Nazi Kiez steht auf einer Hauswand.
Bei Durchsuchungen im April 2022 bei der Neonazi-Gruppe "Knockout 51" in Eisenach fand die Polizei mehrere Waffen. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Prozess gegen Rechtsextreme Neonazi-Gruppe "Knockout 51" hatte Kontakt in die Bundeswehr

13. Oktober 2023, 13:22 Uhr

Ein Bundeswehrsoldat soll Kontakt zu der Eisenacher Neonazi-Gruppe "Knockout 51" gehabt haben. Ob es sich um ein Mitglied oder einen Unterstützer handelt, ist nicht bekannt. Linken-Politikerin Martina Renner fordert einen Ausschluss aus der Armee.

Zum Kreis der Eisenacher Neonazi-Gruppe "Knockout 51" soll ein Bundeswehrsoldat gehört haben. Das geht der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke im Bundestag hervor, die MDR THÜRINGEN exklusiv vorliegt. Ein aktiver Bundeswehrsoldat soll demnach "Bezüge" zu der rechtsextremen Gruppierung haben – so heißt es in der Antwort der Bundesregierung. Ob es sich um ein Mitglied oder einen Unterstützer der Neonazi-Schläger handelt, geht aus dem Schreiben nicht hervor.

Polizeibeamter soll vor Ermittlungen und Festnahmen gewarnt haben

Die Linken-Bundestagsabgeordnete und Rechtsextremismus-Expertin Martina Renner sagte dem MDR, der aktive Bundeswehrsoldat sei neben den Kontakten der Gruppe in die Eisenacher Polizei bereits die zweite Verbindung in Sicherheitskreise. "Dieser muss dringend aus der Armee entfernt werden. Die Gefahr, die durch eine Rechtsterror-Gruppe mit ausgebildeten Soldaten und direkten Kontakten in den Polizeiapparat besteht, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden", so Renner.

Laut Medienberichten soll ein Polizeibeamter die Gruppe vor Ermittlungen und Festnahmen gewarnt haben. Nach MDR-Informationen soll es außerdem einem der aktuell Angeklagten gelungen sein, bei einem Verhör Ermittlungsakten mit sensiblen Daten abzufotografieren. Die Aufnahmen sollen danach in Neonazikreisen verteilt worden sein.

Waffenarsenal des Neonazi-Kampfsportnetzwerks

Die mutmaßlichen Mitglieder der Eisenacher Neonazi-Gruppe "Knockout 51" hatten laut Antwort der Bundesregierung offenbar Zugang zu einem Waffenarsenal. Demnach wurden bei den Durchsuchungen im April 2022 Hieb-, Schlag- und Stichwaffen gefunden, außerdem "ein Compound-Bogen mit Pfeilen, Schusswaffen, 285 Stück Schreckschussmunition, eine nicht näher bestimmte Anzahl an Softairmunition sowie Ausrüstung und Materialien der 3D-Druck-Technik, Anleitungen für 3D-gedruckte Waffen und 3D-gedruckte Waffenteile". 

Martina Renner (Die Linke) sagte dem MDR, die Waffenfunde müssten mit den Tötungsabsichten und den über 60 zum Teil schweren Straftaten und den Schießtrainings der Gruppierung zusammengedacht werden. "Dass neben 3D-Technik und Anleitungen auch bereits gedruckte 3D-Waffenteile gefunden wurden, zeigt, dass die Gruppe in ihrem Vorgehen in einer Reihe mit anderen Rechtsterror-Bestrebungen steht", so Renner.

Auch bei dem rechtsterroristischen Anschlag von Halle im Jahr 2019 seien 3D-gedruckte Komponenten bei eingesetzten Waffen genutzt worden.

Gruppe wollte Menschen aus linksextremer Szene töten

Nach MDR-Informationen soll es sich bei den Schlag- und Stichwaffen unter anderem um zahlreiche Messer, Äxte, Macheten, Schlagringe und Schlagstöcke gehandelt haben. Laut Bundesanwaltschaft hatte die Gruppe spätestens ab April 2021 das Ziel verfolgt, Personen aus der linksextremen Szene zu töten.

Der Prozess gegen die vier mutmaßlichen Mitglieder von "Knockout 51" unter anderem wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und Bildung einer kriminellen Vereinigung vor dem Thüringer Oberlandesgericht Jena läuft noch bis März 2024.

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MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. Oktober 2023 | 10:00 Uhr

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