Eine Kabarett-Vorstellung
Lachen gegen die Krise(n) - in Leipzig startet am Sonntag die 32. Lachmesse. Bildrechte: IMAGO / HMB-Media

Lachmesse Kabarettist: Das Publikum lacht wegen der Krisen deutlich aggressiver

14. Oktober 2022, 09:35 Uhr

Lachen ist besonders in Krisenzeiten eine gute Medizin, erklärt Hans Pfeifer, Vorstand des Leipziger Humor- und Satire-Festivals. Am Sonntag startet die Lachmesse in Leipzig mit 74 Veranstaltungen.

Früher war die Bude voll, nun fehlt dem Publikum des Leipziger Kabaretts Sanftwut das Geld. Auch die Corona-Pandemie ist längst nicht in Vergessenheit geraten. Viele Vorstellungen seien deshalb nur halb besetzt - auch sonst seien die Zeiten auf der Kleinkunstbühne andere: "In all diesen Krisen musst du nur eine leise Andeutung machen, einen dezenten Hinweis geben, schon lacht das Publikum - und das deutlich aggressiver als davor", sagt Thomas Störel, der gemeinsam mit seiner Kollegin Uta Serwuschok seit Jahrzehnten als Moni und Manni auf der Bühne steht. Die, die kämen, seien mit vollem Herzen da.

Publikum genießt das Lachen

Trotz leerer Ränge und bedrückender Weltlage freue sich das Publikum über Unterhaltung und genieße das Lachen. Die Zuschauerinnen und Zuschauer seien deutlich besser informiert und auf ganz andere Weise involviert, sagt Störel: "Das Ventil ist krass, deswegen freuen sie sich auf Abende im Kabarett." Es habe Vorstellungen gegeben, während derer der eine zu laut geklatscht und der andere zu laut gelacht habe: "Und da hat der eine den anderen dann auch mal laut angemacht, weil er seine Meinung nicht teilte", erklärte der Lehrer und Kabarettist.

Lisa Eckhart
In Leipzig startet am Sonntag die Lachmesse. Zu Gast sein wird auch die Kabarettistin Lisa Eckhart. Bildrechte: imago images/Stefan Schmidbauer

Viel Meinung zu aktuellen Themen

Weil ihr Alltag durch politische Maßnahmen stark beeinflusst sei, habe jeder und jede eine Meinung zu aktuellen Themen, Problemen und Politikern. Lachen sei gerade in Krisenzeiten der Vergangenheit eine gute Medizin gewesen, sagt der Vorstand des Leipziger Humor- und Satire-Festivals, Harald Pfeifer. "Lachend können doofe, schlechte, gruselige Dinge behandelt werden, ohne an den Tatsachen vorbeizugehen und ohne dass man daran kaputt geht." So seien Kabaretts beispielsweise zu DDR-Zeiten gern besucht worden, weil auf der Bühne Dinge ausgesprochen wurden, die sonst nicht laut gesagt werden durften.

Auf der kleinen Bühne werde schon immer viel gewettert und von einer Welt geträumt, die es so nicht gibt, erinnert sich Pfeifer. "Insofern ist die Katastrophe ja eigentlich der Nährboden des Kabaretts", sagt Pfeifer. Für Träumerei und lautes Lachen bietet die Leipziger Lachmesse im Oktober deshalb trotz schwieriger Zeiten eine gute Gelegenheit.

Humor- und Satirefestival "Lachmesse" in Leipzig

Das 32. Internationale Humor- und Satirefestival "Lachmesse" startet am Sonntag in Leipzig. Vom 16. bis 23. Oktober sind zu 74 Veranstaltungen etwa 120 Künstlerinnen und Künstler aus zwölf Ländern zu erleben. Der Schwerpunkt der Veranstaltung liegt laut Pfeifer auf politischem Kabarett. Darüber hinaus gibt es aber auch Poetry-Slams, Lieder, Musik, Clownerie und Puppenspiel. Michael Hatzius mit seiner Echse solle die Auszeichnung "Leipziger Löwenzahn" bekommen.

Die "Lachmesse" versteht sich vor allem als Kleinkunstfestival und will jedes Jahr in der kleinen Form einen Überblick zu Trends und Neuheiten geben. In diesem Jahr sind unter anderem Alfons, Thomas Freitag, Horst Evers und Lisa Eckhart dabei.

MDR (dpa/tom)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15. Oktober 2022 | 09:10 Uhr

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