Hintergrund Betrug und Bestechlichkeit: Die Causa Udo Foht

16. September 2022, 08:40 Uhr

Seit Anfang September muss sich der ehemalige MDR-Unterhaltungschef Udo Foht vor Gericht verantworten - mehr als zehn Jahre nach Bekanntwerden der Vorwürfe. Dem 71-Jährigen werden Betrug, Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung zur Last gelegt.

Die Vorwürfe gegen den inzwischen 71-jährigen Udo Foht wiegen schwer: Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren TV-Unterhaltungschef in 13 Fällen Betrug vor. Hinzu kommen Vorwürfe der Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für den MDR. Die Vorwürfe beziehen sich laut Anklage auf die Jahre 2006 bis 2011.

Worum geht es konkret bei den Vorwürfen?

"Er soll von verschiedenen Bekannten Gelder erlangt und erhalten haben, ohne diese zurückzuzahlen", sagte der Vizepräsident des Landgerichts Leipzig, Johann Jagenlauf, MDR SACHSEN. Die Höhe des entstandenen Schadens sei schwer zu beziffern, sie liege schätzungsweise bei einer Viertelmillion Euro. Entweder sollten die Summen durch höhere Rechnungen an den MDR abgegolten oder gar nicht zurückgezahlt werden. Zudem soll Foht den Geschädigten künftige TV-Produktionen in Aussicht gestellt haben.

Was ist vom Prozess um Udo Foht zu erwarten?

Der ehemalige Unterhaltungschef muss sich vor dem Landgericht in Leipzig in einem Strafprozess verantworten. Er hat am 1. September 2022 begonnen. 19 Verhandlungstage sind eingeplant. Das Landgericht will 16 Zeugen laden, die als Beteiligte und/oder Betroffene aussagen sollen. Darunter sollen auch wichtige Manager aus der Schlagerbranche sein.

Warum startet der Prozess erst elf Jahre später?

Der MDR hatte Foht nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Jahr 2011 gekündigt. Der frühere TV-Manager hatte sich damals nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. In der Zwischenzeit hatte es aber bereits einen Arbeitsprozess gegeben. Dieser endete mit einem Vergleich.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat laut Jagenlauf "umfangreich ermittelt" und wollte zunächst 2017 den Prozess eröffnen. Doch Foht sei zwischenzeitlich verhandlungsunfähig gewesen.

Weshalb ist die einstige MDR-Direktorin Ines Hoge-Lorenz vor dem Prozess zurückgetreten?

Die MDR-Landesfunkhausdirektorin in Sachsen-Anhalt, Ines Hoge-Lorenz, ist in der Woche vor dem Strafprozess gegen Foht von ihrem Amt zurückgetreten. Hoge-Lorenz begründete ihren Schritt damit, die berufliche Verstrickung ihres Ehemannes in der Foht-Affäre nicht transparent angegeben zu haben: "Ich habe es vor meinem Amtsantritt als Landesfunkhausdirektorin Sachsen-Anhalt versäumt, klar darüber zu informieren, dass mein Ehemann vor über zehn Jahren in der Causa Foht eine Rolle gespielt hat."

In einer persönlichen Erklärung teilte Hoge-Lorenz weiter mit, ihr Ehemann habe 2015 Verantwortung für sein damaliges Handeln übernommen und eine Geldstrafe akzeptiert. "Ich war davon ausgegangen, dass mit der Geldstrafe 2015 die Sache für uns erledigt ist", heißt es weiter. Vor einigen Wochen habe ihr Ehemann eine Ladung zum Prozess gegen Foht erhalten - das habe sie nicht direkt transparent gemacht.

Abschließend schreibt Hoge-Lorenz in ihrer Erklärung, die Intransparenz in diesem Fall sei in ihrer "herausgehobenen Position, Verantwortung und öffentlichen Wirkung" ein gravierendes Versäumnis. "Ein Amtsverbleib als Direktorin würde sowohl meinem Berufsethos als auch meinem Verständnis von Führungsverantwortung in einer so exponierten Position nicht entsprechen", heißt es abschließend.

Ines Hoge-Lorenz
Die ehemalige Landesfunkhausdirektorin, Ines Hoge-Lorenz ist erst jüngst von ihrem Amt zurückgetreten. Bildrechte: MDR/Steffen Junghans

Wie sieht der MDR den Strafprozess?

Der juristische Direktor des MDR, Jens-Ole Schröder, sagte, der MDR sei froh, dass die Vorwürfe gegen Udo Foht nun auch einen strafrechtlichen Abschluss finden. "Der MDR selbst hat die Vorgänge umfassend und zügig aufgeklärt und in Folge auch mit der Staatsanwaltschaft kooperiert." Arbeitsrechtliche Konsequenzen seien rasch gezogen worden. Der MDR habe Schadenersatzansprüche durchgesetzt. Außerdem habe der MDR die Geschehnisse zum Anlass genommen, um ein modernes und umfassendes Compliance Management System einzuführen, so Schröder. Damit sollen Regeln gelebt und eingehalten werden.

Nicht der einzige Skandal innerhalb des MDR

Der Foht-Skandal war damals ein weiterer Skandal innerhalb des MDR. Bereits 2005 war ein früherer Sendersportchef unter Korruptionsverdacht fristlos entlassen worden. Außerdem flog 2010 ein Betrugsskandal beim Kindersender KiKA auf, bei dem ein Herstellungsleiter über Scheinrechnungen mehrere Millionen Euro abgezweigt hatte.

MDR (phb/kk)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 01. September 2022 | 09:00 Uhr

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