Nach der Bürgermeisterwahl in Leinefelde-Worbis "Es ist eben gelebte Demokratie, wenn dann ein Frisörmeister gewählt wird"

Porträt Regionalkorrespondent Armin Kung
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Leinefelde-Worbis im Eichsfeld hat einen neuen Bürgermeister gewählt. Der parteilose Christian Zwingmann hat am Sonntag deutlich Amtsinhaber Marko Grosa von der CDU besiegt. Bei der Stichwahl holte Zwingmann 1.000 Stimmen mehr. Schon im Wahlkampf sorgte der Beruf des Herausforderers für Gesprächsstoff. MDR THÜRINGEN hat sich im Ort umgehört, was die Wähler zur kontroversen Wahl sagen.

Christian Zwingmann, Bürgermeister Leinefelde-Worbis
Der neue Bürgermeister von Leinefelde-Worbis: Christian Zwingmann Bildrechte: MDR/Armin Kung

Fragt man die Menschen, hat der amtierende Bürgermeister einen entscheidenden Fehler gemacht. Er hatte im Wahlkampf angedeutet, dass ein Frisör kein Rathaus führen könne. Das sorgt auch einen Tag nach der Stichwahl für Empörung:

"Nein, solche Aussagen gehören sich nicht. Das ist wirklich nicht gut gelaufen von Herrn Grosa. Das war einfach unter der Gürtellinie", sagt eine ältere Dame mit orangener Jacke und einem Rollator. Die Aussage sei moralisch verwerflich. Das sagten die meisten älteren Befragten MDR THÜRINGEN. Wie alle in dem kleinen Ort will sie wegen der kontroversen Wahl anonym bleiben.

Solche Aussagen gehören sich nicht.

Die Kritik am bisherigen Amtsinhaber ist laut. Ein Hausbesitzer, der seinen Vorgarten mäht, meint zu wissen, warum Grosa die Wahl verloren hat:

"Ich fand die Wahlniederlage von Herrn Grosa überhaupt nicht überraschend. In der Presse war er ziemlich arrogant aufgetreten. Den Menschen erklären zu wollen, dass ein Frisör kein Bürgermeister werden könne, hat ihn in den Augen vieler Wähler kompromittiert", sagt er.

Marko Grosa, 2018
Aussage über Wettbewerber kam nicht gut an: Marko Grosa (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

Eine Straße weiter stößt ein anderer Mann in ein ähnliches Horn: "Der Bürgermeister war sicherlich nicht gegen die Bürger, aber hat am Ende nicht mehr sehr viel auf den kleinen Bürger gehört", sagt er.

Auch Jugendliche hat diese Kommunalwahl bewegt. Ein 18-Jähriger betont, dass zu viele kuriose Geschichten über den Wahlverlierer in der Stadt kursieren würden. Er sei froh, dass nun ein anderer Bürgermeister geworden ist.

Seine Mitschülerin dagegen zweifelt an dem neuen Bürgermeister. Sie kritisiert nicht, dass er Frisörmeister ist, aber... "von sechs Angestellten im Frisörgeschäft auf über 100 in der Stadtverwaltung zu wechseln, halte ich für schwierig. Unabhängig von seiner Person hatte Grosa einen guten Job gemacht", sagt die 17-Jährige MDR THÜRINGEN.

Er hat ein hartes Stück Arbeit vor sich.

Auch ein Mann mit Sonnenbrille und Schnurrbart macht sich Sorgen um die fehlende Verwaltungserfahrung von Zwingmann: "Ob er diesen Überblick und dieses Engagement wie Grosa zeigen kann, muss sich erst zeigen. Ich wünsche ihm viel Erfolg, aber er hat ein hartes Stück Arbeit vor sich."

Ganz anders die lachende Seniorin mit frisch geschnittenem Pony. "Ich war gerade bei Herrn Zwingmann im Laden und habe mir die Haare machen lassen. Das war einfach respektlos ihm gegenüber. Ein Bürgermeister muss auch ein Vorbild sein und darf nicht so arrogant auftreten. Es ist eben gelebte Demokratie, wenn dann ein Frisörmeister gewählt wird. Find ich gut", sagt sie.

Nicht nur das Frisörzitat hat die Menschen bewegt. Viele Worbiser freuen sich über einen Einheimischen im Rathaus: "Für Leinefelde hat er seinen Job super gemacht, nur nicht für Worbis. Seit der Landesgartenschau ging gefühlt alles nach Leinefelde. Alle Bauhof-Mitarbeiter kümmern sich dort ums Grüne und hier kaum noch“, sagt eine Worbiserin.

Endlich mal ein Worbiser

Ein Mann im E-Rollstuhl ist regelrecht begeistert: "Wir freuen uns drauf! Endlich mal ein Worbiser und nicht ein Fremder, in dem Sinne."

MDR (aku/dr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 28. Juni 2022 | 06:10 Uhr

20 Kommentare

DermbacherIn vor 6 Wochen

@MikeS
So einfach ist das, Marko Grosa hatte bei den Bürgermeisterwahlen im Jahr 2016 im ersten Wahlgang mit
66 % der Stimmen gewonnen und jetzt ist er im zweiten Wahlgang mit 43,2 % gescheitert, dies sagt doch alles über seine heutige "Beliebtheit" aus!

MikeS vor 6 Wochen

Mal ehrlich, der letzte Halbsatz ist doch selbsterklärend, oder? Der Rest ist ist unbewiesen. Woher nimmt er die Gewissheit des dann "besseren Bürgemeisters"? Wie definiert er den? Aus Sympathie und/oder Antipathie? Dieser Posten ist kein Übungsfeld - auch nicht in er Demokratie!

MikeS vor 6 Wochen

... was aber mglw. meine Auffassung nicht weniger richtig macht. Und glauben Sie mir, ich kann das beurteilen und vermutlich besser, als die von Ihnen zitierten meisten Wählenden ...

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