Tarifkonflikt IG Metall droht mit Warnstreik bei Logistikfirma Schnellecke in Sachsen

Die IG Metall droht mit Warnstreik bei Schnellecke in Sachsen. Das kann sich auf die Produktion bei Volkswagen auswirken. Sachsens Wirtschaftsminister Dulig verlangt unterdessen mehr Tariflohn in Sachsen. Nicht einmal die Hälfte aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeitet den Angaben zufolge tarifgebunden. Jahrzehntelang warb Sachsen für sich als Wirtschaftsstandort mit niedrigem Lohnniveau.

Ein Streikender hält während eines Warnstreiks eine Fahne der IG-Metall Schweinfurt.
Die IG Metall hat zu Warnstreiks an vier Standorten des Logistikers Schnellecke in Sachsen aufgerufen. Bildrechte: dpa

Die Beschäftigten des Logistikunternehmens Schnellecke sind ab Donnerstag in Sachsen zum Warnstreik aufgerufen. Wie die Gewerkschaft IG Metall MDR SACHSEN mitteilte, sind zunächst die Unternehmensstandorte in Leipzig und bei Volkswagen in Zwickau betroffen. Am Freitag sollen demnach die Beschäftigten in Glauchau folgen. Außerdem sei für den Dresdner Standort ein Warnstreik geplant. Nach Angaben der IG Metall hat die Arbeitgeberseite bis Mittwoch kein verbessertes Tarifangebot vorgelegt. Mit den Warnstreiks solle nun der Druck erhöht werden.

Die Firmengruppe Schnellecke hatte bereits Mitte Mai die Gewerkschaft für eine Streikankündigung kritisiert und Verhandlungen verlangt. Das Unternehmen verweist auf wirtschaftliche Schwierigkeiten durch die Corona-Pandemie und den Krieg Russlands gegen die Ukraine. Schnellecke ist Transportdienstleister für Volkswagen in Sachsen.

Wirtschaftsminister: Arbeitnehmer kennen ihren Preis

Unterdessen hat sich Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) am Mittwoch im Sächsischen Landtag für eine höhere Tarifbindung ausgesprochen. Er bezeichnete einen hohen Anteil an Tariflöhnen als Bedingung für die Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft. Über Jahrzehnte hat sich Sachsen als Wirtschaftsstandort mit niedrigem Lohnniveau empfohlen. Viele Arbeitnehmer hatten aus Sorge vor Arbeitslosigkeit geringes Einkommen akzeptiert.

Das habe sich nun komplett geändert, so Dulig. Es gebe keinen "Arbeitgeber-Markt" mehr, sondern einen "Arbeitnehmer-Markt". Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden ihren Preis genau kennen. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums arbeiteten 2021 in Sachsen dennoch nur 42 Prozent der Beschäftigten in Betrieben mit Tarifvertrag.

Martin Dulig
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Glaubt denn wirklich jemand, dass wir unser Arbeits- und Fachkräfteproblem mit niedrigen Löhnen bearbeiten werden?

Martin Dulig (rechts im Bild) Sächsischer Wirtschaftsminister (SPD)

Dulig verteidigt Mindestlohn

Dulig verteidigte die Erhöhung des Mindestlohnes auf zwölf Euro pro Stunde voraussichtlich ab Herbst. Dieser Mindestlohn habe etwas mit Respekt zu tun. In Sachsen hätten bei Einführung des Mindestlohns die meisten Arbeitnehmer profitiert. Bei knapp 1,7 Millionen Beschäftigungsverhältnissen im Bundesland hätten 611.000 davon einen Bruttoverdienst von unter zwölf Euro.

Linke fordern Vergabegesetz für öffentliche Aufträge

Linke-Politiker Nico Brünler sieht Sachsens Regierung selbst bei der Tarifbindung in der Pflicht. Der Freistaat müsse mit gutem Beispiel vorangehen - alle landeseigenen und kommunalen Unternehmen müssen tarifgebunden sein, verlangte Brünler. "Vor allem aber muss endlich ein modernes Vergabegesetz her. Öffentliche Aufträge darf es nur noch für diejenigen Unternehmen geben, die ihre Beschäftigten ordentlich bezahlen und behandeln."

MDR (lam)/mina/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 01. Juni 2022 | 13:30 Uhr

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