Kaufpreis in Millionenhöhe gefordert Tietz-Kaufhaus Gera: Stadträte fordern Abbruch der Verkaufsverhandlungen

Der Streit um das einstige Tietz-Kaufhaus in Gera spitzt sich zu. Die Stadträte fordern gemeinsam in einem offenen Brief, die Verhandlungen mit dem jetzigen Eigentümer der Immobilie abzubrechen. Der geforderte Preis sei zu hoch. Nach MDR THÜRINGEN-Informationen zahlte die Unternehmensgruppe selbst nur einen Bruchteil der Summe, die sie nun verlangt.

Die Geraer Stadträte wollen die Verhandlungen mit dem jetzigen Eigentümer um das frühere Tietz-Kaufhaus abbrechen. In einem offenen Brief aller Fraktionen schreiben sie, der geforderte Kaufpreis sei völlig überzogen. Man lege Oberbürgermeister Julian Vonarb (pl) nahe, die Verhandlungen zu beenden.

Die Besitzerin der Immobilie, die FAB Unternehmensgruppe, hatte zuvor der Stadt ein Angebot über 5,8 Millionen Euro unterbreitet. Das ist exakt die Summe, in deren Höhe der Bund Fördermittel in Aussicht gestellt hatte. Die Stadt Gera schlug das Angebot daraufhin aus.

Den geforderten Kaufpreis haben Sie offenkundig an den in Aussicht gestellten Fördermitteln bemessen.

Aus dem offenen Brief der Geraer Stadträte an die FAB Unternehmensgruppe

Fördermittel laut Stadträten vor allem für Sanierung gedacht

Die Fördermittel sollten vorrangig der Sanierung dienen, so die Stadträte, nicht aber für überzogene Kaufpreisforderungen genutzt werden. Ein von der Unternehmensgruppe vorgelegtes Verkehrswertgutachten gehe völlig an der Realität vorbei, das frühere Kaufhaus könne in seinem jetzigen Zustand keinen Ertrag einbringen.

Blick auf das ehemalige Horten-Kaufhaus in der Geraer Sorge.
Das einstige Tietz-Kaufhaus an der Sorge in Gera steht seit rund 20 Jahren leer. Bildrechte: dpa

Die Stadträte fordern die Eigentümergruppe in dem Brief auf, das Tietz-Quartier nun eigenverantwortlich zu entwickeln. Sie sagten dafür "machbare Unterstützung" zu. Unterzeichnet haben den Brief die Stadträte Harald Frank (AfD-Fraktion), Andreas Schubert (Linke-Fraktion), Christian Klein (CDU-Fraktion), Norbert Hein (Fraktion Die Liberalen), Ulrich Porst (Fraktion Bürgerschaft Gera), Sandra Raatz (Fraktion Für Gera), Monika Hofmann (SPD-Fraktion) und Nils Fröhlich (Fraktion Grünes Gera).

Das, was als machbare Unterstützung durch die Stadt erfolgen kann, wird geleistet werden. Es obliegt Ihnen, die nach eigenem Bekunden guten Entwicklungschancen des Quartiers zu realisieren.

Aus dem offenen Brief der Geraer Stadträte an die FAB Unternehmensgruppe

Eigentümerin zahlte offenbar nur rund 290.000 Euro für Gebäude

Die umstrittene Immobilie steht seit Jahren leer. Oscar und Hermann Tietz (kurz: Her-Tie) hatten das Gebäude 1912 eingeweiht, es wurde zum Stammhaus des späteren Hertie-Konzerns. Die FAB Unternehmensgruppe ist seit 2013 Eigentümerin des Kaufhauses. Nach Schriftstücken, die MDR THÜRINGEN vorliegen, soll die FAB Unternehmensgruppe damals für das Kaufhaus und weitere umliegende Grundstücke insgesamt rund 292.000 Euro bezahlt haben. Ursprünglich wollte die FAB das Gebäude an die Stadt Gera vermieten, was der Stadtrat aber Anfang 2021 ablehnte.

Quelle: MDR THÜRINGEN/uka

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. September 2021 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

repugno vor 4 Wochen

Es ist kein Nachteil, als OB Visionen zu haben . Ebenfalls kann es nur von Vorteil sein, als Kommunalpolitiker gute Kontakte zu örtlichen Unternehmern zu haben. Es scheint aber unmöglich zu sein, gute Politik in einer Stadt zu machen , deren Einwohner und politische Vertreter in den Gremien den Anspruch haben jeden Fortschritt als Geschenk auf dem Silbertablett präsentiert zu bekommen, möglichst ohne eigene Anstrengungen , Kosten und Risiko. Das dies natürlich nicht funktionieren kann, ist der Stadt anzusehen. Natürlich müssen dann Verantwortliche außerhalb gesucht werden. Gera? Ein Trauerspiel....

Professor Hans vor 4 Wochen

SuPerHer
Offensichtlich kennen Sie ja J.Vonarb und sein Umfeld sehr gut, wie Sie ihn bitten.
Leider ist Ihnen entgangen, daß der OB massiv im Wahlkampf auch finanziell von Herrn Bräuner unterstützt wurde. Die Fakten und die infrage stehenden Summen wurden bereits 2019 in der Ostthüringer Zeitung veröffentlicht. Ausserdem gehört die Wiedereröffnung des Tietzkaufhauses zu den zentralen Wahlversprechen des OB. Öffentlich bekundete er, wenn die Öffnung fehlschlägt würde er keine zweite Amtsperiode als OB anstreben. Dieses Versprechen und seine zentralen Wahlziele wurde in der örtlichen Presse OTZ sowie in Wahlwerbungen und Wahlveranstaltungen veröffentlicht. Na denn suchen die Gerchen ab 2024 wieder einen neuen OB. Toi Toi Toi ihr Wähler.

Willy November vor 4 Wochen

Wie man hört, soll der Unternehmer kräftig in den Wahlkampf von Herrn Vonarb investiert haben. Was nun Herr Vonarb? Ist nicht wirklich clever, wenn man sich abhängig macht, gelle.

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