Eine Frau in einer Buchhandlung mit zwei Kundinnen.
Auch in Buchhandlungen - wie hier bei Peterknecht in Erfurt - können 18-Jährige den Kulturpass nutzen. Bildrechte: MDR/Robert Müller

Theater, Kino, Museum Der Kulturpass ist da - wird er in Thüringen genutzt?

28. Juli 2023, 14:59 Uhr

Der Kulturpass der Bundesregierung soll möglichst vielen jungen Menschen Kultur-Erlebnisse ermöglichen. Der 200-Euro-Gutschein kann für Lesungen und Konzerte oder für Besuche in Museen und Kinos genutzt werden. Was sagen Kulturanbieter in Erfurt dazu?

Ob Wagner oder Madonna, Museum oder Kino, Manga oder Fachliteratur - all das steht jungen Menschen, die in diesem Jahr 18 werden oder es geworden sind, mit dem Kulturpass der Bundesregierung zur Verfügung. Sogar Musikinstrumente.

Und die Regierung hat dafür viel Geld in die Hand genommen: 100 Millionen Euro wurde dafür bereitgestellt. Ein Ausgleich dafür, dass Jugendliche während der Corona-Pandemie kaum die Möglichkeit hatten, außerhalb der eigenen vier Wände Kultur kennenzulernen.

Laut dem Statistischen Bundesamt werden in diesem Jahr rund 750.000 Jugendliche 18. Das heißt, das Geld reicht nicht, wenn alle von dem 200-Euro-Angebot voll Gebrauch machen. Doch momentan sieht es eher nicht danach aus.

Zum 21. Juli haben zwar über 310.000 Jugendliche die Kulturpass-App heruntergeladen, aber nur 100.000 haben sich mit Hilfe ihrer eID - der elektronischen Ausweisfunktion des Personalausweises - dort registriert. 95.000 Buchungen im Wert von etwa 1,8 Millionen Euro wurden über den Kulturpass abgewickelt. Die Bundesregierung, vornehmlich Kulturstaatsministerin Claudia Roth, geht davon aus, dass das Budget reicht und wertet den Start als Erfolg - auch für die von Corona gebeutelte Kulturbranche.

Kinobranche begrüßt Kulturpass

Das sieht auch der Verein HDF Kino so, der etwa 600 Kinobetreiber vertritt, die 75 Prozent der deutschen Kinoleinwände bespielen. Gemeinsam mit einem externen Partner hat man hier frühzeitig auf eine Gutscheinlösung gesetzt: Die Jugendlichen wählen einen Gutschein im Wert von 15 oder 30 Euro in der App aus und lösen diesen an der Kinokasse oder im Webshop des Kinos ein. Was übrig bleibt, wird automatisch auf das Budget der Jugendlichen zurückgebucht. Der Coupon ist allerdings nur 24 Stunden gültig, ehe er annulliert wird.

Das Cinestar-Kino in Erfurt ist einer der deutschlandweit über 7.000 Kulturbetriebe, die sich bislang als Anbieter von kulturellen Angeboten im Kulturpass registriert haben. Christian Mauerhoff leitet das Kino seit zwei Jahren und hat die Corona-Zeit auch als Arbeitgeber sehr dramatisch empfunden. Den Kulturpass begrüßt eher daher sehr.

Ob nun Blockbuster wie Oppenheimer, Barbie und India Jones oder Hochkultur wie zum Beispiel die Liveübertragungen aus der Metropolitan Opera in New York - Kino gehöre untrennbar zur Kultur. Und auf die hätten die jungen Menschen viel zu lang verzichten müssen. Denn auch Kinos waren während der Pandemie lange Zeit geschlossen.

Das Angebot mit dem Kulturpass werde in Erfurt schon ganz gut angenommen, auch wenn er derzeit keine genauen Zahlen nennen könne. Besonders die, die bereits einmal davon Gebrauch gemacht hätten, würde er häufiger an der Kinokasse wiedertreffen.

Technische Probleme und Hürden

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) freut sich über den Verlauf des ersten Monats; "Das ist ein sehr erfreulicher Auftakt, der zeigt, dass der Kulturpass ankommt“.

Doch klar ist auch: Der Kulturpass zeigt auch wieder ganz deutlich den Rückstand Deutschlands bei der Digitalisierung auf. Da sind zum einen die Schwierigkeiten für kleinere Anbieter, ihre Angebote in die Datenbank zu bringen - und die technischen Probleme mit der App selbst: Denn die Suche nach passenden Angeboten gestaltet sich als schwierig.

Auch bei sehr gezielten Abfragen tauchen Hunderte Angebote auf, die nichts mit dem eingegeben Schlagwort und dem eingestellten Umkreis zu tun haben. Teilweise lassen sich Angebote nur finden, wenn man ganz genau den Titel kennt. Manche Angebote tauchen dagegen gar nicht auf. Der Anspruch, Jugendliche an ihnen bislang unbekannte Kulturangebote heranzuführen, fällt derzeit leider noch etwas hinter die digitale Realität zurück.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth möchte mehr jungen Menschen ein Kultur-Erlebnis ermöglichen. Bildrechte: picture alliance/dpa | Jörg Carstensen

Das liegt auch daran, dass gerade viele kleinere Anbieter größere Probleme damit haben, ihr Angebot in die App zu bringen. Denn dafür brauchen sie zum einen eine Registrierung über das "Elster-Portal" und zum anderen müssen sie ihre Angebote einpflegen. Das erfordert Zeit und Personalaufwand und damit auch zusätzliche Kosten - etwas, was gerade kleinere Häuser sich nicht leisten können.

Theater Erfurt sieht Verbesserungsbedarf

Grit Michael, die beim Theater Erfurt den Vertrieb und Service leitet, macht auf ein weiteres Problem vieler Kulturbetriebe aufmerksam: Dadurch, dass man die Abwicklung komplett an einen externen Anbieter abgegeben habe, gäbe es zwar nur einen geringen Aufwand für das Theater Erfurt. Allerdings würden die Angebote an der Theaterkasse günstiger als in der App sein, denn dort falle die Bearbeitungsgebühr des externen Anbieters ja nicht an. Erhältlich seien die Kulturpass-Tickets aber nur über den Anbieter.

Und noch etwas sei daran problematisch: Die auch für Kulturbetriebe wichtigen Kundendaten würden so gar nicht mehr in das Haus kommen, sondern beim externen Anbieter verbleiben. So würde es schwierig sein, den Jugendlichen künftig weitere Kulturangebote zu unterbreiten und sie dauerhaft mit dem Haus zu verbinden. Außerdem könne man zum Beispiel kurzfristige Absagen nicht rechtzeitig weitergeben.

Trotzdem begrüßen alle Beteiligten den Kulturpass. Auch wenn es noch Luft nach oben gäbe ...

MDR (rm/mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 19. Juni 2023 | 11:05 Uhr

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