Goldmedaille für Gemeinden Dorfleben mit Zukunft: Wie Bollstedt in Thüringen von einem Wettbewerb profitierte

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Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Die Anmeldefrist für den Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" ist jetzt wegen Corona bis August verlängert worden. Es gibt noch zu wenig Bewerber. Im vergangenen Jahr hatte Bollstedt den Bundeswettbewerb gewonnen. Was die Auszeichnung dem Ort gebracht hat, wie es heute da aussieht und ob das Preisgeld schon ausgegeben ist, erzählen der alte und der neue Bürgermeister.

Bollstedter beim Jubeln
Die Bollstedter jubelten als ihr sie den Sieg holten beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft". (Archivbild) Bildrechte: MDR/Gemeinde Bollstedt

Kennen Sie Bollstedt? Wenn nicht, sind Sie damit nicht alleine. Bürgermeister Thomas Ahke und sein Amtsvorgänger Hagen Lindner müssen immer wieder erklären, wo das preisgekrönte Dorf liegt und was es so besonders macht. Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde nämlich den Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" gewonnen und dafür eine Goldmedaille bekommen.

Dorf-Wettbewerb hat vieles verändert

Begonnen hatte alles schon 2017 mit der Bewerbung für den Regionalwettbewerb. Als die Jury damals durch Bollstedt lief, um die Preisträger für den Regionalwettbewerb zu finden, nahmen die etwa 1.000 Einwohner allerdings kaum Notiz davon - und die meisten waren skeptisch bezüglich der Chancen auf einen Preis. Auch Thomas Ahke: "Ich finde Bollstedt wunderschön, aber ich dachte damals, dass wir nichts Besonderes sind", erinnert er sich.

Wir haben wirklich durch diesen Wettbewerb unser Dorf mit anderen Augen gesehen. Wir schätzen jetzt viel mehr, was wir hier haben.

Hagen Lindner

Aber dann ging es Schlag auf Schlag. Denn im Regionalwettbewerb war Bollstedt 2017 Dritter geworden und im Landeswettbewerb 2018 Zweiter. "Da blieb ja für den Bundeswettbewerb nur Platz eins", witzelt Bürgermeister Thomas Ahke.

Delegation jubelt bei Preisverleihung
Die Bollstedter bei der Preisverleihung in Berlin. Bildrechte: MDR/Gemeinde Bollstedt

Auf der Grünen Woche in Berlin Anfang des Jahres wurde der Preis dann übergeben. Mit zwei Bussen war man aus Bollstedt angereist zu diesem Ereignis. Außer Ruhm und Ehre gab es noch 15.000 Euro. Ahke ergänzt: "Die Euphorie, die Energie durch diesen Preis hat uns durch die ganze Corona-Zeit getragen."

Preisgeld gut angelegt

Ein Teil des Geldes ist mittlerweile im neuen Spielplatz verbaut, daneben sprudelt ein Froschbrunnen, jetzt soll der Anger neu gestaltet werden. Denn der wird momentan kaum genutzt. Der Ortsteilrat und die Vereinsvorsitzenden haben das gemeinsam entschieden. "Wir hatten ja während der Corona-Einschränkungen genug Zeit, Ideen zu entwickeln", erzählt Hagen Lindner.

