Thüringer Musikradar "Chameleon Walk" aus Erfurt: Ein Saxofon umschmeichelt die Gitarre

Eigentlich wollten sie sich nur regelmäßig zur Küchenmusik treffen. Doch dann wurde mehr daraus. Inzwischen haben "Chameleon Walk" aus Erfurt sich quer durch Thüringen gespielt. Auch wenn Auftritte zuletzt kaum möglich waren, blickt das Duo zuversichtlich in die Zukunft - und würde am liebsten den Sommerhit 2021 landen.

Eine Frau mit Saxofon und ein Mann mit Gitarre in einem Garten
Babette Lauenstein und Axel Heyder setzen als "Chameleon Walk" auf Saxofon und Gitarre. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Über gewisse Band-Konstellationen stolpert man selten. Weil manches nicht zusammenpasst. Weil niemand daran denkt. Oder weil niemand sich traut. Doch hier und da finden Musiker kaum besetzte Nischen - sei es aus Neugier oder Zufall - und entwickeln dort Klänge, die im ersten Moment tatsächlich unerhört sind.

Ausgestattet mit Westerngitarre und Saxofon hat das Duo "Chameleon Walk" aus Erfurt in den vergangenen fünf Jahren schon so einige Kneipen, Bars und Biergärten in Thüringen besucht - und dabei bewiesen, dass die unübliche Kombination durchaus harmonieren kann. Denn Axel Heyder und Babette Lauenstein haben in der bisherigen Bandgeschichte nicht nur viel Applaus geerntet, sondern sind von diversen Gastwirten bereits häufiger gebucht worden.

Dabei hatten die beiden sich gar nicht gesucht, sondern einfach nur gefunden. Babette Lauenstein träumte im Jahr 2015 von einer neuen musikalischen Herausforderung, doch fehlten ihr die Mitstreiter. Da dachte sie an Axel Heyder - doch nur, um ihn zu fragen, ob er aufgrund seiner guten Kontakte in die Erfurter Musikszene nicht jemanden kennen würde. "Ja, mich", lautete die Antwort.

"Chameleon Walk": Mit "Ain’t No Sunshine" ging es los

"Wir haben vereinbart, dass wir uns treffen und Bill Withers' Klassiker 'Ain’t No Sunshine' spielen", blickt die Alt-Saxofonistin zurück. "Und wir haben gemerkt: Das funktioniert!" An Konzerte oder eigene Songs hätten sie zu jener Zeit gar nicht gedacht. "Unser Ziel war, einmal in der Woche gemeinsam Küchenmusik zu machen", sagt Gitarrist Axel, der sich damals niemals so bezeichnet hätte. Schließlich lag die letzte Band-Erfahrung mehr als zehn Jahre zurück, und zudem war sein Instrument bisher der Bass gewesen, den er in so mancher Metalformation gern knackig laut gespielt hatte. "Aber ich hatte auf einmal Lust auf die Gitarre", sagt Axel. "Lust aufs Spielen, Lust aufs Singen."

Aber wie es dann so ist mit der kleinen Küchenmusik: Eine Freundin feierte Geburtstag, die beiden spielten ein paar Songs, der Auftritt kam gut an und zum ersten Mal hörten sie die Frage: Wann und wo spielt ihr das nächste Mal?

Corona-Lockdown kreativ genutzt

Fünf Jahre später, im Garten ihres Proberaums in der Krämpfervorstadt, ist Babette und Axel längst klar, dass die Chamäleon-Geburtstagsfeier aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden muss. Doch anders als man meinen könnte, blasen sie kein Trübsal. Im Gegenteil: Sie haben die Zeit und die Ruhe, die ihnen die Krise 2020 bescherte, kreativ genutzt. "Es klingt angesichts der großen und kleinen Tragödien in dieser Zeit merkwürdig", sagt Axel, "aber notgedrungen gab es hier und da freie Kapazitäten, um Dinge zu tun, für die normalerweise wenig Raum bleibt."

