Landgericht Leipzig Prozess gegen ehemaligen MDR-Unterhaltungschef kurz nach Auftakt unterbrochen

Mehr als zehn Jahre nach Bekanntwerden der Vorwürfe muss sich der ehemalige MDR-Manager Udo Foht seit Donnerstag vor dem Leipziger Landgericht verantworten. Foht werden Betrug, Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Der erste Verhandlungstag war allerdings nur von kurzer Dauer.

Ein älterer Mann mit Pferdeschwanzfrisur steht zwischen zwei jüngeren Männern. Alle drei tragen Anzüge und Brillen.
Seit Donnerstag steht der ehemalige MDR-Manager Udo Foht (Mitte) in Leipzig vor Gericht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Donnerstag hat am Landgericht in Leipzig der Strafprozess gegen den ehemaligen MDR-Unterhaltungschef Udo Foht begonnen. Der 71-Jährige muss sich wegen Betrugs, Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung verantworten.

Anklage vor Gericht verlesen

Zum Prozessauftakt am Vormittag verlas die Staatsanwaltschaft die Anklage. Sie wirft Foht vor, zwischen 2006 und 2011 von verschiedenen Bekannten Gelder bekommen und diese nicht zurück gezahlt zu haben, sagte der Vizepräsident des Landgerichts Leipzig, Johann Jagenlauf, MDR SACHSEN am Mittwoch. Die Schadenssumme sei schwer festzustellen, liege aber bei etwa 250.000 Euro.

Ein Mann mit Brille und in Richterrobe sitzt an einem Schreibtisch und macht sich Notizen.
Nach Verlesung der Anklage unterbrach der vorsitzende Richter die Verhandlung. Sie soll am Freitag fortgesetzt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Verhandlung zu Beginn unterbrochen

Nach Verlesung der Anklage wurde die Verhandlung am Landgericht unterbrochen. Nach MDR-Informationen informierte das Gericht die Schöffen über die Möglichkeit einer Verständigung. Damit könnten die Vorwürfe der Steuerhinterziehung und Untreue fallen gelassen werden, wenn sich der Angeklagte geständig zeigt.

"Verständigung" vor Gericht Eine sogenannte "Verständigung" im juristischen Sinn ist eine Möglichkeit der deutschen Strafprozessordnung, ein Verfahren zu beschleunigen. Darin können sich Gericht und der Angeklagte über den weiteren Fortgang und das Ergebnis des Verfahrens verständigen. So sollen Ressourcen geschont und die Hauptverhandlung verkürzt werden. Voraussetzung ist in der Regel ein Geständnis des Angeklagten.

Foht müsste nach Informationen eines MDR-Reporters bei einem Geständnis zum Tatbestand des Betrugs mit einer Höchststrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung und einer Mindeststrafe von einem Jahr auf Bewährung rechnen.

Es habe bereits ein entsprechendes Vorgespräch mit der Staatsanwaltschaft und Fohts Anwälten gegeben, so das Gericht. Die Staatsanwaltschaft habe Zustimmung signalisiert. Fohts Anwälte sagten im Gericht, sie hätten noch etwas Beratungsbedarf.

Fortsetzung für Freitag geplant

Die für Donnerstag geladenen Zeugen wurden nach MDR-Informationen zunächst ausgeladen. Der Prozess soll am Freitag fortgesetzt werden.

Im Zusammenhang mit dem Fall Foht ist am vergangenen Freitag die MDR Landesfunkhausdirektorin in Sachsen-Anhalt, Ines Hoge-Lorenz, von ihrem Amt zurückgetreten. Sie begründete ihren Schritt mit Verwicklungen ihres Mannes in die Foht-Affäre, die sie nicht transparent gemacht habe. In einer persönlichen Erklärung teilte Hoge-Lorenz mit, ihr Ehemann habe 2015 Verantwortung für sein damaliges Handeln übernommen und eine Geldstrafe akzeptiert. Vor einigen Wochen habe er eine Ladung zum Prozess gegen Foht erhalten - das habe sie gegenüber dem MDR nicht direkt transparent gemacht.

MDR (ben)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 01. September 2022 | 09:00 Uhr

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