Die Goldmedaille hat in Bollstedt Vieles verändert

Thomas Ahke (mit Bart) und Hagen Lindner präsentieren ihren Preis und die damit bezahlten Projekte in Bollstedt.
Besonders stolz sind Bürgermeister Thomas Ahke (links) und sein Amtsvorgänger Hagen Lindner auf den Sportplatz. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Thomas Ahke (mit Bart) und Hagen Lindner präsentieren ihren Preis und die damit bezahlten Projekte in Bollstedt.
Besonders stolz sind Bürgermeister Thomas Ahke (links) und sein Amtsvorgänger Hagen Lindner auf den Sportplatz. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Thomas Ahke (mit Bart) und Hagen Lindner präsentieren ihren Preis und die damit bezahlten Projekte in Bollstedt.
Hier in Bollstedt bringen sich die Einwohner aktiv ein, damit es immer schöner wird im Dorf. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Thomas Ahke (mit Bart) und Hagen Lindner präsentieren ihren Preis und die damit bezahlten Projekte in Bollstedt.
Stolz präsentieren Thomas Ahke und Hagen Lindner ihre Auszeichnung vom Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft". Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Thomas Ahke (mit Bart) und Hagen Lindner präsentieren ihren Preis und die damit bezahlten Projekte in Bollstedt.
Das ist die Goldmedaille, die letztes Jahr in Berlin auf der "Grünen Woche" überreicht wurde. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Thomas Ahke (mit Bart) und Hagen Lindner präsentieren ihren Preis und die damit bezahlten Projekte in Bollstedt.
Und das ist die Urkunde dazu. Beides wird in Bollstedt in Ehren gehalten. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Thomas Ahke (mit Bart) und Hagen Lindner präsentieren ihren Preis und die damit bezahlten Projekte in Bollstedt.
Bollstedt punktete unter anderem mit seinen vielen aktiven Vereinen. Einer davon ist die Feuerwehr. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Thomas Ahke (mit Bart) und Hagen Lindner präsentieren ihren Preis und die damit bezahlten Projekte in Bollstedt.
Dieser Brunnen wurde zufällig beim Umgestalten des Kirchplatzes entdeckt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
Auch in den neuen Spielplatz ist ein Teil des Preisgeldes geflossen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Der Spielplatz vor der Sanierung
So sah der Spielplatz vorher aus. 20 Jahre war dort nichts passiert. Bildrechte: MDR/Gemeinde Bollstedt
Thomas Ahke (mit Bart) und Hagen Lindner präsentieren ihren Preis und die damit bezahlten Projekte in Bollstedt.
Dass Bürgermeister Ahke den neuen Spielplatz mag, ist nicht zu übersehen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Thomas Ahke (mit Bart) und Hagen Lindner präsentieren ihren Preis und die damit bezahlten Projekte in Bollstedt.
Natur ist den Bollstedtern wichtig. Dieser Bauerngarten wird vom Kindergarten gepflegt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
Auch der ist neu gestaltet worden und die kleinen Bollstedter fühlen sich wohl in ihrem "Kinderland". Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
Auch die Sportvereine sind aktiv im Ort. Hinter dieser Fassade verbirgt sich eine Sporthalle. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
Am Ortsrand entsteht derzeit eine Anlage für Betreutes Wohnen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Thomas Ahke (mit Bart) und Hagen Lindner präsentieren ihren Preis und die damit bezahlten Projekte in Bollstedt.
Diese Fläche wartet noch auf neue Ideen, sie wird als eines der nächsten Projekte angepackt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Künftig sollen hier Kinder spielen können, es wird einen Rastplatz für Fahrradfahrer geben, die den Unstrut-Radweg nutzen. "Typischerweise ist der Anger ja Treffpunkt für Jung und Alt", sagt Thomas Ahke. "Das soll wieder so werden. Deshalb pflanzen wir auch eine Linde und bauen eine schöne Rundbank." Und weil auch noch ein Brunnen dazukommen soll, reicht das Preisgeld am Ende natürlich nicht. Etwa 100.000 Euro, schätzen Lindner und Ahke, wird der Anger kosten. Aber die Fördermittel dafür sind schon avisiert.

Neue Ideen: Noch grüneres Bollstedt

Wenn der Bürgermeister zum runden Geburtstag gratuliert oder zur Goldenen Hochzeit gibt es in Bollstedt übrigens keinen Präsentkorb oder Blumenstrauß - hier bekommen die Jubilare ein Bäumchen. Mit einer Tafel versehen, werden die dann auf einer Fläche am Dorfrand gepflanzt und bald wird dort ein Mischwald wachsen. Denn den Bollstedtern ist es wichtig, ihren Ort noch grüner zu machen.

Bollstedt - ein Ort zum Wohlfühlen

Mit viel Engagement setzen sich die Bürger im thüringischen Bollstedt für ihren Ort ein. Die Corona-Krise hat das Gemeinschaftsleben eingeschränkt. Trotzdem ist Bollstedt ein Ort, an dem es sich gut leben lässt.

Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
In Bollstedt hilft man sich gegenseitig. Dadurch leben die Generationen recht harmonisch zusammen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
Vor der Kirche wird normalerweise die Kirmes gefeiert. Die Bollstedter hoffen, das das bald wieder geht. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
Hier war früher die Schule. Jetzt sind in dem gebäude Wohnungen entstanden. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
Auch eine traditionelle "Dorfkneipe" gibt es zum Glück noch. Derzeit wird dort umfassend saniert. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
Das Betreute Wohnen am Dorfrand soll auch bald fertig sein. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
Veträumte Plätze gibt es rund um Bollstedt auch jede Menge. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
Mama Schwan sollte man beim Spaziergang allerdings nicht zu nahe kommen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
Statt Blumen bekommen Jubilare im Dorf ein Bäumchen vom Bürgermeister. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
Nach und nach soll so ein kleiner Wald entstehen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
Wanderer und Radfahrer können hier entspannt rasten. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Gemeinde Bollstedt gehört zu Mühlhausen und hat etwa 1.000 Einwohner.
Der Ort liegt in der bis zu zwei Kilometer breiten Unstrutaue zwischen Mühlhausen und Bad Langensalza. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Auch ein traditioneller Bauerngarten wurde im öffentlichen Bereich angelegt, gepflegt wird der vom Kindergarten. All diese Ideen, das gesamte Dorfleben - Bürgermeister Ahke sieht die Ursache dafür vor allem im regen Vereinsleben der Gemeinde. "Das war früher schon so und jetzt, wo wir zur Stadt Mühlhausen gehören, ist das noch wichtiger geworden."