Eine Saxofonistin und ein Gitarrist bei einem Konzert.
"Chameleon Walk" bei einem Konzert. Auch für 2021 sind Auftritte geplant. Bildrechte: MDR/Chameleon Walk

Durch Erfurt tanzen in Flip-Flops, Stiefeln und Sandalen

So brachten sie vor allem im vergangenen Frühjahr eigene Video- und Songideen endlich mal in Form. Mit dem Song "Vinyl Speed" wollten sie gar einen Sommerhit landen - doch viel getanzt wurde 2020 nicht. "Dann wird es eben der #Sommerhit2021", sagt Axel optimistisch. "Bis dahin kennen ihn auch mehr Leute als im vergangenen Jahr." Teil dieses Plans ist das Musikvideo, das "Chameleon Walk" zu "Vinyl Speed" gedreht haben. Es zeigt vor allem Füße - in High Heels, Sandalen, Gummistiefeln, Sneakers oder Flip-Flops. "Die Tanzenden sind Freunde und Bekannte, aber auch Leute, die wir einfach auf der Straße angesprochen haben", sagt Babette. "Der Songtext hingegen bezieht sich auf einen DJ, der mit seinen Platten das Tempo vorgibt, im dem sich die Leute auf der Tanzfläche bewegen", ergänzt Axel.

Dabei ist der Song - produziert im XS-Xadis-Studio in Friedrichroda - mit seiner treibenden Basslinie und der lässigen Lounge-Atmosphäre gar nicht unbedingt "typisch Chameleon Walk". Und gerade deshalb vielleicht doch. "Ein guter Song ist ein guter Song, unabhängig vom Genre", sagt Axel. Deshalb reicht ihr Programm, das bis zum vergangenen Jahr ausschließlich Coverversionen umfasste, von Elvis Presley bis Eurythmics, von Britney Spears bis Rammstein, von Glenn Danzig bis Adele. "Es sind fast alles Titel, bei denen im Original kein Saxofon dabei ist", sagt Babette. Genau das macht die Sache für sie so interessant. Sie schmückt die Stücke mit kurzen Melodielinien aus, spielt manchmal einen Basslauf, gönnt sich hier und da ein Solo. Nah am Original? Nicht mit "Chameleon Walk"!

"Gänsehautmomente entstehen, wenn das Publikum einen Song zunächst gar nicht zu kennen glaubt, bis es plötzlich klick macht", sagt Axel. Solche Momente haben sie oft erlebt, in Erfurt etwa im Roten Elephant, in der Blauen Zwiebel, im Speicher oder Kunsthof Pianola. Und im Andreas Kavalier, wo sie am 11. September gern wieder spielen möchten. Ob draußen oder drinnen, ganz egal. Hauptsache wieder Musik, wieder Freude in Gesellschaft.

Mit einem Stepptänzer im Presseklub

Auch im Künstlergarten in Weimar ist das Duo aufgetreten, im Café Pici in Jena, im Thüringer Apothekenmuseum in Bad Langensalza. "Da wir in minimaler Bandgröße unterwegs sind, finden wir fast überall Platz", sagt Axel. Zwar haben sie inzwischen auch eine Kistentrommel - das Cajón - und andere Percussion-Instrumente im Gepäck, "aber unser Equipment bleibt sehr überschaubar".

Hin und wieder erweitern sie ihren Kreis dann aber doch, bitten eine Sängerin mit auf die Bühne oder gestalten - wie einst im Presseklub geschehen - einen Abend mit einem Stepptänzer an ihrer Seite. "Wenn wir Lust haben auf etwas Neues, dann machen wir das einfach", sagt Babette. Mit Neugier und Begeisterung als Antriebsfedern.

Ein Mann und eine Frau halten eine bunte Chamäleon-Figur in die Kamera.
Immer mit dabei: das bunte Bandmaskottchen. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Auftritt auf Buga 2021 geplant

Und so drücken die beiden sich selbst und allen anderen Musikern die Daumen, dass sie die Hoffnung auf Konzerte auch in Lockdown-Zeiten bewahren mögen. "Musik öffnet so viele Herzen, das erleben wir gerade bei kleinen Konzerten immer wieder", sagen sie. "Das fehlt den Menschen im Moment."

Wieder auftreten möchten sie allerspätestens am 5. August 2021. An diesem Tag stehen sie im Programm der Bundesgartenschau in Erfurt. Neben Gitarre, Cajón und Saxofon werden Axel Heyder und Babette Lauenstein dann natürlich auch ihr Maskottchen mit dabei haben: ein quietschbuntes Pappmaché-Chamäleon. "Wir wollten damals unbedingt ein Tier im Bandnamen unterbringen, irgendwie sind wir beim Chamäleon gelandet", lautet die Erklärung. "Es ist immer mit dabei. Man könnte sagen, es ist das dritte Bandmitglied."

Quelle: MDR THÜRINGEN

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