betroffenen. In so einem Fall spricht man von "non-consensual-porn". Bildrechte: dpa

Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelt seit einem Jahr gegen einen Leipziger DJ wegen der Verbreitung pornografischer Schriften. Der Mann soll Fotos von 50 Frauen ohne deren Wissen auf eine Pornoseite im Internet hochgeladen haben. An die Öffentlichkeit gelangte der Fall allerdings erst jetzt, da sich die Frauen entschlossen, ihre Erfahrung auf der Internetseite "Our bodies, not yours" ("Unsere Körper, nicht deiner") zu teilen.

Bilder teilweise zehn Jahre alt

Vor einem Jahr erhielt eine der betroffenen, Mandy, einen Anruf von einem Freund. Er habe Bilder von ihr auf einer Pornoseite entdeckt. Ein Schock für Mandy.

Ich dachte, kann ja gar nicht sein, weil, ich habe ja solche Fotos nicht.

Mandy Betroffene in dem Missbrauchsfall

Sie achte immer darauf, welche Fotos von ihr online gehen, erzählt sie MDR SACHSEN. Bei der Überprüfung, was auf dem einschlägigen Internetportal zu sehen war, stellte sich heraus, dass es ganz normale Bilder ihrer Online-Profile waren. "Die waren teilweise eben auch schon über zehn Jahre alt, also noch von StudiVZ", berichtet sie. Für Mandy war klar, derjenige, der die Bilder hochgeladen hatte, muss mit ihr bekannt sein. Denn die alten Bilder aus Studientagen waren verschlüsselt hinterlegt.

50 Frauen, ein Täter

Bei den weiteren Recherchen fand Mandy dann auch Fotos von anderen Bekannten, die wiederum andere auf den Seiten entdeckten. Die Betroffenen tauschten sich aus und relativ schnell war klar, dass sie alle einen gemeinsamen Bekannten haben. Der Ex-Freund, der flüchtige Bekannte, der beste Kumpel.

Bei einigen war er lose bekannt. Bei mir war es einer meiner besten Freunde. Den Antrieb können wir bis heute nicht verstehen.

Mandy Betroffene in dem Missbrauchsfall

Auf den Fotos sind die Frauen teilweise in normalen Alltagssituationen zu sehen. In einem Fall soll eine Frau heimlich beim Schlafen teilweise nackt aufgenommen worden sein. Auch persönliche Daten waren auf der Pornoseite zu finden.

Entwürdigend seien vor allem die Kommentare der Nutzer der Pornoseiten, erklärt Mandy. Dort habe man sich mit perversen Fantasien regelrecht in Rage geredet, heißt es auf der Internetseite der Betroffenen. Man sei von non-consensual-porn ("Pornographie ohne Einverständnis") betroffen.

non-consensual-porn  Von "Pornographie ohne Einverständnis" sind meist Frauen betroffen. Die Täter sind in der Regel Männer, die willkürlich Selfies, Bikini-, Sex- oder Nacktfotos und sogar persönliche Daten, ohne jeglichen Rechtsanspruch, auf Porno-Seiten stellen. Einige Täter benutzen das sogenannte "exposen" als Racheakt (revenge-porn genannt), andere kennen die Frauen gar nicht und handeln nur zum Vergnügen. Quelle: our bodies, not yours

Datenträger sichergestellt

Nach Beratung durch eine Anwältin erstatteten alle 50 Frauen Anzeige. Die Ermittlungen gehen aber nur schleppend voran, trotz der Wohnungsdurchsuchung beim mutmaßlichen Täter, einem 36-jährigen DJ aus Leipzig. Auf Nachfrage teilte die Staatsanwaltschaft schriftlich mit, dass insbesondere die sichergestellten Datenträger noch weiter gesichtet und ausgewertet werden müssen.

Derzeit kann auch noch nicht abgeschätzt werden, wann und mit welchem Ergebnis die Ermittlungen abgeschlossen sein werden.

Staatsanwaltschaft Leipzig

Die Betroffenen hoffen nach einem Jahr des Wartens endlich auf eine juristische Aufarbeitung und auf die Verurteilung des Mannes. Gleichzeitig unterstützen sie auf ihrer Internetseite eine Petition anderer betroffener Frauen, die vom Gesetzgeber fordern, den Missbrauch von Daten auf Porno-Plattformen zu verfolgen.

Quelle: MDR (bb/Sylvia Stadler)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Radioreport | 13. Dezember 2021 | 18:05 Uhr

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