Anmeldeschluss für Wettbewerb verlängert

Bisher haben sich zu wenig Dorfgemeinschaften beim Ministerium angemeldet. In der Corona-Pandemie war es schwer, zusammen über Ideen für eine Bewerbung und die entsprechende Präsentation nachzugrübeln. Deshalb ist der Anmeldeschluss jetzt auf Ende August verschoben worden.

Thomas Ahke (mit Bart) und Hagen Lindner präsentieren ihren Preis und die damit bezahlten Projekte in Bollstedt. 2 min
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Aus dem Landwirtschaftsministerium heißt es dazu: "Gesucht werden Dörfer, die als Gemeinschaft dafür sorgen, dass ihr Ort attraktiv und lebenswert ist und bleibt. Dabei werden nicht nur die sichtbar erreichten Erfolge bewertet, sondern vor allem die bereits erzielten Schritte einer ganzheitlichen Dorfentwicklung. Im Mittelpunkt steht das Engagement der Dorfgemeinschaft."

Hagen Lindner bestätigt das: "Es geht nicht darum, dass alles schon fertig ist. Wir haben uns damals einfach so präsentiert, wie wir sind, mit allen Stärken und Schwächen. Und das hat die Jury offenbar überzeugt."

Bollstedt punktet mit toller Gemeinschaft

Das Zusammenleben im Dorf war eines der Kriterien der Jury. "Und hier in Bollstedt macht eben nicht jeder seins, die Vereine helfen sich auch gegenseitig", erzählt Hagen Lindner. "Egal, ob bei regulären Arbeitseinsätzen oder in Notfällen." Er schätzt, dass mehr als 70 Prozent der Bollstedter in dem einen oder anderen Verein Mitglied sind. Erst im Verlauf des Wettbewerbs hat er gemerkt, dass das nicht überall so ist. "Wir haben wirklich durch diesen Wettbewerb unser Dorf mit anderen Augen gesehen. Wir schätzen jetzt viel mehr, was wir hier haben."

Die ganze Delegation fährt zur Preisverleihung.
Mit zwei Bussen war man aus Bollstedt zur Preisverleihung angereist. Bildrechte: MDR/Gemeinde Bollstedt

Erste Runde startet jetzt - Bewerbungsfrist läuft

Der Regionalwettbewerb 2021 ist aber nur die erste Stufe im Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft". Die Gewinnerdörfer qualifizieren sich nämlich für den Landeswettbewerb 2022 und möglicherweise für den Bundeswettbewerb 2023. Teilnahmeberechtigt sind räumlich geschlossene Orte, Ortschaften oder Ortsteile mit überwiegend dörflichem Charakter und einander angrenzende Dörfer mit insgesamt höchstens 3.000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Nächster Wettbewerb wird schon vorbereitet

Die Konkurrenz aus Bollstedt müssen die Bewerber übrigens nicht fürchten. Denn die Gemeinde kann dieses Jahr nicht am Regionalwettbewerb teilnehmen. Bollstedt vertritt nämlich jetzt Deutschland beim Nachhaltigkeitswettbewerb Entente Florale Europe. Thomas Ahke: "Das ist für uns eine große Ehre, aber es bleibt auch noch eine ganze Menge zu tun." Wenn Bollstedt weiter so zusammenhält, kommt also vielleicht bald ein neuer Preis dazu. Und spätestens dann, da sind der alte und der neue Bürgermeister sicher, kennt man die kleine Gemeinde Bollstedt in ganz Europa.

Bollstedt 1 min
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Entente Florale Europe Die Entente Florale Europe (französisch für Blumiges Einvernehmen) ist ein europaweiter Wettbewerb, der die Bürger in Städten, Gemeinden und Dörfern dazu anhalten will, die Wohn- und Lebensqualität zu erhöhen. Aus dem ursprünglichen Pflanzen- und Blumenwettbewerb hat sich inzwischen ein Wettbewerb entwickelt, der im Kriterienkatalog wesentlich mehr Anforderungen an die Bewerber stellt als eine rein optische Ortsbildverschönerung. 1977 als britisch-französische Initiative gegründet, nehmen mittlerweile zwölf europäische Staaten teil.

Zahlen & Fakten

Im Wettbewerb des Bundes-Landwirtschaftsministeriums wurden acht Goldmedaillen vergeben, außerdem 15 mit 10.000 Euro dekorierte Silberne, unter anderem an den Landessieger Waffenrod-Hinterrod (Kreis Hildburghausen). Für Thüringen gab es seit 1995 fünf weitere Golddörfer: darunter Donndorf, Wechmar und Tiefengruben.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 19. Mai 2021 | 16:00 Uhr

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